Im Humboldt Forum öffnen das Ethnologische Museum und das Museum für Asiatische Kunst ihre Türen

Katholische Nachrichten-Agentur
Nina Schmedding

Schätze der Weltkulturen aus Afrika, Asien, Amerika und Ozeanien: Das Ethnologische Museum und das Museum für Asiatische Kunst der Staatlichen Museen zu Berlin eröffnen am Donnerstag ihre ersten Ausstellungsräume im Humboldt Forum im Berliner Stadtschloss. Dabei sollen „bedeutende Bestände“ der beiden Museen zu sehen sein, die bis vor vier Jahren in Berlin-Dahlem ausgestellt waren, wie die Staatlichen Museen zu Berlin ankündigten. Etliches werde aber auch erstmals gezeigt. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wird die Schau am Mittwoch feierlich eröffnen. Sie ist in der zweiten und dritten Etage des Westflügels untergebracht, der Ostflügel soll vermutlich im Frühjahr 2022 eröffnet werden.

Aus Kokosfasern, Holz, Rotang, Kitt, Federn, Stoff und Palmblatt ist dieses Boot gemacht, ein Herzstück der Ausstellung. Es stammt von der pazifischen Insel Luf, die zwischen 1884 und 1914 vom Deutschen Reich in Besitz genommen wurde. Die Bewohner wehrten sich dagegen: Ein Strafkommando der kaiserlichen Marine zerstörte daraufhin Häuser, plünderte Dörfer und tötete Bewohner. Heute gehört die Insel Luf zum Staat Papua-Neuguinea.

Das Boot der Insel Luf, das Ende des 19. Jahrhunderts gebaut wurde, steht beispielhaft für kulturelle Objekte aus der ganzen Welt, die im Zuge der Kolonisierung ihren Weg nach Deutschland fanden – und deren Erwerb bis heute nicht vollständig geklärt ist. 1904 wurde das Boot an das Berliner Museum für Völkerkunde verkauft. Wie die Firma Hernsheim, die eine Handelsstation auf der Insel Luf errichtet hatte, das Boot erwarb, ist aber bis heute nicht sicher nachvollziehbar.

Um diese Fragen soll es gehen bei der neuen Präsentation der Sammlungen im Humboldt Forum: Man will sich der „eigenen Sammlungsgeschichte und aktuellen postkolonialen Fragen stellen“ und die Wege der Objekte offenlegen, erklärte der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger, bei der ersten Präsentation der Ausstellung am Montag. Entsprechend sei die Zusammenarbeit mit Mitgliedern von Herkunftsgesellschaften „integraler Bestandteil“ des Ausstellungskonzepts.

So geschehen auch beim präsentierten Boot der Insel Luf: Provenienzforschung solle „schnell zu Nachfahren führen, die das Objekt bewerten“, betonte der stellvertretende Direktor des Ethnologischen Museums und des Museums für asiatische Kunst, Alexis von Poser. Beim Boot der Insel Luf sei jetzt etwa geklärt, dass es in Berlin verbleiben dürfe, allerdings unter einer Bedingung: Nachfahren der Inselbevölkerung, die lange als ausgestorben galt, wollen nach Berlin kommen, um das Boot zu fotografieren und genau betrachten zu können. „Wir wollen sehen, wie es gemacht wurde, damit wir es nachbauen können“, sagte ein Nachfahre der ehemaligen Bevölkerung der Insel in einem bei der Vorstellung der Ausstellung eingespielten Videoclip.

Ein Beispiel dafür, wie man – so Parzinger – „die schwierige Geschichte produktiv nutzen und zu einem neuem Miteinander mit den Herkunftsgesellschaften finden“ könne. Sie dürften nicht nur auf „eine koloniale Opferrolle festgelegt werden“. Er betonte, die Museen seien grundsätzlich zur Restitution bereit. Gleichzeitig sei die Aufarbeitung des Kolonialismus aber nicht nur eine Aufgabe der Museen, sondern der gesamten Gesellschaft.

Es ist der zweite Schritt der geplanten stufenweisen Eröffnung des Humboldt Forums, die im Juli nach zehnjähriger Bauzeit begann. Im zweiten und dritten Obergeschoß des Westflügels werden jetzt auf mehr als 8500 Quadratmetern Ausstellungsfläche rund 10 000 Exponate aus der ganzen Welt präsentiert.

Zu den schon jetzt gezeigten Highlights gehört etwa ein 50 Quadratmeter großes chinesisches Bild einer Buddhapredigt aus dem 18. Jahrhundert oder ein Thron aus dem Königreich Bamum (Kamerun). Auch eine seltene Känguruzahnkette, die indigene Australier Ende des 19. Jahrhunderts trugen, ist darunter.

Überdies ein Federmantel aus Hawaii, der im 19. Jahrhundert ein wichtiger Tauschgegenstand war, um Beziehungen herzustellen oder Personen auszuzeichnen. Die Hauptstadt Honolulu war ein Zentrum deutschen Handels, das die preußischen Seehandelsschiffe als Zwischenstation auf dem Weg nach Ostasien ansteuerten. König Kamehameha III. von Hawaii (reg. 1824-1854) schenkte 1828 König Friedrich Wilhelm III. von Preußen diesen Mantel, der aus tausenden von roten und gelben Federn besteht. Im Gegenzug erhielt er unter anderem eine Gardeuniform, verschiedene Gemälde, Schwerter und Pistolen.

„Sie sehen hier nichts Fertiges, keine Objekte mit reingewaschener Provenienz“, sagte die Provenienzforscherin und Vize-Direktorin des Zentralarchivs, Christine Howald. „Museumssammlungen sind das Ergebnis von Machtbeziehungen.“

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