Julie Delpy mixt in „My Zoe“ die Genres: Doch die Kombination von Science Fiction und Familiendrama überzeugt nicht

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 J ulie Delpy als Isabelle und Sophia Ally als Tochter Zoe.
J ulie Delpy als Isabelle und Sophia Ally als Tochter Zoe. (Foto: WArner Bros.)
Lisa Forster

An der Seite von Ethan Hawke spielte sich Julie Delpy in melancholischen Dramen wie „Before Sunrise“ in die Herzen der Zuschauer. Vor gut zehn Jahren trat die Französin dann erstmals selbst hinter die Kamera und stellte mit der Komödie „2 Tage Paris“ ihr Regiedebüt vor. „My Zoe“ ist ihre mittlerweile fünfte Regiearbeit.

Delpy selbst spielt die Genetikerin Isabelle. Sie lebt in Berlin und teilt sich das Sorgerecht für ihre Tochter Zoe mit ihrem Ex-Mann James (Richard Armitage). Die beiden sind typische Helikopter-Eltern. Ihnen dabei zuzusehen, wie sie sich gegenseitig in der Sorge um ihre Tochter übertrumpfen wollen, ist allerdings mühsam. Das Ex-Paar streitet sich – über lange Szenen des Films.

Anders als in früheren Werken Delpys bleiben die Dialoge aber hölzern und oberflächlich. Man könnte auch sagen: Die beiden nerven ganz schön. Wer wohlwollend ist, kann bei Delpy einen dramaturgischen Kniff erkennen: Denn obwohl die Eltern so sehr um ihre Tochter kreisen, können sie nicht verhindern, dass ihr etwas Schlimmes zustößt.

Nach einem Unfall hat Zoe eine Hirnblutung. Weil ihre Hirntätigkeit gleich null ist, wollen die Ärzte die Geräte abstellen. Für die beiden Eltern ist das der größte Alptraum. Isabelle will den Tod ihrer Tochter nicht akzeptieren. Heimlich entnimmt sie Zoe kurz vor deren Tod Gewebeproben und reist damit nach Moskau: Isabelle hat einen Termin beim Arzt Thomas (Daniel Brühl), der in Russland eine Fruchtbarkeitsklinik leitet. Er soll ihr helfen, ihre Tochter zu klonen.

„My Zoe“ unterscheidet sich damit deutlich von anderen Delpy-Werken, die meist redelastige Komödien oder leichtfüßige Liebesgeschichten waren. Dieses Mal legt die 49-Jährige ein hartes Familiendrama vor, das zugleich ein Science-Fiction-Film ist. Tatsächlich spielt „My Zoe“ in der nahen Zukunft. Subtil streut Delpy futuristische Hinweise: hier ein Notebook, das sich zer- und entknüllen kann, da eine sich aalglatt ums Handgelenk schlängelnde Digitaluhr.

Doch um die Auswirkungen, die Technik auf unsere Körper und Gefühle haben kann, geht es der Regisseurin nur am Rande. Im Vordergrund stehen immer die Gefühle der Protagonisten. Dadurch wirkt das Klon-Thema allerdings wie ein Fremdkörper, der den Film zwar um einen interessanten Dreh anreichert, letztendlich aber nicht zu einer überzeugenden Geschichte heranwächst. Von Filmen wie Spike Jonzes „Her“ oder Serien wie „Black Mirror“ weiß man, dass das deutlich mutiger, spannender – und auch emotionaler geht. Trotz guter Ideen kann „My Zoe“ daher nicht über gut 90 Minuten überzeugen. (dpa)

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