John Grishams neuer Roman

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 US-Autor John Grisham hat einen neuen Thriller geschrieben.
US-Autor John Grisham hat einen neuen Thriller geschrieben. (Foto: Marcus Brandt)
Stefan Rother

Neues von John Grisham gibt es relativ oft – sein letzter Roman „Forderung“ ist vor gerade mal einem Jahr erschienen. Thematisch betritt der Bestsellerautor dagegen eher zaghaft Neuland. Aber in „Das Bekenntnis“ fügt er seinem etablierten Mix aus Südstaaten-Atmosphäre und Justizthriller eine detailliert-verstörende Schilderung über den Pazifischen Krieg hinzu.

In drei Akte hat Grisham seinen neuen Roman gegliedert. Am Anfang steht ein Mord, ein besonders rätselhafter. Denn Pete Banning, angesehener Bürger von Clanton, Mississippi, Plantagenbesitzer und Kriegsveteran, bricht eines Morgens im Oktober 1946 auf und erschießt den örtlichen Pastor. Danach kehrt er zu seiner Baumwollfarm zurück, lässt sich festnehmen und speist seinen Anwalt, die Polizei und selbst seine Familie mit den immer gleichen Worten ab: „Ich habe nichts zu sagen.“

Neuer Schauplatz

Besonders hart trifft dies seine beiden Kinder, die schon darunter leiden, dass ihre Mutter seit einiger Zeit in einer Nervenheilanstalt untergebracht ist und sie diese auf Weisung ihres Vaters nicht besuchen dürfen. Es kommt zum Prozess, den Grisham routiniert erzählt. Dann ein radikaler Bruch: Grisham schildert die Erlebnisse von Banning im Zweiten Weltkrieg. Dass dieser auch im Pazifik mit unerbittlicher Härte ausgetragen wurde, war hierzulande lange eher Randthema und könnte deutschen Lesern somit neue Einblicke gewähren.

Historische Rückblende

An sich ist das zentrale Ereignis in diesem Teil aber in Dokumentationen wie auch literarisch bereits recht gut aufbereitet: der sogenannte Todesmarsch von Bataan. Nach der Kapitulation der auf den Philippinen stationierten amerikanischen Truppen im April 1942 wurden diese von den Japanern unter grausamen Bedingungen zu einem mehrtägigen Gewaltmarsch gezwungen, der für viele mit dem Tod endete. Grishams Schilderung der historisch belegten Grausamkeiten sind nichts für Zartbesaitete. Er lässt den Leser das Leid und die Entbehrungen sehr unmittelbar erfahren, ebenso den daraus resultierenden Hass auf die „Japsen“, wie es im Buch heißt, der hier allerdings arg distanzlos wiedergegeben wird.

Der finale Akt soll dann die unterschiedlichen Erzählebenen zusammenführen, ausgerechnet bei der Auflösung der unerklärlich scheinenden Tat schwächelt der Roman aber etwas. Man sollte „Das Bekenntnis“ also nicht als reinen Justizthriller, der auf ein spektakuläres Finale zusteuert, lesen. Denn wenn man nicht nur auf das Ziel hinfiebert, hat der Weg dorthin durchaus gelungene Stationen zu bieten. So erweist sich Grisham wieder als facettenreicher Chronist des amerikanischen Südens, in dem Rassismus stets präsent ist und die Privilegien der Plantagenbesitzer als selbstverständlich hingenommen werden. Auch wenn die Verknüpfung zum Kriegserlebnis hier noch nicht völlig gelingt, behält der Autor hoffentlich auch in kommenden Büchern seine Bereitschaft für neue Szenarien bei.

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