Frühwerk Henzes wird in Trossingen uraufgeführt

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Der Komponist Hans Werner Henze
Der Komponist Hans Werner Henze (Foto: Archiv)
Schwäbische Zeitung
Werner M. Grimmel

Als „sensationelle Entdeckung“ feiert die Hans-Werner-Henze-Stiftung den Fund einer frühen, bislang verschollenen Gitarrenmusik ihres Namenspatrons. Ausgegraben wurde die Komposition von dem Trossinger Gitarrendozenten Andreas Grün. Der junge Hans Werner Henze (1926-2012) hat sie 1955 für eine Hörfunkproduktion von Ernst Schnabels Roman „Der sechste Gesang“ geschrieben. Es handelt sich um sein erstes Werk für Gitarre. Leider wurde damals nur ein Teil der 46 Nummern verwendet.

An der Staatlichen Musikhochschule Trossingen wird Andreas Grün nun erstmals die komplette Musik im ursprünglichen Kontext aufführen. Das O-Ton-Ensemble der Hochschule unter der Leitung von Rektorin Elisabeth Gutjahr übernimmt die Lesung des Rundfunkromans. Als rund fünfstündiges Live-Hörspiel in drei Teilen steht diese Darbietung auf dem Programm der 6. Trossinger Tage der Neuen Gitarrenmusik (3. bis 5. Juni). Das Festival hat das exklusive Recht erhalten, die einst nicht für das Konzertpodium vorgesehene Musik ein einziges Mal zu präsentieren.

Neben dieser Uraufführung bieten die drei Tage unter dem Motto „Hans Werner Henze zum 90. Geburtstag“ ausschließlich Werke des 2012 verstorbenen Komponisten. Ensemblemusik mit Gitarre und Stücke für Gitarre solo (etwa die beiden Sonaten der „Royal Winter Music“) erklingen ebenso wie die bekannte „Kammermusik 1958“ für Tenor, Gitarre und acht Instrumente. In sie sind Fragmente der Rundfunkmusik zu Schnabels Roman eingeflossen. Michael Kerstan, einst Assistent Henzes und jetzt Geschäftsführer der Hans-Werner-Henze-Stiftung, hält einen Vortrag.

Festivalleiter Andreas Grün findet das von ihm entdeckte Frühwerk interessant im Blick auf Henzes Annäherung an ein Instrument, das später viel Raum in seiner Musik bekam. Es lasse bei aller Beschränktheit in technischen Details bereits eine dezidierte Klangvision erkennen. Die oft sehr kurzen, für Gitarre teils recht sperrig gesetzten Miniaturen dauern zusammen knapp eine halbe Stunde. Im Hörspiel dienen sie als eine Art akustische Raumteiler zwischen den Kapiteln des Romans.

Information und Karten:

www.mh-trossingen.de

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