Günter Herburger gestorben

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Der Schriftsteller Günter Herburger ist tot.
Der Schriftsteller Günter Herburger ist tot. (Foto: dpa)

Der Schriftsteller Günter Herburger ist tot. Wie die „Süddeutsche Zeitung“ meldet, ist er bereits am 3. Mai an den Folgen eines Unfalls gestorben. Herburger, der aus Isny im Allgäu stammte, wurde 86 Jahre alt.

In seine Heimat hat es ihn die letzten Jahre nicht mehr so gezogen. Das „zahnlückige Berlin“ gefalle ihm viel besser, sagte er in einem Interview mit der „Schwäbischen Zeitung“ zu seinem 80. Geburtstag. „Im Allgäu gibt es doch nur noch Mais und Reiterhöfe.“ Das war dem Sohn eines Isnyer Tierarztes zu langweilig. Schon als junger Mann verließ er das Allgäu, studierte in München Philosophie, Theaterwissenschaft und Sanskrit. Dann brach er auf in die Welt, streifte mit seiner ersten Frau durch Europa. Erste Arbeiten führten ihn zum Süddeutschen Rundfunk. Er schrieb Hörspiele und Drehbücher. Romane erschienen: „Eine gleichmäßige Landschaft“, „Ventile“ „Die Messe“, „Jesus in Osaka“. Er besuchte die Treffen der Gruppe 47. Seine Kindererzählungen „Birne kann alles“ waren seinerzeit in jedem aufgeklärten Haushalt zu finden.

Als auch die zweite Ehe scheitert, wagt er mit seiner dritten Ehefrau nicht nur einen Neuanfang in München, sondern beginnt auch ein Mammutwerk: „Thuja“ – eine Romantrilogie. Von 1970 bis 1991 arbeitet er daran. Die Bände heißen „Flug ins Herz“, „Die Augen der Kämpfer“ und schließlich „Thuja“. In besagtem Interview mit der „Schwäbischen Zeitung“ sagte Herburger über diese Zeit: „Anderthalb Jahrzehnte habe ich gar nicht gelebt.“ Es ist ein Werk, das sich jeder Zuordnung entzieht. Es ist realistische und fantastische Literatur, vor allem aber eine ausufernde Reflexion über deutsche Geschichte – über die BRD und die DDR, in der Herburger als DKP-Mitglied zeitweilig gelebt hat.

Mit 50 Jahren packt den Allgäuer eine neue Leidenschaft: Marathon laufen. „Lauf und Wahn“ nennt er seinen Roman, der 1988 bei Luchterhand herauskommt. Bis zum Schluss hat er geschrieben. Allerdings nicht mehr bei seinem Hausverlag veröffentlicht. 2016 erschien „Haitata: kleine wilde Romane“ in dem unabhängigen A1 Verlag. Wild waren seine Werke alle, manche waren auch groß.

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