Heidi Klum sucht in ihrer umstrittenen neuen Show keine braven Topmodels, sondern selbstbewusste Dragqueens

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 Olivia Jones (vorn im roten Kleid) gehört neben Conchita Wurst (rechts) und Bill Kaulitz zur Jury in Heidi Klums (links, Mitte)
Olivia Jones (vorn im roten Kleid) gehört neben Conchita Wurst (rechts) und Bill Kaulitz zur Jury in Heidi Klums (links, Mitte) neuer Show „Queen of Drags“. (Foto: Martin Ehleben/ProSieben)
Cornelia Wystrichowski

Normalerweise castet sie junge Mädchen, doch jetzt geht Heidi Klum neue Wege: In ihrer neuen Show „Queen of Drags“ (ab 14.11., Pro Sieben) sucht sie gemeinsam mit dem Travestiekünstler Conchita Wurst und ihrem Schwager Bill Kaulitz Deutschlands glamouröseste Dragqueen. Die sechs Folgen laufen donnerstags zur besten Sendezeit und soll den Diven mit dem hohen Blingbling-Faktor eine Bühne geben: Dragqueens sind Männer, die als weibliche Kunstfiguren auftreten. Dabei stellen sie tradierte Vorstellungen davon, was feminin und was maskulin ist, auf den Kopf.

Vor allem in der queeren Szene hagelte es im Vorfeld heftige Kritik: Manche äußerten die Sorge, dass die Kandidaten einfach nur der Belustigung dienen, zudem sei Heidi Klum als „heteronormative weiße Frau“ ungeeignet, das Gesicht der Show zu sein. Doch die geschäftstüchtige Moderatorin, die selbst bekanntlich eine Meisterin der Selbstinszenierung ist, betont: „Ich liebe und bewundere die Drag-Kunst seit Jahren“. Für die Show ziehen zehn Künstler aus Deutschland, Österreich und der Schweiz in eine Villa in Los Angeles und stellen in jeder Woche eine Varietéshow auf die Beine. Wer das jeweilige Motto am besten umsetzt, die Jury mit Glitzeroutfit, Make-up und Inszenierung begeistert, ist eine Runde weiter.

Dabei verstärken Stargäste wie La Toya Jackson die Jury. In der ersten Folge ist Olivia Jones, Deutschlands bekannteste Drag-Künstlerin, eine der Juroren. Die schillernde Kiezgröße betont: „Drag ist Kunst, unterhaltsam, provokant und immer auch ein politisches Statement für Toleranz, Vielfalt und Respekt.“ Das Thema ist spätestens mit dem Eurovision Song Contest 2014 in die Öffentlichkeit gerückt: Damals gewann Conchita Wurst als Diva mit Paillettenkleid und Vollbart den Wettbewerb. „Drag ist eine sehr vielfältige Ausdrucksform und die Künstler dahinter haben Tiefgang und viel mehr zu bieten, als nur schillernde Kleidung, Perücken und Make-up“, sagt Klums Mitjurorin. In den sozialen Netzwerken wächst derweil die Kritik an der Show: Viele Angehörige der Drag-Szene kritisieren die Zusammensetzung der Jury, eine entsprechende Online-Petition unterzeichneten 27 000 Menschen.

Auf der Internetseite von Pro Sieben konnte das Publikum schon im Vorfeld seine Lieblinge unter den zehn Teilnehmern der Show küren. Dabei setzte sich ganz schnell die Berlinerin Katy Bähm in Führung, die zu Deutschlands bekanntesten Dragqueens gehört und viele Follower bei Instagram hat, deren Angehörige ihren Lebensstil aber skeptisch sehen: „Meine Familie ist nicht happy darüber“, klagt die 27-Jährige. Eine weitere Favoritin ist die Österreicherin Samantha Gold, die in Hamburg bei Olivia Jones arbeitet und sich nach dem blonden Vamp aus „Sex and the City“ benannt hat.

Viele der Teilnehmer weisen darauf hin, dass die Drag-Kunst häufig missverstanden und mit Transsexualität gleichgesetzt werde. Hayden Kryze aus Bern stellt klar: „Drag zu sein hat nichts damit zu tun, eine Frau sein zu wollen“, das Ganze hänge nicht prinzipiell mit sexueller Orientierung und geschlechtlicher Identität zusammen: „Es ist ein kunterbuntes Spiel.“

Weitere Kandidaten sind Catherrine Leclery aus Köln, die Berlinerinnen Bambi Mercury und Candy Crash, die Wolfsburgerin Aria Addams, Janisha Jones aus München, Yoncé Banks aus Paderborn und Vava Vilde aus Stuttgart – sie liebt das Selbstbewusstsein, das ihr die Kunstfigur vermittelt: „Drag ist eine Möglichkeit, sich einen eigenen Superhelden zu kreieren.“ Als Vava empfinde sie eine viel größere Autorität als im Alltag ohne Kostüm.

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