Klassik und Jugend schließt sich nicht aus

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Schwäbische Zeitung

Junge Menschen und klassische Musik: Das scheinen Gegensätze zu sein, die sich nicht zwangsläufig anziehen. Doch wenn sich Kulturschaffende auf die Fahnen schreiben, ein junges Publikum für Bach, Beethoven und Co. zu begeistern, geht es nicht nur um volle Konzertsäle. Ein Ziel ist auch, Nachwuchs für Orchester und Chöre zu gewinnen, damit es weiter Musiker gibt, die die Klassik auch abseits der großen Kulturzentren zu den Menschen bringen. So ist es auch bei der Opernbühne Württembergisches Allgäu. Unter neuer Führung will das traditionsreiche Ensemble junge Zuhörer ansprechen – ist aber auch für neue Mitwirkende offen. Am Wochenende zeigen die Musiker bei zwei Operngalas, wie facettenreich klassische Klänge sein können.

Für Caroline Schnitzer sind die zwei konzertanten Opernabende ein Heimspiel. Die 25-Jährige ist im Allgäu aufgewachsen und hat am Rupert-Neß-Gymnasium in Wangen Abitur gemacht. Doch um ihren beruflichen Traum zu verwirklichen, kehrte sie der Heimat nach der Schule den Rücken. Seit fünfeinhalb Jahren lebt die Mezzosopranistin in Berlin. Dort studiert sie klassischen Gesang an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“. Seit vergangenem Jahr macht sie ihren Master. Die mehrfache Preisträgerin spricht mit einer Begeisterung über Musik, dass man sofort spürt: Da hat jemand seine Berufung gefunden. Ihre Ideen, wie man jungen Menschen den Zugang zu klassischer Musik erleichtern kann, decken sich vielleicht nicht mit denen von Puristen, denen schon das Wort „U-Musik“ Schweißperlen auf die Stirn treibt. So trat sie vergangenen Sommer auf einem Technofestival in Polen auf – und brachte dem tanzenden Publikum dort Opernarien nahe. „Mit neuen Konzepten lassen sich Barrieren einreißen“, sagt sie. Oder warum nicht in einem Technoclub in Berlin Opernarien singen, bevor das Partyvolk zu elektronischen Beats bis in die frühen Morgenstunden feiert? Opernhäuser und klassische Konzertsäle mit ihrer mitunter steif anmutenden Atmosphäre müssen in Caroline Schnitzers Augen nicht zwangsläufig der Ort sein, an dem die Musik spielt. Zu ihren Inspirationen zählt die Opernsängerin Joyce DiDonato ebenso wie die Popkünstlerin Lady Gaga.

Klarer Klang

Judith Schellmann kann Klassik mehr abgewinnen als Popmusik. Die 17-Jährige ist Teil des Terzetts aus der Gesangsklasse von Christian Feichtmair, mit dem die Opernbühne zusammenarbeitet. An klassischer Musik reizt sie der klare Klang. „Dass man Töne auf den Punkt treffen muss“ – anders als im Pop, wo sich die Akteure gern mal an die Töne herantasten. Sie blickt zu Caroline Schnitzer auf: „Wir jungen Menschen hier sehen sie als aufgehenden Stern“, so die junge Frau.

Das dürfte auch den Trossinger Musikprofessor Philipp Ahner freuen, der seit Ende 2017 den Vorsitz des rund 150 Mitglieder starken Vereins inne hat. Er löste Adolf Wetzel ab, der die Opernbühne 1984 gründete und diese zu einer kulturellen Konstante in der Region entwickelte. Wenn man die Begeisterung von jungen Menschen wie Caroline Schnitzer und Judith Schellmann als Maßstab nimmt, werden im Württembergischen Allgäu mit Sicherheit auch in den nächsten Jahrzehnten Opern erklingen.

Auf dem Programm stehen bei der Operngala mit Solisten, Chor und Orchester der Opernbühne Württembergisches Allgäu unter anderem Werke von Mozart bis Verdi. Der erste Termin ist am Samstag, 24. Februar, in der Festhalle in Leutkirch. Beginn ist um 20 Uhr. Karten für Leutkirch gibt es online unter www.schwäbische.de/tickets oder telefonisch unter 0751/ 2955 5777. Der zweite Termin am Sonntag, 25. Februar, in der Waldorfschule in Wangen (Beginn 19 Uhr) ist laut Veranstalter bereits ausverkauft. Eventuell sind noch Restkarten an der Abendkasse erhältlich.

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