Gallipoli“ ist vertontes Fernweh

Lesedauer: 3 Min
Die Band Beirut um den US-amerikanische Sänger Zach Condon klingt auch auf dem neuen Album „Gallipoli“ nach Fernweh.
Die Band Beirut um den US-amerikanische Sänger Zach Condon klingt auch auf dem neuen Album „Gallipoli“ nach Fernweh. (Foto: Britta Pedersen)
Deutsche Presse-Agentur
Oliver Beckhoff

Zach Condon hat schon in jungen Jahren die Welt bereist. Und immer schon spielte das Reisen auch für die Musik seiner Band Beirut eine Rolle: Geografische Bezeichnungen als Titel ziehen sich durch die Geschichte der Gruppe, die sich selbst nach der Hauptstadt des Libanon benannt hat.

Auch auf dem fünften Album bleibt die Band, die sich wohl am ehesten dem Folk zuordnen lässt – mit Pop-, Polka- und Orchestereinflüssen –, diesem Schema treu: „Gallipoli“, so der Titel, ist auch der Name einer Stadt in Apulien im Süden Italiens, die die Band bei einem Trip kennenlernte. Ein Großteil der Aufnahmen fand in Apulien statt.

Sich auf jedem Album neu erfinden: Das können andere tun. Beirut verfolgt mit Nachdruck eine Idee eines Klangs: taucht ein, bleibt dran, verstrickt sich – und schafft so Musik, die sich über die Jahre organisch entwickelt und keine Abnutzungserscheinungen zeigt. Meist ist da eine melodische Grundidee, ein taktisches Muster, ein Motiv, das sich durch einen Song zieht.

Condon nennt das „einen Sound bis aufs Blut auszureizen“. Dazu der Gesang: melancholisch, klar – im Gedächtnis bleibend. Über seine Klangidee bei den ersten Aufnahmen, bei denen eine alte Farfisa-Orgel eine wichtige Rolle spielte, sagt der Sänger in einem Statement: „Ich wollte jedes Ächzen und Stöhnen der Instrumente, jede verstimmte Note, jedes Amp-Knistern, jede technische Fehlfunktion aus den dunklen Ecken meiner Lieder ins Licht zerren.“

Farfisa-Orgel wiederbelebt

Entstanden ist ein roher, reiner Beirut-Sound, der in vielem an die Anfangstage erinnert: Schon die ersten beiden Alben komponierte Condon zu großen Teilen auf der Farfisa-Orgel, dann staubte sie ein, musste wiederbelebt werden. Tasteninstrumente des italienischen Herstellers haben in der Vergangenheit Popgeschichte geschrieben. Pink Floyd setzte sie ein, Kraftwerks Ralf Hütter experimentierte mit ihnen. Auch auf Jean Michel Jarres „Oxygen“ sind sie zu hören. Für „Gallipoli“ ist das sicher kein schlechtes Omen.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen