Ich habe dich/Dich zum Fressen gern

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Schwäbische Zeitung
Rolf Waldvogel

Gedeckt wird diese Schreibweise durch die Rechtschreibreform. Während die Anredepronomen — das offizielle Sie sowie das vertrauliche Du (Einzahl) / Ihr (Mehrzahl) — mit all ihren flektierten Formen in Briefen früher prinzipiell großgeschrieben wurden, ist das heute anders. Bei Briefen an einen Adressaten, mit dem man nicht per Du ist, muss weiterhin großgeschrieben werden. Bei der Geschäftspost allemal: „Nennen Sie uns bitte Ihre zeitlichen Vorstellungen, dann werden wir Ihnen einen Vorschlag für ein Treffen machen!“ Aber auch auf anderen Sektoren. Nehmen wir nur einen Satz aus der Eheanbahnungsbranche: „Schon die Beschreibung Ihrer Person lässt mich annehmen, dass Sie für mich die Dame meines Herzens werden könnten, weshalb ich einem Treffen mit Ihnen freudig entgegensehe.“

Beim Du/Ihr ist es anders. Ursprünglich sollte hier bei der Reform mit der Großschreibung rigoros aufgeräumt werden — also kein Du/Dir/Dich/Dein mehr, auch kein Ihr/Euch/Euer. So wollte man es auch in den Schulen generell lehren. Aber dann haben sich die Reformer doch noch einmal besonnen, dass Höflichkeit ja eine Zier ist, und lassen es heute in bestimmten Fällen frei. Gewöhnlich werden du und ihr sowie deren flektierte Formen kleingeschrieben — zum Beispiel in der Literatur und auch bei einem Zeitungsinterview mit einem Partner, den man duzt. Im Brief aber darf man je nach Belieben auch die Großbuchstaben wählen. Man kann also schreiben: „Ich habe dich zum Fressen gern“ oder „Ich habe Dich zum Fressen gern.“

Das Reflexivpronomen sich wird allerdings immer kleingeschrieben. So heißt es also: „Sie mögen sich noch so sehr bei mir anbiedern, aber ich könnte Sie auf dem Kraut fressen.“ Das ist dann nicht nur sehr direkt, sondern auch sehr unhöflich — und sehr schwäbisch noch dazu.

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