Erster Weltkrieg in Asien

Lesedauer: 4 Min
Das Foto zeigt die Landung japanischer Truppen 1914 in der deutschen Kolonie Tsingtau.
Das Foto zeigt die Landung japanischer Truppen 1914 in der deutschen Kolonie Tsingtau. (Foto: imago Imagies)
Reinhold Mann

Große Hoffnungen setzten auch die Menschen in Asien auf den Waffenstillstand in Europa. In China, das im März 1917 auf Seiten der Alliierten in den Krieg eingetreten war und 140 000 „Arbeiter als Soldaten“ nach Frankreich schickte, feierte eine Menschenmenge in Peking das Kriegsende. Man sah eine Chance, dass das Land seine politische Selbstständigkeit zurückgewinnt. China wollte bei einer Friedenskonferenz als gleichberechtigter Partner der Kolonialmächte England, Frankreich und USA anerkannt werden.

Japanische Truppen für den Balkan

Japan war seit Kriegsbeginn 1914 Partner der Alliierten. Es kämpfte darum, die Vormacht der Region zu sein. Dass China dann auch an der Seite der Alliierten in den Krieg eintrat, war, wie Leonhard zeigt, ein Bestreben der japanischen Außenpolitik. Als erste Kriegshandlung belagerte die japanische Marine im August die Kolonie Tsingtau, die das Deutsche Reich als Flottenstützpunkt von China gepachtet hatte. Im November erfolgte die Einnahme. Damit hatte chinesisches Gebiet besetzt. Der schnelle Erfolg signalisierte den Alliierten eine starke militärische Partnerschaft. Frankreich forderte dann auch Kriegskredite und 500 000 japanische Soldaten für den Balkan. England beorderte 13 japanische Kriegsschiffe ins Mittelmeer und Marineeinheiten zur Begleitung militärischer Transporte im indischen und pazifischen Ozean. Die USA forderten 1918 japanische Eskorten für ihre Truppentransporte im Atlantik.

Das Deutsche Reich hatte sich vergeblich um einen Separatfrieden bemüht. Im Russischen Bürgerkrieg 1918 intervenierte Japan im Interesse seiner kolonialen Erweiterung und kämpfte für ein unabhängiges Sibirien. 70 000 Soldaten waren hier im Einsatz. Die japanische Industrie profitierte sehr stark vom Krieg, während die Landwirtschaft in eine Krise geriet. So kam es auch in Japan 1918 zu Unruhen wegen Preissteigerungen und Lebensmittelknappheit.

Skepsis gegenüber Wilson

Unter den Zitaten, die Jörn Leonhards Darstellung des Ersten Weltkriegs in Asien abrunden, gehört die bemerkenswerte Einschätzung eines Diplomaten, der Mitglied der japanischen Delegation für die Friedensverhandlungen in Versailles war. Konoe Fumimaro, der später selbst Ministerpräsident wurde, warnte die Japaner vor jener Naivität, mit der in Japan wie in China, aber auch im Deutschen und im Habsburgerreich die Friedenskonzepte des US-Präsidenten Wilson begrüßt wurden. In einem Zeitungsartikel schrieb Fumimaro: „Japanische Meinungsführer sind so begeistert von den spektakulären Ankündigungen, dass sie nicht wahrnehmen, wie demokratische und humanitäre Werte, die anglo-amerikanische Politiker vorschlagen, als Maske für ihren Eigennutz dienen“. (man)

Mehr zum Thema
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen