„Ich brauchte einen romantischen Ort“

Lesedauer: 7 Min
Silke Nowak kam 1975 in Ravensburg zur Welt. (Foto: privat)
Schwäbische Zeitung

Spätestens seit Weihnachten ist Silke Nowak bei Amazon kein Geheimtipp mehr. Mit ihrem Kriminalroman „Schneekind“, der in Sigmaringen spielt, hat sie es unter die Top-3 der Bestseller des Online-Händlers geschafft, mehr als 30000 Leser haben das Buch in elektronischer Form bis jetzt heruntergeladen. Jennifer Kuhlmann hat sich mit Silke Nowak über Sigmaringen, ihren Erfolg und die Entscheidung, beim Internetriesen Amazon zu veröffentlichen, unterhalten.

Frau Nowak, wie sind Sie zur Krimiautorin geworden?

Eine Leidenschaft fürs Schreiben hatte ich schon immer. Deshalb habe ich Literaturwissenschaft und Philosophie studiert. Durch meine Promotion über moderne Lyrik war ich dann aber mehr in der wissenschaftlichen Richtung unterwegs. Meine Arbeit war nur für einen geringen Kreis Menschen interessant. Mich hat es aber sehr gereizt, für ein größeres Publikum zu schreiben. Am liebsten Krimis. Alles was ich will, ist unterhalten, hat Alfred Hitchcock einmal gesagt und ich habe ihn schon immer für diesen Satz bewundert.

Was hat den Ausschlag gegeben, dass Sie mit dem Schreiben begonnen haben?

Die Geburt meiner Tochter und unser Umzug von Berlin zurück in den Süden bedeutete für mich eine Pause und Neuorientierung im Beruf. Ich hatte mir vorgenommen, das als Chance zu nutzen und mir nach der Geburt Zeit fürs Schreiben zu nehmen. Das hat natürlich im ersten Jahr gar nicht geklappt. Mittlerweile bin ich aber sehr diszipliniert und schreibe vormittags, wenn meine Tochter im Kindergarten ist. Bislang habe ich zwei Krimis veröffentlicht, weitere sind in Arbeit.

Was hat Sie dazu gebracht, Ihre Krimis bei Amazon zu veröffentlichen?

Erst habe ich es über die traditionelle Schiene versucht und das Manuskript meines ersten Krimis „Das Muster der Lilien“ (bisher unveröffentlicht) an die großen Publikumsverlage geschickt, bei denen ich gern veröffentlicht hätte. Aber es ist schwierig als Neuling dort unterzukommen. Man braucht Glück, damit ein Lektor sofort auf eine Geschichte anspringt. Ich habe oft drei oder vier Monate auf eine Antwort gewartet. Das zermürbt einen richtig. Amazon war für mich zunächst nur eine günstige Alternative, die sich dann als gut funktionierende und zeitgemäße Publikationsform herausgestellt hat.

Inwiefern günstig?

Bei Amazon muss man nicht wie bei anderen Selbstverlagen vorab investieren, um sein Buch zu veröffentlichen. Ich lade meinen Text hoch, formatiere ihn nach den Vorgaben und dann ist er für E-Book-Reader abrufbar. Die Printausgabe wird erst dann gedruckt, wenn Bestellungen vorliegen. Das war für mich eine tolle Möglichkeit, auszuprobieren, wie mein Buch ankommt. Das war ja immer mein Ziel: dass Leute meinen Krimi lesen können.

Wie ist der Verkauf angelaufen?

Durch das Angebot von Amazon, Bücher tageweise kostenlos anzubieten, werden die ersten Leser auf einen aufmerksam. Wenn ihnen das Buch gefallen hat, empfehlen sie es weiter. Das hat schon beim ersten Buch ganz gut geklappt, aber bei „Schneekind“ sind die Zahlen wirklich beeindruckend. Ich bekomme viel Feedback und Unterstützung durch die Leser. Über Internet-Portale geht das viel direkter als bei einem normalen Verlag, das ist ein Vorteil. Ein Nachteil sehe ich in der Anonymität der Nutzer, die auch zu Missbrauch verleitet, aber Gott sei Dank das beschränkt sich auf einen kleinen Bruchteil der Leute. Die Leser bei Amazon unterscheiden sich sonst aber nicht von anderen Lesern, außer dass sie die neuen Medien zum Kauf und Lesen der Bücher nutzen: Qualität bleibt aber weiterhin Grundvoraussetzung, natürlich wird auch hier zwischen einem gut gemachten Krimi, an dem jemand hart gearbeitet hat, und schlecht gemachten Büchern differenziert.

Was bleibt von den Verkäufen für Sie übrig?

Mehr als man denkt. Beim E-Book bekomme ich 70 Prozent der Einnahmen, bei der Printausgabe weniger. Aber die macht auch nur etwa zehn Prozent der Bestellungen aus. Inzwischen sind auch Verlage an mich herangetreten, die meine Bücher auf die herkömmliche Weise verlegen wollen. Früher hätte ich mich total gefreut, heute werde ich die Angebote ganz genau prüfen, bevor ich mich entscheide.

Warum haben Sie Sigmaringen als Schauplatz Ihres Krimis ausgewählt?

Das ist schnell erzählt. Ich brauchte einen Gegenpol zu Berlin, wo die Ich-Erzählerin lebt und arbeitet. Einen kleinen romantischen Ort, der aber auch ein wenig abgründig und unheimlich ist. Ich kenne Sigmaringen schon aus meiner Kindheit. Aber als meine Schwester im vergangenen Sommer im Schloss Sigmaringen geheiratet hat, war mir klar: Das ist es. Und weil wir gern wieder näher bei meiner Familie in Bad Saulgau wohnen würden, habe ich die Immobilienangebote im Internet gecheckt. Dabei bin ich auf Schloss Baelchenstein gestoßen. Die Bilder haben meiner Fantasie dann weiteren Stoff geliefert.

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