Filmkritik: „Tea with the Dames“

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Ein tolles britisches Quartett (von links): Maggie Smith, Joan Plowright, Eileen Atkins und Judie Dench.
Ein tolles britisches Quartett (von links): Maggie Smith, Joan Plowright, Eileen Atkins und Judie Dench. (Foto: Mark Johnson)
Cordula Dieckmann

Wenn sich ältere Damen zu Klatsch und Tratsch treffen, ist das für Außenstehende nur bedingt unterhaltsam. Aber wenn die Ladies Judi Dench, Maggie Smith, Eileen Atkins und Joan Plowright heißen, sieht die Sache schon anders aus. Die vier zählen zu den berühmtesten britischen Schauspielerinnen und sind seit mehr als 50 Jahren befreundet. Immer wieder treffen sie sich zum Tee. Regisseur Roger Michell durfte sie dabei filmen. „Tea with the Dames – Ein unvergesslicher Nachmittag“ ist ein unterhaltsames, lustiges Plauderstündchen. Die Freundinnen erinnern sich an alte Zeiten beim Film und am Theater, erzählen von früheren Liebschaften oder machen sich über die Fallstricke des Alterns lustig.

Das Alter mit Humor ertragen

Etwa, wenn Joan Plowright mitten im Gespräch feststellt: „Eines meiner Hörgeräte ist ausgefallen“ und Maggie Smith ihr großzügig anbietet: „Soll ich dir eines von meinen ausleihen?“. Gelächter in der Runde. Auch gelästert wird munter: Etwa, dass Judi Dench den Ruf hat, sich immer alle Rollen zu krallen, die auf dem Markt sind. Oder dass Joan Plowrights Ehemann Laurence Olivier ziemlich furchteinflößend sein konnte. „Dein Mann hat mich nervöser gemacht, als alle Kritiker“, sagt Smith über den berühmten Kollegen.

Roger Michell („Notting Hill“) mischt sich kaum ein in dieses lockere Gespräch, nur hin und wieder wirft er aus dem Hintergrund Fragen in die Runde. Doch lange muss er die Frauen nicht bitten zu erzählen, denn alle vier sind starke Persönlichkeiten, die das britische Theater im Laufe der Jahrzehnte ebenso geprägt haben wie den Film. Viele Gründe für das britische Königshaus, die Freundinnen zu adeln, zu Dames. Vornehm geben sie sich deswegen aber noch lange nicht, im Gegenteil. Maggie Smith erinnert sich an ein Gespräch mit Judi Dench, die schon 1988 „Dame of the British Empire“ wurde. „Du hast mich angerufen, als es bei mir soweit war und hast mir gesagt: ,Es macht keinen Unterschied, du kannst immer noch fluchen’“, meint Smith. Darauf Dench: „Du kannst sogar mehr fluchen.“

Erfrischend

Nach gut eineinhalb Stunden verlässt man das Kino erfrischt von so viel ansteckender Lebensfreude, die die Freundinnen am Ende des Tages mit Champagner begießen. Und man hofft, dass sie sich noch lange so treffen können, auch wenn Dench, Smith und Atkins 84 Jahre alt sind und die nahezu erblindete Plowright sogar schon 89. Aber deswegen mit der Schauspielerei aufhören? Auf keinen Fall, sind sie sich einig und Dench erklärt kategorisch: „Wir arbeiten bis zum Ende!“

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