In Bayreuth bleibt die Hälfte der Plätze leer

Oksana Lyniv (43) aus der Ukraine wird den „Fliegenden Holländer“ dirigieren.
Oksana Lyniv (43) aus der Ukraine wird den „Fliegenden Holländer“ dirigieren. (Foto: Oleh Pavliuchenkov/dpa)
Deutsche Presse-Agentur
Britta Schultejans und Kathrin Zeilmann

In diesem Jahr ist bei den Bayreuther Festspielen, wo es immer noch keine Klimaanlage gibt, weil die zu Richard Wagners Zeiten noch nicht erfunden war, vieles anders. Die Hälfte der Plätze im Festspielhaus wird am Sonntag bei der Eröffnungspremiere, einer Neuinszenierung der Oper „Der fliegende Holländer“, leer bleiben. Anstatt der üblichen rund 2000 Gäste sind nur 911 erlaubt. Es soll keinen roten Teppich geben und keinen Staatsempfang nach der Premiere. Und ob Festspiel-Stammgast Angela Merkel (CDU) zur Eröffnung kommt, war auch wenige Tage vorher noch unklar.

Ein weiteres Novum in der Festspiel-Geschichte: Der berühmte Bayreuther Chor soll nicht live im Festspielhaus singen, sondern von einer anderen Bühne aus eingespielt werden. Damit das nicht auffällt, werden nicht-singende Komparsen den Chor auf der Bühne vertreten.

Vieles soll in diesem Jahr außerdem draußen stattfinden. Nach den positiven Erfahrungen mit dem Outdoor-Intermezzo am Festspielteich in Tobias Kratzers „Tannhäuser“ 2019 wird der Tümpel am Fuße des Grünen Hügels auch 2021 wieder zum Schauplatz. Der Österreicher Nikolaus Habjan präsentiert dort mit „Noch immer Loge“ ein Puppentheater, in dem die Rheintöchter und Erda über Loge zu Gericht sitzen.

Eigentlich sollte schon im vergangenen Jahr eine Neuinszenierung von Richard Wagners vierteiligem „Ring des Nibelungen“ in Bayreuth auf die Bühne kommen. Das Projekt wurde aber auf 2022 vertagt. Als Ersatz dafür soll es zu jeder der vier „Ring“-Opern ein Projekt geben. Habjan hat das „Rheingold“ übernommen, „Blutkünstler“ Hermann Nitsch wird die „Walküre“ inszenieren. Der US-amerikanische Regisseur Jay Scheib präsentiert ein Multimedia-Projekt zum „Siegfried“ und die japanische Künstlerin Chiharu Shiota ein Kunstwerk zur „Götterdämmerung“.

Dazu gibt es Wiederaufnahmen der gefeierten Inszenierungen des „Tannhäuser“ und der „Meistersinger von Nürnberg“ sowie ein Wiedersehen mit dem lettischen Star-Dirigenten Andris Nelsons, der zwei Konzerte dirigieren wird. Er hatte vor fünf Jahren für einen Eklat gesorgt, als er – wenige Wochen vor der Premiere – als Dirigent des „Parsifal“ überraschend das Handtuch warf. Gemunkelt wurde damals, dass der damalige Musikdirektor Christian Thielemann sich zu sehr in Nelsons Arbeit eingemischt habe. Von Thielemann, dessen Vertrag nicht verlängert wurde, wird wenig zu hören sein in diesem Jahr. Er dirigiert nur einen konzertanten „Parsifal“.

Der erklärte Höhepunkt des Jahres ist ein tatsächlich historischer Moment: Zum ersten Mal in 145 Jahren Festspielgeschichte wird eine Frau am Dirigentenpult von Bayreuth stehen: Die 43 Jahre alte Oksana Lyniv wird die Oper „Der fliegende Holländer“ dirigieren. Bei all dem Wirbel um sie geht der Regisseur der Inszenierung, Dmitri Tcherniakov, beinahe unter.

Normalerweise bestreiten die Festspiele nach Angaben von Ex-Geschäftsführer Holger von Berg den laufenden Betrieb zu 65 Prozent aus Einnahmen. Rund 15 Millionen Euro fehlten 2020, weil die Richard-Wagner-Festspiele wegen der Corona-Pandemie nicht stattfinden konnten. Die Gesellschafter, die Bundesrepublik, der Freistaat Bayern, die Stadt Bayreuth und die Gesellschaft der Freunde von Bayreuth, werden ausgleichen müssen, was fehlt.

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