Gil Ofarim im Exklusivinterview: “Ich war nie wirklich weg!“

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Gil Ofarim (Foto: Iris Mauch)
Schwäbische Zeitung

Seit gut zwei Wochen ist die zweite Staffel von „The Voice of Germany“ (TVoG) mit dem letzten Konzert der Tour der acht Finalisten in der Münchner Olympiahalle Geschichte. Ein prominentes „Talent“ der Show war der Münchner Musiker und Künstler Gil Ofarim. Im Gespräch mit Iris Mauch blickt er auf seine Erfahrungen mit diesem TV-Format zurück, aber vor allem voraus auf geplante Auftritte, Konzerte und viele interessante Projekte.

SZ: Gerade ist die TVoG-Tour zu Ende gegangen – wie war das für Dich?

Ofarim: Ich hatte gar nicht mehr damit gerechnet, überhaupt teilzunehmen – ich rückte kurzfristig für Freaky T. nach, die aus gesundheitlichen Gründen absagen musste. Die Proben waren dementsprechend sehr kurz – dafür war die Show aber gigantisch und es hat Spaß gemacht. Es war eine sehr schöne Tour, die mir auch die Möglichkeit gegeben hat, Abschied zu nehmen von dem Ganzen. Es gibt ja doch einige Personen, die leider nicht im Fernsehen gezeigt werden, die meiner Meinung nach aber die wichtigsten Personen sind, wie beispielsweise die Vocal Coaches Yvonne Ambree und Naomi van Dooren.

SZ: Während der Show wurde ständig das Image des „Teenie-Stars“ bemüht, Du wurdest in die Comeback-Ecke geschoben. Dabei hast Du die ganzen Jahre über Musik gemacht – fernab des Teenie-Images. Wie sehr stört oder ärgert es dich, dass derart kreative Phasen musikalischen Schaffens quasi „unter den Tisch gekehrt“ werden und so getan wird, als wäre zwischen dem „Teenie-Star Gil“ und dem „TVoG-Gil“ ein Vakuum gewesen?

Ofarim: Natürlich hat es mich irgendwo gestresst und genervt, aber das gehört dazu. Es ist nicht meine Aufgabe, die Meinung von jemandem zu ändern oder auf Biegen und Brechen zu gefallen. Ich glaube, ich kann nur mit meiner Leistung – mit dem was ich kann, und als der, der ich bin – zeigen, was ich heute mache.

SZ: Wie war die Kooperation mit Xavier Naidoo und seinem Team – werdet ihr in irgendeiner Form weiter zusammenarbeiten oder ist das komplett abgeschlossen?

Ofarim: Die Zusammenarbeit war easy. Xavier ist ein viel beschäftigter Mann, hat aber ein großartiges Team hinter sich, und die Ansage an alle Talents im Team war: “Die Tür steht Euch immer offen.“ Inwiefern das dann passiert, weiß man nicht… Es war einfach eine tolle Zeit.

SZ: Wer war für die Songauswahl zuständig?

Ofarim: Ich nicht.

SZ: …also standest du nicht 100%ig dahinter?

Ofarim: Das stimmt nicht. Ich habe mir eins gesagt: „Wenn ich in diese TV-Show gehe, dann mache ich es ganz oder gar nicht.“ Das heißt, mir war klar, dass ich nicht irgendwelche Ansprüche stellen kann – so bin ich auch nicht. Ich habe nicht zu allem Ja und Amen gesagt; ich war einer unter vielen und habe das Beste daraus gemacht.

SZ: Wie viel Einfluss konntest du auf die Songs nehmen, die du dann letztendlich gesungen hast, wie sie arrangiert werden etc.?

Ofarim: Vor den Blind Auditions gab es zusammen mit vier, fünf Leuten eine Art Ideen-Pitching. Da gab es drei Vorschläge für mich. Wir haben schnell festgestellt, dass die nicht funktionieren würden. Ich habe dann den Gnarls-Barkley-Song „Crazy“ in dieser Akustik-Version vorgesungen und das war’s dann.

Obwohl ich es generell schwierig finde zu covern, weil ich ja meine eigenen Songs schreibe und weil man unweigerlich mit dem Original verglichen wird, war eigentlich jeder Song ein Kracher. Das sieht man auch anhand der Videos, da hab‘ ich glaube ich ein paar Rekorde bei den Aufrufen: mein „Seid ihr dabei“ von ACHT und auch das Battle. Auf jeden Fall – es war alles o.k. – dann kann die Songauswahl nicht so schlecht gewesen sein.

SZ: Welches Ziel hast du mit deiner Teilnahme verfolgt und hast du es erreicht?

Ofarim: Es war schwierig für mich, in eine Casting-Show zu gehen. Aber ich hatte persönlich schon den Anspruch zu gewinnen. Xavier hat uns am Anfang alle gefragt: „Wer von Euch will gewinnen?“ Als keiner antwortete, habe ich gesagt, dass ich gewinnen will, weil ich weiß, dass das, was ich tue, mein Leben ist und ich es für den Rest meines Lebens machen will. Außerdem war ich mal Hochleistungssportler [Anm. der Red.: Gil wollte mal Tennisprofi werden], deswegen ist Gewinnen in mir drin. Aber gewinnen heißt nicht zwingend, den ersten Platz zu machen. Früher rauszufliegen wäre nicht schön gewesen. So wie es lief, war es perfekt – besser hätte es nicht laufen können.

Ich wünsche mir persönlich, dass ich die Größe dieser Plattform, die die Show mir geboten hat, so auch einmal für meine eigene Musik haben werde. Wenn ich das schaffen würde oder wenn die Medienlandschaft dies zulässt, wäre ich sehr, sehr froh und dankbar. Ich hatte schon sehr lange nicht mehr so viele Radio Airplays und Interviews wie im letzten halben Jahr. Ich habe sehr viel positive Resonanz bekommen, man sagte mir: „Du bist super, Du bist toll; das aus Deutschland, das hätten wir so nicht erwartet; wo warst du all die Jahre?“ Dazu kann ich nur sagen: „Leute, ich war nie weg, ich war immer da – ich stand nur meistens vor einer verschlossenen Tür!“

Bevor ich zu TVoG ging habe ich mir gewünscht, dass das Richtige passiert. Aber das passiert sowieso immer. Wenn du ein bisschen Freigeist bist, ein bisschen über den Tellerrand hinaus schaust, dann weißt du, es passiert sowieso. Und so ist es passiert…

SZ: Was sollte 2013 auf jeden Fall passieren?

Ofarim: Das Richtige! – Privat wünsche ich mir auf jeden Fall erst einmal, dass meine Freundin und ich und die Hunde gesund bleiben, dass wir das Zuhause finden, das wir uns wünschen. Das Zuhause ist für mich wie die Batterie für alles weitere, was da so kommt.

Beruflich habe ich so viel vor... Ich möchte mit meiner Band ACHT viel live spielen. Wir möchten so viele Termine wie möglich, so viele Sommerfestivals wie möglich wahrnehmen. Es ist schon einiges in Planung – fest steht bereits ein Gig im neuen Münchner Club Strøm am 23. Februar.

Ich möchte mit ACHT ein Album rausbringen. Wir haben schon einige sehr gute starke Songs, es folgen jetzt weitere. Ich bin dem zweiten ACHT-Album näher als meinem Solo-Album.

Ja, ich möchte dieses Jahr auch noch ein Solo-Album „Gil Ofarim“ schreiben und wenn es klappt auch herausbringen – das wird auf Englisch sein. Auch hier gilt für mich, dass ich nicht einfach etwas auf die Schnelle machen möchte, auch wenn viele – Marketingstrategen, Manager, Plattenfirmen-Leute – sagen, dass ich ein Solo-Album jetzt sofort rausbringen, jetzt die Welle mitnehmen sollte, bevor in einem dreiviertel Jahr die neue Staffel kommt.

Ich habe auch ZOO ARMY wieder reanimiert – wir haben schon ein paar Bandproben gehabt, haben einen sehr guten Schlagzeuger gefunden. Das macht richtig Spaß und ich glaube, wenn das weitergeht, werden wir auch mit ZOO ARMY bald hier und da ein paar Geheim-Gigs spielen.

SZ: Das ist eine ganze Menge! Meinst du nicht, dass das vielleicht ein bisschen zu viel wird, weil es ja doch sehr unterschiedliche Sachen sind?

Ofarim: Ich glaube, das macht den Reiz aus. Ich würde ungern jeden Tag Schweinsbraten essen wollen. Das ist auch das Tolle bei ACHT, dass es so abwechslungsreich ist, auch musikalisch. Trotzdem möchte ich auch viele andere Dinge machen. Wenn alles klappt, möchte ich Mitte des Jahres sogar einen Film drehen. Ich habe dazu jetzt ein paar Gespräche in Berlin. Es gibt allerdings noch fünf andere Bewerber für die männliche Hauptrolle, die weitaus mehr drehen in Deutschland und weitaus mehr Preise abgeräumt haben als ich.

Ich bin halt Künstler – das ist es, was ich mache. Ich könnte wahrscheinlich auch andere Dinge machen, aber die würden mich nicht erfüllen. Auf der TVoG-Tour ist mir bewusst geworden, dass ich in der Show nicht so wirklich zeigen konnte, was ich mache, was mich ausmacht. Ich glaube, wenn man mich live auf einer Bühne sieht, dann weiß man, wer ich bin oder warum ich das alles mache und warum ich auch dabei bleiben sollte. Es kommt alles zur richtigen Zeit.

 

Die nächste Möglichkeit, Gil Ofarim und seine Band ACHT live zu sehen:

Samstag, 23. Februar 2013 im Strøm

Lindwurmstraße 88, 80337 München

Einlass: 20 Uhr / Beginn 21 Uhr

Tickets über München Ticket:

http://www.muenchenticket.de/guide/tickets/nyaq/Acht.html

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