Gute Unterhaltung mit Beatles-Sound: der Kinofilm „Yesterday“

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Jack Malik (Himesh Patel) ist der einzige Mensch auf der Welt, der sich an die Musik der Beatles erinnert.
Jack Malik (Himesh Patel) ist der einzige Mensch auf der Welt, der sich an die Musik der Beatles erinnert. (Foto: Jonathan Prime)
Stefan Rother

„Ein Leben ohne Möpse und Musik ist möglich, aber sinnlos“, lautet ein beliebtes Zitat von Loriot. Ähnliches würden Liebhaber sicherlich auch über die Musik der Beatles sagen. Schließlich haben sich deren Songs so tief in das kollektive kulturelle Gedächtnis eingetragen, dass man sich eine Welt ohne sie kaum vorstellen kann.

Ein solches Szenario entwirft aber nun Regisseur Danny Boyle („Trainspotting“, „Slumdog Millionaire“) in seinem neuen Film, allerdings mit einem entscheidenden Unterschied: Genau ein Mensch scheint sich in dieser neuen Beatles-freien Welt doch noch an die Musik der Pilzköpfe zu erinnern. Dabei handelt es sich um Jack (Himesh Patel), ein Sänger und Komponist, dessen Karriere mit „erfolglos“ noch höchst freundlich umschrieben wäre. Mal spielt er allein auf der Straße, mal in einem Café, in dem nur sein kleiner Freundeskreis sitzt, mal auf einem Festival – da aber auch in einem weitgehend leeren Zelt. Seine einzige Karriereperspektive scheint zu sein, künftig Vollzeit anstatt Teilzeit im örtlichen Supermarkt zu arbeiten.

Das hält seine Freundin aus Schultagen Ellie (Lily James) nicht davon ab, felsenfest an ihn zu glauben. Die Lehrerin arbeitet ehrenamtlich als seine Managerin und fährt ihn zu Auftritten. Als Jack eines Tages aber doch die Gitarre an den Nagel hängen will, passiert etwas Seltsames: Während er in einen heftigen Unfall verwickelt ist, geht auf dem ganzen Planeten der Strom aus. Als er wieder aufwacht, scheint die Welt zunächst dieselbe zu sein, bis er allmählich merkt, dass die Beatles in dieser wohl nie existiert und musiziert haben.

Aus dieser absurden Prämisse (auf eine Erklärung wird dankenswerter Weise verzichtet), spinnt der Film nun zunächst reichlich Szenen, die ihre Bedeutung aus der Kraft der unkaputtbaren Songs der Liverpooler beziehen. Zu den eindringlichen Momenten zählen etwa die Gesichter der Freunde, als Jack – zumindest für sie – zum ersten Mal „Yesterday“ anstimmt. Weniger pathetisch gestaltet sich der Moment, als Jack seinen Eltern (Sanjeev Bhaskar und Meera Syal) „Let It Be“ vorspielen will, und dabei laufend unterbrochen wird.

Nun muss auf diese gelungenen Momente aber auch eine Geschichte folgen, und bei der setzt der routinierte Drehbuchautor Richard Curtis („Notting Hill“, „Tatsächlich Liebe“) überwiegend auf Bewährtes. So gerät die Beziehung von Jack und Ellie zur klassischen romantischen Komödie mit Hindernissen und zählt trotz des Charmes von Lily James zu den eher durchschnittlicheren Aspekten des Films. Besser gelungen ist die Satire auf das Musikgeschäft. Kate McKinnon spielt eine eiskalte amerikanische Managerin, die Jack unter Vertrag nehmen will, zwar nicht frei von Klischees, dafür aber mit entwaffnend unverfrorener Direktheit. Und dann tritt auch noch ein gewisser Ed Sheeran auf; der stark von den Beatles beeinflusste Erfolgssänger spielt sich selbst und versucht, Jack als Mentor zu fördern ohne zu ahnen, was für einen enormen Songfundus der Hochstapler im Gepäck hat.

Himesh Patel, der hier sein Kinodebüt gibt, interpretiert die Stücke dabei absolut passend: Eben wie ein durchaus talentierter Musiker aus den hinteren Reihen, der teils Passagen aus dem Gedächtnis rekonstruieren muss. Eigentlicher Star des Films bleiben aber die 16 Beatles-Songs, für deren Lizenzierung rund ein Drittel des gesamten Budgets, stolze 10 Millionen Dollar, draufging. Nach dem Verlassen des Films wird man viele von ihnen noch gutgelaunt vor sich hinsummen. Und so mag „Yesterday“ nicht all sein Potenzial ausschöpfen, als Wohlfühlfilm ist er für den Kinosommer aber bestens geeignet.

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