Kit Armstrong begeistert bei der Schubertiade

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 Kit Armstrong bei der Schubertiade in Hohenems.
Kit Armstrong bei der Schubertiade in Hohenems. (Foto: Roland Rasemann)
Katharina von Glasenapp

Mit vier Konzerten war und ist der 27-jährige Kit Armstrong dieser Tage bei der Schubertiade in Hohenems zu erleben: Als Solopianist, Kammermusiker, Liedbegleiter, Komponist und somit Interpret eigener Werke musizierte er gemeinsam mit dem Armida Quartett, dem Bariton Benjamin Appl, der Mezzosopranistin Sophie Rennert und der Bratschistin Barbara Buntrock. Am heutigen Donnerstag gestaltet er gemeinsam mit der Dichterin Ulla Hahn einen poetisch-musikalischen Dialog, indem er ihre Gedichte mit Klavierstücken von Schubert und Mozart verbindet.

Dabei ist die Musik nur ein Teil im Leben dieses hochbegabten Menschen. Als Fünfjähriger komponierte er ein Stück über seine Haustiere, die Hühner. Erst danach bekam er von seiner Mutter ein Klavier – und kam nicht mehr vom diesem Instrument los. Dass er parallel zur Schulausbildung, zu Komposition und Klavier auch Physik, Chemie und Mathematik in seiner amerikanischen Heimat, in Paris und London studierte, mehrere Sprachen spricht, komplizierteste Origami-Figuren faltet und gutes Essen liebt, sind weitere Puzzlesteine im Leben eines besonderen Menschen.

Als Lebensmittelpunkt hat er sich die Kirche Sainte-Thérèse in Hirson im Nordosten Frankreichs gewählt. Hier verwirklicht er zusammen mit Musikerfreunden besondere Projekte, die er so an anderen Orten nicht realisieren könnte: Programme, in die Kammermusik, Lied und auch Kunstausstellungen einfließen. Im aktuellen Gespräch in Hohenems, eingepasst zwischen Proben und Konzerte, ist er freundlich, zugewandt, spricht leise und konzentriert in einem akzentfreien, gewählten Deutsch – das er sich ganz nebenbei innerhalb von vier Monaten beigebracht hat.

Vor zehn Jahren musizierte er erstmals bei der Schubertiade, ließ im Laufe der Jahre immer wieder aufhorchen in Solo- und Kammermusikabenden auch an anderen Orten unserer Region. Immer noch wirkt er im Auftreten kindlich – oder vielleicht einfach alterslos. Er erweist sich als ebenso leidenschaftlicher und strahlender Kammermusiker im Zusammenspiel mit dem Armida Quartett und der Bratschistin Barbara Buntrock wie als facettenreich unterstützender Liedbegleiter. Die Personalunion als Pianist und Komponist entspricht seinem künstlerischen Verständnis: „Die Trennung von Pianist und Komponist gab es für einen großen Zeitraum der Musikgeschichte nicht. Ein Musiker war jemand, der eine gewisse Anzahl von Instrumenten beherrschte und natürlich auch eigene Musik geschaffen hat. Ich möchte das möglichst als Einheit sehen. Wenn ich eigene Kompositionen spiele, versuche ich der Musik ganz als Pianist zu dienen, die Tatsache, dass ich am Ursprung der Komposition gewesen bin, ist komischerweise nebensächlich.“

Inspirierende Zusammenarbeit mit Ulla Hahn

Mit 12 Jahren komponierte er eine Reihe von Charakterstücken für Viola und Klavier, in denen die Geschichten aus dem Struwwelpeter eingefangen sind: kindlich und phantasievoll, dabei reich an Farben und musikalischen Bildern, in denen er lebhaft und virtuos mit der grandios aufspielenden Bratschistin Barbara Buntrock kommuniziert.

Als der Auftrag der Schubertiade zum Lyrikprogramm mit Ulla Hahn und Schubert kam, war er auch neugierig auf ihre Gedichte: „Ich habe die Sprache als sehr musikalisch empfunden, habe Worte und Passagen gesehen, die bei mir sofort Musik hervorgerufen haben.“ Kit Armstrongs Zugang zur Lyrik der Dichterin ist, so zeigte das Konzert am Dienstag, ebenso tiefgehend, gesanglich gedacht und den Texten auf unterschiedlichste Weise nachspürend. Sophie Rennert, Benjamin Appl, Barbara Buntrock und natürlich Kit Armstrong selbst erweckten sie in intensiver Weise zum Leben und bescherten dem Festival somit sogar eine begeistert angenommene Uraufführung. Die heutige Zwiesprache zwischen Schubert, Armstrong und Ulla Hahn dürfte auch höchst inspiriert werden.

Für den Pianisten Alfred Brendel ist Kit Armstrong „die größte Begabung, der ich in meinem ganzen Leben begegnet bin“ – vor 14 Jahren ging dieser Satz durch die Medien. Brendel ist weiterhin ein Mentor für den jungen Mann, dessen Augen leuchten, wenn er von den gemeinsamen Begegnungen spricht. Und der geht weiter seinen außergewöhnlichen Weg.

Info: Lyrikkonzert mit Ulla Hahn und Kit Armstrong: 16 Uhr, Markus-Sittikus-Saal in Hohenems, Vorarlberg. Karten unter www.schubertiade.at und Telefon 0043 5576 72091.

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