Jahrtausende alter Grabhügel auf Amrum ausgegraben

Deutsche Presse-Agentur
Birgitta von Gyldenfeldt (Text) und Frank Molter (Fotos und Video)

In einer Baulücke zwischen zwei Häusern graben Archäologen in Norddorf auf Amrum aktuell einen Tausende Jahre alten Grabhügel aus. Dass an dieser Stelle ein Grabhügel gelegen haben soll, wissen die Experten schon lange.

Doch eigentlich lag nach Angaben des Archäologischen Landesamtes Schleswig-Holsteins (ALSH) die Nachricht vor, dass der Hügel bereits 1912/13 abgetragen worden sein soll, insbesondere am östlichen Rand beim Bau des benachbarten Hauses. Da die Baulücke nun geschlossen werden soll und die vermuteten Reste des Denkmals dadurch zerstört werden würden, wird es nun ausgegraben.

Der Grabhügel ist zu etwas mehr als der Hälfte erhalten. Auf der anderen Hälfte steht ein Haus, das ungefähr 1920 erbaut wurde. Damals sei der Grabhügel schon teilweise abgeräumt worden. „Es ist bekannt, dass ein Bronzedolch und eine Urne gefunden wurden“, sagt Grabungsleiterin Janna Kordowksi vom ALSH. „Die sind leider nicht erhalten.“

Statt eines zerstörten Grabhügels fanden die Archäologen zu ihrer Überraschung ein erstaunlich gut erhaltenes Exemplar vor. „Das Besondere an diesem Grabhügel ist die gute Erhaltung“, sagte denn auch Grabungsleiterin Kordowksi. Häufig seien die Grabhügel etwa durch Überpflügung oder Beraubung zerstört. Doch das Bodendenkmal im Dorf sei wirklich noch sehr hoch erhalten und das Grab in der Mitte noch komplett da - inklusive Steinkreis und verschiedenen Grabkammern. „Das haben wir sonst in der Regel nicht mehr“, sagte Kordowski. Es zeige sich, dass die Lage im Ortsbereich durchaus zur guten Erhaltung des Grabhügels beigetragen hat.

Die älteste Bauphase könnte nach Ansicht der Archäologen sogar älter sein als zunächst gedacht. „Das älteste Grab stammt wahrscheinlich noch aus der Jungsteinzeit“, sagte Kordowski. Bislang ging man davon aus, dass das zentrale Grab aus einer Steinkonstruktion in der älteren Bronzezeit um 1500 v. Chr. angelegt wurde. Die Archäologen fanden bei ihren Untersuchungen aber eine Sichelklinge aus Flint (Feuerstein) sowie Bruchstücke. „Da haben wir schon vermutet, dass es älter ist als Bronzezeit“, sagte Stefanie Klooß, Dezernentin der Abteilung praktische Archäologie beim Landesamt. Einige Tage später gruben die Archäologen zudem Reste einer Keramik aus, die eindeutig der Jungsteinzeit, der sogenannten Trichterbecherkultur, zugeordnet werden können.

Das Grab sei also wahrscheinlich tatsächlich im Kern noch älter als bronzezeitlich, sagte Kordowski. Da die Reste der Keramik allerdings nicht direkt im Grab lagen, könne noch nicht genau gesagt werden, ob sie wirklich im Grabkontext stünden. Weitere Untersuchungen stehen noch an. Die Landesamt-Archäologen haben dazu Fachkollegen verschiedener Wissenschaften hinzu gezogen. So habe ein Kollege der Universität Kiel Pollenproben genommen. Die dienten zur Datierung und auch zur Umweltrekonstruktion, sagte Klooß. Experten der Uni Greifswald schauen sich die Profile unter dem Gesichtspunkt der Bodenkunde an. „Die haben noch mal einen anderen Blick drauf.“ Hinzu kommen beispielsweise Messungen, wann die Steine im Inneren des Grabes zuletzt mit Sonnenlicht Kontakt hatten.

Nach Angaben einer Sprecherin des Landesamtes haben Grabdenkmale in keinem anderen Gebiet in Schleswig-Holstein in der Landschaft eine so überragende Rolle gespielt wie auf den nordfriesischen Inseln. Überall auf den Inseln stößt man auf Zeugnisse aus der Jungsteinzeit, der Bronze-, Eisen- und auch der Wikingerzeit. Die Archäologen wollen an möglichst vielen Fundstellen Tafeln aufstellen, die auf die für Laien doch manchmal schwer zu erkennenden Bodendenkmäler hinweisen. In den Dünen nahe Norddorf steht bereits ein solches Schild an einem Grabhügel der Bronzezeit. Und auch am jetzigen Fundort in Norddorf soll später an den Fund erinnert werden.

© dpa-infocom, dpa:210430-99-415788/2

Infos zu Hügelgrabern auf Sylt

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