Filmtitel: „Ein letzter Job“

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Die Gentlemen bitten zur Kasse (v.l.n.r.).: John Kenny Collins (Tom Courtenay), Terry Perkins (Jim Broadbent), Carl Wood (Paul W
Die Gentlemen bitten zur Kasse (v.l.n.r.).: John Kenny Collins (Tom Courtenay), Terry Perkins (Jim Broadbent), Carl Wood (Paul Whitehouse), Danny Jones (Ray Winstone) und Brian Reader (Michael Caine) (Foto: studiocanal)
Stefan Rother

Rente mit 68 ist für die Ganovenbande von „Ein letzter Job“ kein Thema – auch im hohen Alter wollen es die Herrschaften noch einmal wissen. Dabei hatte Brian Reader (Michael Caine) seiner Frau vor ihrem Tod eigentlich versprochen, sich künftig von Ärger fernzuhalten. Doch nun schlurft der Witwer einsam durch sein Haus und weiß wenig mit sich anzufangen. Da kommt ihm der Sicherheitsexperte Basil (Charlie Cox) gerade recht mit seinem Plan, im Londoner Juwelenviertel Hatton Garden einen großen Raub zu begehen. Nicht ein einzelnes Geschäft soll dabei um seine Schätze erleichtert werden, sondern ein kompletter Tresorraum, in dessen Schließfächern haufenweise Reichtümer eingelagert sind.

Nach einer wahren Geschichte

Das klingt nach einem Rekordraub – und als solcher wurde der Einbruch, der sich im April 2015 zugetragen hat, dann auch bekannt. Schließlich soll sich der Wert der Beute auf bis zu 200 Millionen britische Pfund belaufen. Der Umstand, dass es sich bei den Tätern um rüstige Raub-Veteranen handelte, verlieh der Geschichte nochmals einen besonderen Reiz und so gab es, auch wenn das Verbrechen noch gar nicht so lange zurückliegt, bereits mehrere Verfilmungen der Vorkommnisse.

Die jüngste davon ist mit Sicherheit die am prominentesten besetzte, denn neben Michael Caine finden sich hier weitere britische Schauspielstars. So besteht die Bande, die Brian um sich schart, aus Terry Perkins (Jim Broadbent), Kenny Collins (Tom Courtenay), Danny (Ray Winstone) und Carl (Paul Whitehouse). Die Vollprofis bei der gemeinsamen Arbeit zu sehen, ist dann auch der Hauptgrund, dass „Ein letzter Job“ noch sehenswert ist, denn die eigentliche Geschichte wurde von Regisseur James Marsh („Die Entdeckung der Unendlichkeit“) doch recht bieder in Szene gesetzt. Als reine Komödie will er den mit beschwingter Musik unterlegten Film wohl nicht sehen, ein übermäßig spannendes Raubdrama ist aber auch nicht daraus geworden.

Es sind dennoch Kriminelle

Am meisten Charme entfaltet das Geschehen noch, wenn sich die Rentnergang verständnisvoll über die jeweiligen Zipperlein austauscht oder mit rustikalem Humor anfrotzelt. Den Schauspielern gelingt es dabei zu vermitteln, dass es sich bei der Bande dennoch nicht um eine niedliche Rentnertruppe handelt, sondern unter dem gebrechlichen Äußeren immer noch Kriminelle mit einer langen Karriere stecken.

Und denen ist es offenkundig zur zweiten Natur geworden, bei jeder Gelegenheit etwas abzuzweigen, sich gegenseitig zutiefst zu misstrauen und hinter dem Rücken der anderen Ränke zu schmieden. So zeigt der zweite Akt des Films nach dem Raub dann auch, wie die Bande zusehends auseinanderfällt und die Polizei ihre Ermittlungen aufnimmt. Letzteres geschieht mit einem Technologie-Arsenal, das den eher auf bodenständiges Handwerk setzenden Räubern vollkommen fremd ist. Da wäre beim nächsten Knastaufenthalt ein Computerkurs sicher kein schlechtes Investment.

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