Film: „Der Honiggarten“

Lesedauer: 4 Min
Holliday Grainger (rechts) und Anna Paquin spielen zwei Frauen, die mehr als nur Freundschaft füreinander empfinden.
Holliday Grainger (rechts) und Anna Paquin spielen zwei Frauen, die mehr als nur Freundschaft füreinander empfinden. (Foto: dpa)
Stefan Rother

Eine unerwartete Liebe, die gegen Konventionen verstößt: Mit dieser Handlung verspricht der „Honiggarten“ ein anrührendes Drama aus einer noch nicht allzu lange vergangenen Zeit. Auf dieser Ebene kann der im Schottland der frühen 1950er-Jahre angesiedelte Film auch überzeugen – nur die Sache mit den Bienen wäre vielleicht nicht nötig gewesen.

Dabei sind es die gefährdeten Insekten, die die Geschichte ins Rollen bringen. Denn sie wecken das Interesse des jungen Charlie (Gregor Selkirk), als er nach einer Schulhof-schlägerei in die Praxis der Ärztin Jean Markham (Anna Paquin) kommt. Diese hatte den kleinen schottischen Ort einst fluchtartig verlassen, ist nun aber zurückgekehrt, um die Praxis ihres verstorbenen Vaters fortzuführen – und zu der gehört auch ein Garten mit mehreren Bienenstöcken.

Über Charlie lernt Jean bald auch dessen alleinerziehende Mutter Lydia (Holliday Grainger) kennen. Die lebenslustige Frau wurde von ihrem Ehemann verlassen und kann mit ihrer Arbeit in der Textilfabrik nun kaum noch die Miete bezahlen. Da ihr Sohn unter der Trennung leidet, führt ihn die mitfühlende Jean in die Welt der Bienen ein, denen er auch jederzeit seine Geheimnisse und Sorgen erzählen könne. Auch mit Lydia freundet sich die Ärztin an, und als diese ihren Job in der Fabrik verliert, bietet sie ihr an, samt Charlie bei ihr einzuziehen. Doch alsbald wird in der missgünstigen Kleinstadt über das enge Verhältnis der beiden Frauen getratscht.

Die langsame Annäherung von Lydia und Jean zählt zu den gelungensten Aspekten des Films, was auch den beiden herausragenden Darstellerinnen zu verdanken ist: Paquin begeisterte schon mit zehn Jahren als Tochter der Hauptfigur in „Das Piano“, Grainger kennt man aus der Fernsehserie „Die Borgias“. Man kann gut nachvollziehen, wie sich die beiden Frauen angesichts der grauen Realität der Kleinstadt und ihrer Bewohner zueinander hingezogen fühlen. Weniger überzeugend besetzt und entwickelt ist hingegen die Figur des Sohnes, der zudem für eine fragwürdige Wendung im letzten Drittel verantwortlich ist. Darüber hinaus gibt es in dem zuvor angenehm ruhig erzählten Film einen schroffen Wechsel der Atmosphäre. Und auch der Schluss wurde gegenüber der Romanvorlage („Tell It to The Bees“ von Fiona Shaw) verändert.

Ob diese Sprunghaftigkeit eine Entscheidung von Regisseurin Annabel Jankel war? Diese hat eine bewegte Karriere hinter sich, die von progressiven Musikvideos über die Erschaffung der Kunstfigur „Max Headroom“ bis hin zum gefloppten „Super Mario Bros.“-Film reicht. Trotz dieses eher grellbunten Schaffenskatalogs gelingt es Jankel anfangs, die Geschichte stimmungsvoll in Szene zu setzen. So kann an dem Film durchaus einiges gefallen, man muss dafür bereit sein, die Misstöne zum Ende hin auszublenden.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen