Galaabend bei den Internationalen Wolfegger Konzerten

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Der österreichische Dirigent Manfred Honeck ist seit 30 Jahren künstlerischer Leiter der Wolfegger Konzerte.
Der österreichische Dirigent Manfred Honeck ist seit 30 Jahren künstlerischer Leiter der Wolfegger Konzerte. (Foto: dpa)
Katharina von Glasenapp

„Ta ta ta taaaa“ – der berühmte Beginn der fünften Symphonie von Ludwig van Beethoven eröffnete das festliche Orchesterkonzert im ausverkauften Rittersaal von Schloss Wolfegg: 30 Jahre Internationale Wolfegger Konzerte gilt es zu feiern, 25 Jahre davon unter der künstlerischen Leitung von Manfred Honeck, der die Atmosphäre im Saal und das Miteinander von fürstlicher Familie, Ehrengästen, Sponsoren und treuem Publikum sichtlich genießt. Zum Jubiläum hat er einmal mehr die Bamberger Symphoniker eingeladen, den Klangkörper, dem er seit dem Beginn seiner Dirigententätigkeit besonders eng verbunden ist. Nicht nur die Symphonie wurde frisch aufpoliert, sondern nach der Pause machten die slowakische Sopranistin Simona Šaturova und der Tenor Benjamin Bruns den kleinen Raum zwischen dem ersten Geigenpult und dem Dirigenten zur Bühne für große Opernszenen.

Mag ein Werk auch noch so bekannt sein, so gilt es doch, immer wieder Neues zu entdecken: „Business as usual“ gibt es bei Manfred Honeck nicht und ein frischer Blick auf die Partitur begeistert auch das erfahrenste Orchester. Das markante Eröffnungsmotiv der fünften Symphonie nahm er breit, als Signalruf, der immer wieder mahnend aufgenommen wird (die „Fünfte“ gilt ja auch als „Schicksalssymphonie“). Im straffen Tempo entwickelte sich der Satz in all seiner Energie, die von den Figuren und Instrumenten im Rittersaal noch befeuert zu werden schien.

Umso sanfter, in großen Linien angelegt war dann der langsame Satz mit den homogenen tiefen Streichern und dem Pulsieren der Bläser. Honeck und die Bamberger Symphoniker mit ihrem berühmten „dunklen Klang“ verschmolzen zu einer atmenden Einheit, erzeugten Spannung im dritten Satz und lösten sie im triumphierenden Finale auf: das „durch Nacht zum Licht“ – auch das eine Leitidee der Symphonie – wurde hier plastisch erfahrbar in einem Jubeltanz mit heftigen Pfiffen der Piccoloflöte und vielfachen Steigerungen des ganzen Orchesters.

Welch wandelbares Orchester

Im zweiten Teil verwandelten sich die Bamberger in ein ebenso höchst inspiriertes Opernorchester: die kontrastreiche Ouvertüre zu Mozarts vorletzter Oper „La Clemenza di Tito“ zeigte dunkle Dramatik und fein gezeichnete Bläser, das Vorspiel zum dritten Akt von „La Traviata“ war erfüllt von inniger Streicherkultur. Simona Šaturova gestaltete die Arie der Donna Anna aus „Don Giovanni“ mit Wärme, Pianokultur und hoffnungsvollen Koloraturen im Schlussteil, Benjamin Bruns gab den ihr entschlossen zu Hilfe eilenden Verlobten Don Ottavio. Dass die beiden dazu für das berühmte Duett „Reich mir die Hand“ überzeugend auch in andere Rollen – die leichtgewichtigere Zerlina und den verführenden Bariton Don Giovanni – schlüpften, geht wohl nur in einem solchen Galakonzert.

Seine Qualitäten als prächtiger lyrischer Tenor zeigte Bruns in der Arie des Nemorino aus Donizettis „Liebestrank“. Schade, dass er für das Schlussduett und auch für die Szenen aus Verdis „La Traviata“ auf die Unterstützung eines Notenhefts baute, denn gleich ging viel von seinem Spielwitz verloren. Die Arie des Alfredo, die so glückselig beginnt und in einer feurigen Cabaletta mit blitzendem Hochton endet, präsentierte er gleichwohl mit tenoralem Glanz. Als Persönlichkeit voll widerstreitender Emotionen und innerer Stärke verwirklichte Simona Šaturova die große Szene der Violetta: Große Ausbrüche und selbstverständliche Koloraturen verband sie mit Bühnenpräsenz und Körpersprache.

Getragen vom beschwingten Dreiertakt verabschiedeten sich Solisten, Orchester und Dirigent mit dem zündenden Trinklied aus „La Traviata“, passend zur festlichen Stimmung und der lauen Sommernacht.

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