Jazz Lights mit Thomas Quastohoff

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 Thomas Quasthoff mit Trio.
Thomas Quasthoff mit Trio. (Foto: Ansgar König)

Es war zwar nicht der Schlusspunkt der 29. Jazz Lights Oberkochen, aber der Höhepunkt war’s allemal. Bass-Bariton Thomas Quasthoff und ein herausragendes Trio haben am Samstagabend in der Carl-Zeiss-Kulturkantine bei den Jazz Lights ihre Idee des Jazz und ihre CD „Nice’N’Easy“ präsentiert.

Mitte des zweiten Sets kündigt Quasthoff ein Stück mit den Worten an: „Ein Lied, das alle kennen – aber eben nicht so.“ In diesem Fall war Gershwins „Summertime“ gemeint. Die Anmoderation könnte aber auch über dem ganzen Abend stehen. Genauso so, wie Quasthoff mit Frank Chastenier am Piano, Dieter Ilg am Bass und einem auffallend gut aufgelegten Wolfgang Haffner am Schlagzeug diesen Song auf eine ganz neue Ebene hob, genauso war das Konzept des ganzen Abends. Klassiker, neu interpretiert. „Summertime“ jedenfalls, das bot das Quartett vor allem dank eines schönen Intros von Dieter Ilg sommersatt und träge, ganz so, wie es sich gehört. Sänger und Band waren in Höchstform, hier passte alles. Und der Bassgesang, im Jazz nicht allzu häufig zu hören, gab dem Abend sein Alleinstellungsmerkmal.

Klassiker? Im Jazz heißen die ja eigentlich Standards. Aber der in Berlin lebende Quasthoff ist nun mal ein klassisch ausgebildeter Bass-Bariton mit einer langen Karriere auf den klassischen Konzertpodien und Opernbühnen. Das Jazz-Virus, das hat ihn aber schon in jungen Jahren erfasst. So fühlt er sich in der Welt der Improvisation wie zu Hause, auch wenn er manche Dinge erst lernen musste. Zum Beispiel den Umgang und das Spiel mit dem Mikrofon.

Ein sensationeller Blues

Dass Thomas Quasthoff hier viel dazugelernt hat, das bewies er in einem Solo ohne Titel, das wir hier mal den „Spätzle-Scat“ nennen wollen. Quasthoff brummt, grölt, jodelt, jault, hustet, blödelt, lacht und macht einfach Quatsch mit der Stimme – heraus kommt ein Blues, der sich gewaschen hat. Nicht nur dafür gab’s begeisterten Applaus.

Aber was wäre der Frontmann wie Quasthoff ohne die Band? Chastenier, Ilg und Haffner bildeten nicht nur ein sehr gutes Fundament, sondern zeigten vor allem nach der Pause ihr außergewöhnliches Können bei Soli.

So zum Beispiel bei Tina Turners „I can’t stand the rain“. „Mein Name ist Tina Turner“, sagte Quasthoff lachend, „stellen Sie sich mich in kurzem Lederrock, Netzstrümpfen und High Heels vor.“ Lieber nicht. Spaß machte es trotzdem.

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