Filmfestival Locarno mit deutscher Frauen-Power

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Filmfestival Locarno
Die deutsche Regisseurin Sandra Nettelbeck 2013 in Locarno. (Foto: Urs Flueeler / DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Peter Claus

Der deutsche Spielfilm „Wintermärchen“ wird im Wettbewerb des 71. Internationalen Filmfestivals von Locarno seine Weltpremiere feiern. Der von Jan Bonny inszenierte Spielfilm um junge Rechtsextreme wurde von der Kölner Produzentin Bettina Brokemper realisiert, die durch ihren Mut zu ungewöhnlichen Filmprojekten wie die freizügige Erotik-Studie „Wild“ bekannt wurde.

Das provokante Anti-Terrorismus-Drama „Wintermärchen“ gilt schon vorab als einer der ungewöhnlichsten Beiträge des schweizerischen Festivals vom 1. bis 11. August in Locarno. „Wintermärchen“ bewirbt sich neben 14 anderen Filmen aus aller Welt um den Hauptpreis, den Goldenen Leoparden.

Sandra Nettelbeck („Bella Martha“) hat Aussicht, mit „Was uns nicht umbringt“ den begehrten Publikumspreis zu gewinnen. Die deutsche Autorin und Regisseurin erzählt in ihrer mit Schauspielern wie Johanna Ter Steege, Barbara Auer, Sophie Rois und August Zirner prominent besetzten Tragikomödie die Geschichte eines Psychotherapeuten in einer Lebenskrise. Nettelbeck und ihre Hauptdarsteller werden den Film außerhalb des Wettbewerbs auf der Piazza Grande von Locarno präsentieren. Die Freiluftaufführungen dort für allnächtlich etwa 8000 Zuschauer zählen zu den Höhepunkten des Festivals am schweizerischen Ufer des Lago Maggiore.

Aus Deutschland kommt auch die Nachwuchsregisseurin Eva Trobisch. Sie bewirbt sich mit ihrem Spielfilm-Debüt „Alles ist gut“ um einen der Preise in der Sektion „Cineasti del presente“ („Filmemacher der Gegenwart“). Das Drama um die Folgen der Vergewaltigung einer jungen Frau hat gerade erst beim Münchner Filmfest große Aufmerksamkeit und zwei wichtige Ehrungen errungen.

In seiner 71. Ausgabe zeigt das Filmfestival Locarno in verschiedenen Reihen und Sektionen mehr als 200 Filme. Carlo Chatrian, künstlerischer Leiter des Festivals und künftiger Berlinale-Chef, setzt auf Filme, die sich „auf persönliche Geschichten konzentrieren“, wie er bei der Präsentation des Programms am Mittwoch in Bern betonte. „Die großen Konflikte unserer Welt rücken in den Hintergrund, doch bleibt die Gegenwart ein Donnergrollen.“

Diesem „Donnergrollen“ will Locarno in diesem Jahr mit der Kraft des Lachens begegnen. So eröffnet das Festival neben dem französischen Spielfilm „Les beaux esprit“ (Regie: Vianney Lebasque) mit der 1929 uraufgeführten Kurzfilm-Komödie „Liberty“ mit Stan Laurel und Oliver Hardy. Inszeniert hat den Film Leo McCarey. Dem Hollywood-Regiestar der 1930er, 40er und 50 Jahre ist auch die diesjährige Retrospektive gewidmet.

Chatrian versprach eine Festival-Ausgabe, „die leichter und freier sein will“. In diesem Jahr dürfe in Locarno viel gelacht werden. Augenscheinlich will Chatrian noch einmal nachhaltig beweisen, wie gut er Anspruch und Unterhaltung miteinander verknüpfen kann. Dies hat schließlich entscheidend dazu beigetragen, dass ihm für die Zukunft die künstlerische Leitung der Berlinale angetragen wurde.

Neben der von German Films, der Auslandvertretung der deutschen Filmwirtschaft, kommenden Mariette Rissenbeek als Direktorin wird Chatrian die Berlinale ab der Ausgabe 2020 leiten. Allerdings will er sich, wie er betont hat, zuvor hundertprozentig auf sein letztes Filmfestival in Locarno konzentrieren.

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