Ian McKellen: Es gibt nichts Natürlicheres als Schauspiel

Lesedauer: 5 Min
Sir Ian McKellen
Sir Ian McKellen geht mit sich selbst und mit anderen hart ins Gericht. (Foto: Tim Brakemeier / DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Interview: Christian Fahrenbach

Sir Ian McKellen hat bei „Der Herr der Ringe“ den altersweisen Gandalf gespielt. Jetzt kommt er mit „The Good Liar - Das alte Böse“ ins Kino.

Im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa und anderen internationalen Journalisten in New York hat der 80-Jährige erklärt, was ihn an Politikern nervt und wieso alle Menschen die Schauspielerei lieben.

Frage: Der Film handelt von zwei Menschen mit sehr deutlichen Überzeugungen davon, wer sie sind und was sie wollen. Wenn jemand eine klare Erzählung von sich nach außen trägt, die vielleicht gar nicht stimmt: Sind Sie mit solchen Charakteren über die Jahre großzügiger geworden?

Antwort: Ich bin nicht sehr daran interessiert, wenn Menschen dermaßen felsenfest von sich überzeugt und ihrer selbst so sicher sind - so wie Politiker es vorgeben. Ich mag die Personen, die an ihrem Gegenüber interessiert sind. Das sind doch die Menschen, die man als Freunde haben möchte, oder nicht? Das sind auch die Charaktere, die als Schauspieler interessanter sind. Heutzutage gibt es zu viel von diesem „So! Das bin ich!“. Aber ich bitte Sie. Das ist doch eine Haltung für Siebenjährige.

Frage: Sie wurden über die Jahre immer ungeduldiger mit anderen Menschen?

Antwort: Ich gehe mit mir selbst hart ins Gericht und mit anderen Menschen auch. Ich habe wenig, auf das ich im Leben stolz bin, aber ich habe immer versucht, meine Arbeit zu verbessern und wenn ich dann andere Menschen sehe, die das nicht versuchen, dann werde ich ungemütlich. Ich weiß, dass das nicht immer fair gegenüber denen ist, die einfach Geld verdienen müssen. Aber Professionalität ist eine verdammt gute Sache, es bringt das Beste in dir zum Vorschein. Es zeigt, dass du dir Gedanken darüber machst, was du versprochen hast - was ist daran falsch?

Frage: Letztlich geht es um Betrüger in Ihrem Film. Am Ende lassen wir uns auch von manchen charmanten Schwindlern gerne reinlegen. Was macht für Sie diese Faszination aus?

Antwort: Die ganze Welt ist eine Bühne und alle Männer und Frauen sind nur die Spieler. Das ist von Shakespeare und es trifft tatsächlich die Wahrheit. Man sieht keine Hunde, die lügen. Giraffen können nicht so tun, als wären sie Elefanten. Wir Menschen verbringen unser Leben damit, zu spielen, wir sind gut darin. Ist das schon lügen? Es ist Präsentation, es ist der Wunsch, dazuzugehören. Ein Film über das Lügen ist einfach ein Film über die Natur des Menschen. Aber ist es wirklich lügen? Jedes Mal, wenn du dir die Haare kämmst, sorgst du für eine andere Art der Selbstdarstellung. Es gibt einfach nichts Natürlicheres als die Schauspielerei.

ZUR PERSON: Sir Ian McKellen (80) ist ein britischer Schauspieler, der einem breiten Publikum als Gandalf in den Trilogien „Herr der Ringe“ und „Der Hobbit“ bekannt wurde. Der Brite hat sechs Laurence Olivier Awards und einen Tony Award bekommen, die bedeutendsten Theaterpreise in Großbritannien und den USA.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen