Filmkritik: „Destroyer“ mit Nicole Kidman

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Gleich erkannt? Nicole Kidman als Erin Bell in einer Szene des Films „Destroyer“.
Gleich erkannt? Nicole Kidman als Erin Bell in einer Szene des Films „Destroyer“. (Foto: dpa-)
Stefan Rother

Ein Cop am Rande des Nervenzusammenbruchs: Körperlich am Ende, zu viel Alkohol, von der Tochter entfremdet, von einem vor vielen Jahren katastrophal verlaufenen Einsatz traumatisiert. Klar, dass man es da mit den Vorschriften nicht mehr so genau nimmt und auf eigene Faust für Gerechtigkeit sorgen will.

Solche Figuren gab es schon oft auf der Leinwand zu sehen – allerdings nicht mit einer Frau in der Hauptrolle. Noch größer ist die Überraschung, wenn man die Besetzungsliste sieht, denn gespielt wird die gebrochene Polizistin von Nicole Kidman, die gerade noch in „Aquaman“ als ehrwürdige Unterwasser-königin durch Atlantis plätscherte. Von soviel Eleganz ist ihre Erin Bell in „Destroyer“ weit entfernt, denn statt blaublütig ist sie hier nur blau. Dürr und schwankend nähert sie sich zu Filmbeginn dem Tatort eines Verbrechens, die Kollegen sind alles andere als begeistert. Als sie die Leiche erblickt, hat diese einen klaren Bezug zur quälenden Vergangenheit der Polizistin. In den folgenden zwei Stunden begleitet man dann Erin bei ihrem Versuch, ein vor 17 Jahren geschehenes Unrecht zu rächen und sich ihren eigenen Dämonen zu stellen.

Mut zur Hässlichkeit

„Kidman mit Mut zur Hässlichkeit“, auf diesen Aspekt konzentriert sich die Werbekampagne zum Film vielleicht ein Stück zu stark. Auch die Kamera verharrt gerne lange auf dem ausgemergelten und blass geschminkten Gesicht der Australierin. Das wirkt wie etwas bemühtes Streben nach einem Oscar im Stile von Charlize Therons Verwandlung in „Monster“. Zwar reichte es dann „nur“ für einen „Golden Globe“ als beste Hauptdarstellerin. Für das eigentliche Filmerlebnis ist all das Drumherum aber unerheblich: Denn die 51-Jährige geht voll in ihrer Rolle auf, und die Geschichte zieht den Zuschauer zunehmend in ihren Bann.

Erzählt wird in zwei Zeitebenen – neben den aktuellen Ermittlungen erfährt man nach und nach die Vorgeschichte. In der wird eine junge Erin, ebenfalls von Kidman in recht überzeugendem Make-up gespielt, als verdeckte Ermittlerin in eine Bande von Drogendealern und Bankräubern eingeschleust. Mit ihrem Polizei-Partner Chris (Sebastian Stan) spielt sie zunächst ein Pärchen, bald wird daraus jedoch eine richtige Beziehung. Dann läuft bei einem Banküberfall allerdings etwas schief, und der fiese Bandenboss Silas (Toby Kebbell) entkommt – um sich dann 17 Jahre später wieder zurück zu melden.

Um die Sache zu Ende zu bringen, sucht Erin in der aktuellen Zeitebene die einstigen Bandenmitglieder auf und geht dabei recht robust zur Sache. Bei ihrer entfremdeten Teenager-Tochter Shelby (Jade Pettyjohn) dringt die Polizistin mit ihren Erziehungsversuchen dagegen nicht durch. Obwohl Los Angeles schon als Szenerie für unzählige vergleichbare Filme gedient hat, setzt Regisseurin Karyn Kusama („Jennifer’s Body“) die Stadt stimmungsvoll in Szene und baut insbesondere bei der Inszenierung zweier Banküberfälle Spannung auf. Und mit einem gelungen Twist am Ende setzt ihre weibliche Hauptfigur dann nochmal einen eigenen Akzent im düsteren Thriller-Genre.

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