Geiger David Garrett im SZ-Interview

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Vermutlich einer der talentiertesten Geiger unserer Zeit: Der 33-jährige David Garrett, der bei Klassik-Konzerten seine Stradiv
(Foto: pr)

Er zählt zu den erfolgreichsten Geigern der Gegenwart: David Garrett. Mit seinem Klassikprogramm ist er am 23. Mai in der Ratiopharm-Arena Neu-Ulm zu Gast. Melanie Kräuter hat mit dem Musiker über seine Leidenschaft für Musik und den Ausflug auf die Leinwand gesprochen.

Du gibst am 23. Mai ein Klassikkonzert in Neu-Ulm. Was ist dein liebstes klassisches Stück?

Ich habe mir für diese Tour viele tolle Klassikwerke ausgesucht. Die Tartini-Sonate ist eines meiner Lieblingsstücke. Aber es ist echt schwierig, mich auf ein Lieblingsstück festzulegen. Mit jedem Stück verbindet mich eine enge und lange Beziehung. Ich spiele ja jedes Programm mehrmals hintereinander, insofern müssen es Stücke sein, die mir im Moment wirklich viel Spaß machen.

Nach welchen Kriterien suchst du die Stücke für die Konzerte aus?

Für die jetzige Klassiktour wurden Stücke von meiner letzten CD für das Verbier Festival Chamber Orchestra klassisch orchestriert. Es ist eine gute Mischung aus dem letzten Album, ein paar neue Stücke dazu, und in der zweiten Hälfte spielen wir „Die vier Jahreszeiten“ von Vivaldi.

Du wechselst immer ab zwischen Klassiktour und Crossover. Wie unterscheidet sich das Publikum?

Inzwischen gibt es da fast keinen Unterschied mehr. Ich hab' sehr viel neues Publikum bei den Klassikkonzerten. Denn es ist so, dass die Leute, die mich bei meinen Crossover-Konzerten hören, auch gerne zu meinen Klassikkonzerten kommen. Und auch umgekehrt.

Virtuose, Wunderkind, Popstar, Rebell: Schon viele haben versucht, dass Phänomen David Garrett zu erklären. „Die Zeit“ nannte dich den meistgeliebten und meistgehassten Geiger. Wie erklärst du selbst das Phänomen David Garrett?

Das kann ich gar nicht, ich sehe das ja von einer ganz anderen Perspektive. Das Einzige, was für mich zählt, ist die Qualität, die ich jeden Tag versuche, auf die Bühne zu bringen. Also, hart zu arbeiten, immer wieder gute Ideen zu haben, sich die Zeit zu nehmen, diese gut auszuarbeiten. Vorbereitung wird bei mir immer ganz großgeschrieben, bei jeder Tour. Wie man mich von außen sieht, darüber habe ich mir zum Glück noch nie Gedanken gemacht. Insofern überlasse ich es gerne anderen, wie sie mich beschreiben.

Durch die Crossover-Alben hast du viele junge Leute an die Klassik gebracht. Was ist dein Rezept?

Das hört sich immer so strategisch an, wenn man nach dem Rezept gefragt wird. Mein Herz und mein Verstand sagen einfach: Biete den Leuten Qualität. Auf lange Sicht ist das das Einzige, was man irgendwie Rezept nennen könnte. Ich mache etwas, das mir Spaß macht, woran ich wirklich glaube und was einen Qualitätsstandard hat. Das ist für mich das A und O.

Wenn du auf einer Tour jeden Tag das Gleiche spielst, wie erhältst du da die Leidenschaft?

Ich mache immer vier bis fünf verschiedene Touren, und zwischendurch habe ich noch ganz andere Projekte. Das heißt, jetzt starte ich eine Tour, das Programm spiele ich dann zweieinhalb Wochen. Das habe ich vorher noch nicht gespielt, das ist brandneu für mich. Und nach zweieinhalb Wochen geht es nach Asien, dann bin ich mit Crossover unterwegs, mit einem komplett anderen Programm. Da kommt überhaupt keine Langeweile auf, im Gegenteil. Es gibt immer viel zu lernen, viel zu tun, immer neue Projekte. Das ist immer was anderes.

Du hast in dem Film „Der Teufelsgeiger“ Niccolo Paganini gespielt. Welche Parallelen gibt es zwischen deinem und seinem Leben?

Die Parallelen sind natürlich nicht nur bei mir gegeben, sondern bei jedem, der so früh anfängt ein Instrument zu spielen und auf der Bühne steht.

Die Kritiken zu dem Film waren nicht so schmeichelhaft …

Wieso? Die Filmmusik haben alle geliebt. Das war mein Bestreben, deswegen habe ich den Film gemacht. Ich habe nie gesagt, dass ich Schauspieler bin. Ich bin Musiker. Für mich war es von Anfang an ganz wichtig, einen tollen Soundtrack zu schreiben. Und ich bin überglücklich, dass die Filmmusik das war, was die Leute als äußerst positiv gesehen haben. Ich habe nicht einen negativen Kommentar darüber gelesen, und das ist doch schön fürs Ego.

Was wäre eigentlich aus David Garrett geworden, wenn sein Bruder der talentiertere Geiger gewesen wäre?

Darüber hab ich mir noch nie Gedanken gemacht. Aber meinem Bruder geht es ja auch ganz gut. Er hat seinen Weg gefunden. Und ich habe keine Zweifel, dass ich nicht auch etwas gefunden hätte, an dem ich Spaß gehabt hätte und bei dem ich kreativ hätte sein können. Was man am Ende auf der Bühne sieht, hat ja nicht nur mit Musik zu tun, sondern auch mit gesunder Lebenseinstellung.

Seine Klassik-Tournee führt David Garrett – nach Auftritten in München und Kempten – am Freitag, 23. Mai in die Ratiopharm-Arena Neu-Ulm. Karten für das Konzert sind bei Südfinder Ticket unter Telefon 0751/2955 5777 erhältlich. Informationen gibt es online unter www.david-garrett.com

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