Interview mit Natalia Wörner über ihre Liebe zur schwäbischen Heimat

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Natalia Wörner spielt in der ARD-Serie „Die Diplomatin“ Karla Lorenz (Mitte). Als solche ist sie mit der Familie des französisch
Natalia Wörner spielt in der ARD-Serie „Die Diplomatin“ Karla Lorenz (Mitte). Als solche ist sie mit der Familie des französischen Botschafters Claude Beaumont (Jean-Yves Berteloot), dessen Frau Margo (Jeanne Tremsal) und Sohn Philipp (Johannes Meister, links) befreundet. Schwierig wird es, als Karla erkennt, dass Philipp in einen Fall von Misshandlung verstrickt ist. (Foto: ARD)

Sie ist nicht nur eine populäre Schauspielerin, sondern auch die Lebensgefährtin von Bundesaußenminister Heiko Maas: Natalia Wörner. In der ARD-Reihe „Die Diplomatin“ spielt die Frau an der Seite von Deutschlands Chefdiplomat sinnigerweise eine deutsche Botschafterin. In der neuen Folge, die am Samstagabend in der ARD läuft, kümmert sich die aktuell in Prag stationierte Karla Lorenz um den Fall einer schwer misshandelten deutsche Touristin. Hauptverdächtiger ist ausgerechnet der Sohn des französischen Botschafters. Cornelia Wystrichowski hat mit ihr über ... gesprochen.

Gibt es für Ihre Rolle der Diplomatin Karla Lorenz ein konkretes Vorbild?

Das nicht, aber es gab viele Begegnungen mit Frauen, die mich sehr beeindruckt haben. Ich bewundere diese Familien, die sich entschieden haben, so zu leben – egal, ob nun die Frau im diplomatischen Dienst ist oder der Mann: Es ist beeindruckend, wie Menschen in diesen Positionen das unstete Leben meistern. Ich kann das als Schauspielerin nachvollziehen, denn ich bin streckenweise auch arbeitsbedingt von zu Hause weg – manchmal gefühlt auch zu oft. Natürlich liebe ich meinen Beruf und bin dankbar dafür, aber manchmal scheue ich mich auch davor, schon wieder meine Koffer zu packen.

Wenn Sie Botschafterin wären: Welches Bild von Deutschland würden Sie gerne im Ausland vermitteln?

Ich glaube, dass zum Beispiel die europäische Staatengemeinschaft ein sehr viel positiveres Bild von Deutschland hat als wir selber. Natürlich ist das Aufflammen von rechtspopulistischen Tendenzen beängstigend, aber unser Land hat eine stabile Definition von Freiheit und Demokratie. Und die Tatsache, dass wir seit sehr vielen Jahren eine Bundeskanzlerin haben, eine Frau, die uns in der Welt repräsentiert, bringt Deutschland viel Respekt und Wohlwollen ein. Ganz ehrlich: Ich finde, Deutschland ist ein wunderbares Land.

Sie haben vor eine Weile sogar ein Buch über Ihre Liebe zu Ihrer schwäbischen Heimat geschrieben. Wann bekommen Sie heimatliche Gefühle?

Diese Momente sind nicht vorhersehbar, aber es gibt sie, und sie zu erleben ist sehr schön. Manchmal reicht ein Gespräch mit meiner Mutter, oder wenn ich im Restaurant bin und es gibt Maultaschen. Manchmal ist es auch die Landschaft. Ich war vor einigen Wochen in Süddeutschland, fuhr durch die Gegend, diese sanften Hügel, diese Orte des Vertrauten – da werden Kindheitserinnerungen wach. Wenn ich in Berlin bin ist es nicht weniger schön, aber anders.

Sind Sie oft in Ihrer Heimatstadt Stuttgart?

Ich bin regelmäßig da, zu unterschiedlichen Anlässen. Und natürlich bin ich immer wieder zu Besuch bei meiner Mama, die ja in Stuttgart lebt.

Gibt es etwas an Ihnen, das Sie als typisch Schwäbisch bezeichnen würden?

Ich weiß gar nicht so recht, was typisch Schwäbisch ist. Die negativen Klischees, die es über die Schwaben gibt, will ich an dieser Stelle nicht wiederholen. Ich kann sie auch nicht nachvollziehen, weder auf meine eigene Person bezogen noch auf die Menschen, die ich kenne. Aber mir fällt zur schwäbischen Mentalität eine innere Verbindlichkeit ein, eine bestimmte Verlässlichkeit – Verabredungen sind nicht nur optional. Ist das Schwäbisch oder einfach nur erwachsen? Ich weiß es nicht.

Die Filmreihe „Die Diplomatin“ ist eines der wenigen fiktiven Formate im deutschen Fernsehen, das sich mit Politik befasst. Warum gibt Ihrer Meinung nach so wenige?

In anderen Ländern ist es gang und gäbe, realitätsnah, kritisch und zum Teil sehr kontrovers über Politik zu erzählen, schauen Sie sich tolle Serien wie „Borgen“ oder „House of Cards“ an. Bei uns scheitert es oft an den Drehbüchern. In Deutschland war Politik im Film bislang eher ein Thema für Komödien oder Satire, die, von Ausnahmen abgesehen, eher misslungen waren. Auch bei „Die Diplomatin“ ringen wir immer wieder um Inhalte, aber wir haben meiner Ansicht nach eine gute Mischung aus Politik und unterhaltsamem Fernsehen gefunden.

Wie findet denn Ihr Lebensgefährte, Außenminister Heiko Maas, die Reihe?

Dazu möchte ich mich nicht äußern. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass ich grundsätzlich keine Fragen zu meiner Beziehung beantworte.

Die vierte Folge dreht sich um Gewalt gegen Frauen. Ein Thema, das Ihnen am Herzen liegt?

Gewalt gegen Frauen ist ein Thema, das ich bei meinen Reisen für die Kindernothilfe immer wieder erlebt habe. Man muss differenzieren. Es gibt Gewalt gegen Frauen in Krisenregionen, wo sie gezielt als Kriegstaktik eingesetzt wird. Und es gibt die häusliche Gewalt gegen Frauen, um die es in unserem Film geht. Wir zeigen, dass das vollkommen unabhängig von der gesellschaftlichen Schicht geschieht, und ich bin froh, dass dieses Thema jetzt allmählich aus der Tabuzone heraustritt. Die Dunkelziffer ist erschreckend hoch.

Karla Lorenz ist deutsche Botschafterin in Prag. Drehen Sie eigentlich in dem berühmten Botschaftsgebäude, wo Genscher damals seine Balkon-Rede hielt?

Nein, aus Sicherheitsgründen geht das nicht. Nach dem Anschlag auf die Botschaft von Kabul 2017 hat sich die Sicherheitslage in allen deutschen Botschaften so massiv verändert, dass man in den Gebäuden keine Film- und Dreharbeiten mehr zulässt. Das ist schade, aber natürlich nachvollziehbar.

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