Ethnologisches Museum Berlin gibt Grabmasken nach Alaska zurück

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 Vier der insgesamt neun Grabbeigaben, die Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, an John Johnson,
Vier der insgesamt neun Grabbeigaben, die Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, an John Johnson, Vizepräsident der Chugach Alaska Corporation, übergeben hat. (Foto: dpa)

Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz hat neun Grabbeigaben aus Holz an die Chugach Alaska Corporation zurückgegeben. Die Stücke, darunter zwei Masken und eine Kinderwiege, hatten sich im Fundus des Ethnologischen Museums der Staatlichen Museen zu Berlin befunden.

„Die Objekte wurden damals unrechtmäßig aus Gräbern entnommen“, sagte Stiftungspräsident Hermann Parzinger bei der Übergabe an John Johnson von der Chugach Alaska Corporation. Ursprünglich lagen sie als Beigaben in Gräbern auf Chenega Island und im heute unbekannten Ort Sanradna in Kachemak Bay, Alaska. Ihr Alter ist bisher nicht bestimmt. Nach Angaben der Kulturbesitz-Stiftung sollten einige der Gegenstände die Menschen vor Gefahr und Tod beschützen.

Den Weg nach Europa fanden sie in den Schiffen des Norwegers Johan Adrian Jacobsen, der Ende des 19. Jahrhunderts im Auftrag des Königlichen Museums für Völkerkunde Alaska bereiste und rund 3000 Einzelstücke nach Berlin brachte.

Heute, so Parzinger, deute alles daraufhin, dass die neun Gegenstände aus einer Grabplünderung stammen. Aus den Reisetagebüchern Jacobsens gehe hervor, dass die Gräber geöffnet wurden, um die spirituellen Beigaben zu entnehmen. „In Prinz Williamssund bot sich mir zu meiner freudigen Überraschung eine willkommene Gelegenheit dar, Überreste und Reliquien aus alter Zeit kennenzulernen“, notierte der Kapitän am 27. Juli 1883 angesichts des Fundes der beiden Masken. „Sie gehören deshalb nicht in unsere Museen“, stellte Parzinger bei der Übergabe fest. Auf Berliner Seite herrsche keine Trauer vor angesichts des Verlusts. Vielmehr sei die Rückgabe eine Etappe in der Zusammenarbeit mit der Chugach Alaska Corporation. Die gelte es, in den kommenden Jahren noch auszubauen.

Sichtlich erfreut zeigte sich der extra aus Alaska angereiste John Johnson beim Empfang der Kultgegenstände: „Ich bin stolz und auch sehr dankbar für all die Bemühungen, die diesen Traum wahr werden ließen.“ Er selbst war im Rahmen seiner Forschungsarbeiten 2015 auf den Fundus in Berlin gestoßen und hatte gemeinsam mit indigenen Vertretern um Rückgabe gebeten. 2017 fiel die Entscheidung zum Transfer in die Heimat. Möglich gemacht hatten ihn eine Zusammenarbeit der Stiftung mit dem Auswärtigen Amt und der US-Botschaft in Berlin. „Die alten eurozentristischen Motive bei den Provenienzen können nicht mehr gelten“, begründete Christina Haak, Stellvertretende Generaldirektorin der Staatlichen Museen zu Berlin, den Schritt.

Neue alte Heimat

Künftig sollen die Masken und Kultgegenstände in den Gemeinden der Chugach Community präsentiert werden. Wie genau das aussehen wird, ist allerdings noch nicht klar. John Johnson: „Das ist der Gemeinschaft selbst überlassen, vor Ort gibt es auch Ausstellungsmöglichkeiten.“ Eine Rückkehr in die Gräber sei angesichts drohender weiterer Grabplünderungen unwahrscheinlich.

Auch nach der Heimkehr der Grabbeigaben bleibt das Berliner Museum im Besitz zahlreicher weiterer Chugach-Gegenstände. Insgesamt umfasst die Sammlung rund 200 Gegenstände aus der Region. Lediglich für die neun hatte die Gemeinschaft um Rückgabe gebeten.

Eine gemeinsame Wanderausstellung beider Seiten für das Humboldt-Forum ist für die Zukunft angedacht. Sie soll sowohl in Deutschland, als auch in Alaska zu sehen sein.

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