Filmkritik: Wer 4 sind

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 Jam Session mit (von links) Smudo, Andreas Rieke (And.Y), Thomas D und Michi Beck von der Band die Fantastischen Vier.
Jam Session mit (von links) Smudo, Andreas Rieke (And.Y), Thomas D und Michi Beck von der Band die Fantastischen Vier. (Foto: Kick Film GmbH/dpa)
Elena Koene

Was verschenkt man zum Dreißigsten? Einen eigenen rund zweistündigen Dokumentarfilm, lautet die Antwort der Hip-Hop-Gruppe Die Fantastischen Vier. Kann man machen, wenn man 30 Jahre lang so erfolgreich ist, wie die vier Stuttgarter – interessantes Material bieten sie allemal. Der Doku-Streifen „Wer 4 sind“ kommt am 15. September in die Kinos.

„Ich habe mich selbst in meine eigene Band verliebt“, sagte Thomas D (50) scherzhaft über den Film. Gut möglich, dass es den Zuschauern genauso geht. Denn Regisseur Thomas Schwendemann ist den Vieren nicht nur zwei Jahre lang ins Studio, nach Hause und vor und hinter die Bühne gefolgt, sondern hat auch Weggefährten und Bewunderer zu Wort kommen lassen.

Herausgekommen ist ein humorvoller und interessanter Einblick in das Schaffen der Band. Und auch ein Film, der zeigt, warum Smudo (51), Thomas D (50), And.Ypsilon (51) und Michi Beck (51) keine medienwirksamen Streits und Trennungen samt rührseliger Wiederzusammenfindung brauchen: Sie sind befreundet, ohne dicke Freunde zu sein. „Wir reden wenig über Privates“, sagt Michi Beck im Film. Besuche bei den anderen, die mittlerweile in ganz Deutschland verstreut wohnen, gibt es auch nicht. Und private Telefonate unter den Männern, von denen mit Ausnahme von And.Ypsilon inzwischen alle Familie haben, schon gleich gar nicht. „Ohne die Band wären wir wohl keine Freunde mehr“, sinniert Thomas. „Dafür hat jeder ein anderes Lebensmodell. Aber die Musik schweißt uns zusammen.“ Wie sehr wird deutlich, wenn das Kamerateam die Musiker bei der Entstehung des jüngsten Albums „Captain Fantastic“ begleitet. Da wird auf der Couch gejammt, die berüchtigten Wortsalven entwickelt oder auch mal kräftig rumgeblödelt.

Tatsächlich macht genau das den Charme des Films aus. Denn es wird auch gezeigt, was mit Musikern nach 30 Jahren passieren kann: Ihnen fällt nichts mehr ein, das Texten wird zur Qual. Also haben sich die Fantas Co-Texter ins Boot geholt, die sie als „Defibrilliergerät und Arschtritt“ zugleich bezeichnen. (dpa)

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