Filmkritik: „Solo: A Star Wars Story“

Lesedauer: 6 Min

Solo: A Star Wars Story
Solo: A Star Wars Story (Foto: Festival de Cannes)
Rüdiger Suchsland

Solo: A Star Wars Story. Regie: Ron Howard. Mit Alden Ehrenreich, Donald Glover, Emilia Clarke. USA 2018. 135 Minuten. FSK ab 12.

Es blitzt, es kracht, es scheppert im Grand Theatre Lumière von Cannes – zweieinhalb Stunden lang. Dann marschieren weiß gekleidete Sturmtruppen auf der Bühne auf, und Thierry Fremaux, der künstlerische Leiter der Filmfestspiele von Cannes, steht vor ihnen und sieht in seinem schwarzen Smoking ein bisschen wie Darth Vader aus, der schwarze Sternenkrieger-Lord, der aber im Film zuvor gar nicht vorkam. Am Dienstagabend hatte „Solo: A Star Wars Story“ in Cannes Premiere. Am 24. Mai kommt der Film in die deutschen Kinos.

In dem neuen „Star Wars“-Film hatte man zuvor eine Handvoll Planeten kennengelernt und die komplette Halbwelt des Universums: Spielhöllen, Stripperbars, illegale Händler, Piraten. Man fliegt im Hyperraum mit Lichtgeschwindigkeit und durch ein Schwarzes Loch. Erzählt werden soll die Jugend des „Star Wars“-Helden Han Solo, aber wir lernen die Geschichte des Millennium Falken kennen. Wir erfahren immerhin andeutungsweise, woher Han Solo stammt, wie er seinen Namen bekam. Wir erleben, wie er und der zottelige Wookie Chewbacca sich kennenlernen: beim Schlammcatchen auf einer Basis der Sturmtruppen-Armee des Imperiums.

Kurzweilige Science-Fiction

Und trotzdem ist „Solo: A Star Wars Story“ weniger „Star Wars“ als „Valerian“ (von Luc Besson), weniger episches Weltraummärchen als kurzweiliges Science-Fiction-Abenteuer, das sich im Han-Solo-Modus selbst nicht zu hundert Prozent ernst nimmt. Und das macht auch gar nichts. Denn ohne das übliche „Die-Macht-sei-mit-dir“-Geraune wirkt dieser Film unerwartet leicht und frisch, tatsächlich jugendlich.

Der Druck war groß, denn das Erbe ist schwer: Han Solo ist der mit großem Abstand beliebteste Held der „Star Wars“-Saga. Und diese Rolle wurde zur Initialzündung einer großen Karriere: Zuvor hatte Harrison Ford nur einige einprägsame Kurzauftritte gehabt, ab jetzt standen dem charismatischen jungen Mann ganz im Gegensatz zu Carrie Fisher (Prinzessin Leia) und Mark Hamill (Luke Skywalker) alle Türen Hollywoods offen. Und Ford wurde einer der wichtigsten Darsteller seiner Generation mit den Auftritten als Indiana Jones und Blade Runner. Auch den Han Solo spielte er noch dreimal, zuletzt 2015 in „Star Wars: Das Erwachen der Macht“.

Klar, dass Alden Ehrenreich sich erst mal aus diesem Schatten hervorarbeiten und auch dem jungen Han Solo im Verhältnis zum späteren coolen Welt-Outlaw und heimlichen Romantiker Profil verleihen muss. Das gelingt: Ehrenreich spielt solide, sieht charmant aus und kann überdies äußerlich tatsächlich als ganz junge Ausgabe von Harrison Ford durchgehen.

Die Schauspieler sind überhaupt eine der großen Stärken dieses Films. Thandie Newton, Woody Harrelson als doppelzüngiger Ziehvater des Helden, und vor allem Emilia Clarke, die einem breiten Publikum als Hauptdarstellerin aus „Game of Thrones“ bekannt sein dürfte. Clarke spielt Qi’ra, die Jugendliebe Solos, die von der Weltraummafia entführt wird und sich nach ihrer Gefangenschaft zu einer rätselhaften Femme fatale entwickelt.

Es kann weitergehen

Sie alle erleben viel. In der Story geht es um ein wertvolles Metall, das alle begehren. Das Ganze erinnert am ehesten an einen Weltraumwestern. Es gibt einen 20-minütigen atemberaubenden Zugüberfall, diverse Verfolgungsjagden und Ballerszenen.

Wie all das gelingen würde, daran hatte es im Vorfeld trotzdem Zweifel gegeben: Ron Howard („The Da Vinci Code“), mehr ein Routinier als ein inspirierter Kopf, war bereits der dritte Regisseur in diesem Projekt. Beim Heldendesign kann man viel falsch machen, und offenkundig hatten die Controller Hollywoods in diesem Fall einiges Muffensausen.

Das Ergebnis ist ein Han Solo, der wie ein jugendlicher Filmheld im 08/15-Format daherkommt: romantisch, naiv, unbekümmert, ganz ohne den an Humphrey Bogart erinnernden abgebrühten Zynismus, den Harrison Ford auf die Leinwand brachte. Es ist auch ein Film, der am Ende nicht alle losen Fäden aufnimmt und der in heute üblicher Blockbuster-Manier eigentlich gar nicht zu Ende geht, sondern gleich drei Cliffhänger errichtet, von denen aus sich die Story fortsetzen lässt. Die Geschichte Hans und Chewbaccas ist darunter die uninteressanteste, denn man weiß, dass sie irgendwann auf Luke und Leia treffen werden, und dass es dann erst richtig losgeht.

Viel spannender sind dagegen die Rebellen auf dem Wüstenplanet, der Söldner Lando Clarissian und natürlich Qi’ra, die ungekrönte Königin dieses neuen Star-Wars-Universums.

Solo: A Star Wars Story. Regie: Ron Howard. Mit Alden Ehrenreich, Donald Glover, Emilia Clarke. USA 2018. 135 Minuten. FSK ab 12.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen