Endlich wieder tanzen mit Franz Ferdinand

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Haben Bestand über den Hype hinaus: Franz Ferdinand aus Glasgow.
Haben Bestand über den Hype hinaus: Franz Ferdinand aus Glasgow. (Foto: pr)
Daniel Drescher

Franz Ferdinand zählten in den Nullerjahren neben Maximo Park, Bloc Party und den Arctic Monkeys zu den bedeutendsten britischen Indierock-Bands. Jetzt liefern sie mit „Always Ascending“ ein euphorisches Spätwerk ab.

Will man als Band relevant bleiben, hat man zwei Optionen: Entweder man erfindet sich ständig neu und experimentiert mit ungewohnten Sounds. Dabei verliert man zwar sicher den ein oder anderen Fan der ersten Stunde, gewinnt aber gerade dadurch erst viele neue dazu. Oder man etabliert einen derartig unverwechselbaren Sound, dass sich die Fans auch an der x-ten Neuauflage nicht stören.

Franz Ferdinand gehörten Mitte der Nullerjahre zu den vier wichtigsten britischen Bands, die tanzbaren Indierock fabrizierten: Neben ihren waren die Alben von Maximo Park, Bloc Party und den Arctic Monkeys damals bahnbrechend. Maximo Park ließen nach dem Hype qualitativ nach, Bloc Party verloren die Orientierung. Die Arctic Monkeys wandten sich vom explosiv-ruppigen Sound des Debüts ab und fanden mit Josh Homme von den Queens of the Stone Age zu einem neuen Klangbild.

Franz Ferdinand zeigen nun mit ihrem fünften Studioalbum „Always Ascending“, dass es keine radikale Abkehr vom charakteristischen Sound braucht, um auch 14 Jahre nach dem Debüt noch mit ungebremster Euphorie und starken Songs beeindrucken zu können.

Der Opener ist gleichzeitig der Titelsong und zeigt, was sich nach dem Ausstieg von Gitarrist Nick McCarthy getan hat: Pianoklänge des neuen Keyboarders Julian Corrie hallen durch die Lautsprecher, nach einem schwebenden Intro mischen sich pluckernde Elektronikimpulse ins Bild, der Song nimmt Fahrt auf. Wie gemacht für die großen Festivalbühnen. Man kann die pulsierenden Lichtorgeln und das auf und ab hüpfende Publikum sehen, wenn man die Augen schließt und sich dem nach wie vor verführerischen Sound der Band hingibt. Sänger und Gitarrist Alex Kapranos und seine Band waren schon immer so etwas wie die Anwälte des nächtlichen Hedonismus, und das ändert sich auch 2018 nicht.

„Lazy Boy“ wirft sich mit einem an den Kiss-Hit „ I Was Made for Lovin' You“ erinnernden Bassintro ins verschwitzte Nachtleben, und wenn „Paper Cages“ dann ein wenig das Tempo drosselt, bleibt es immer noch tanzflächenkompatibel. Mit „Academy Award“ gibt es eine kurze Verschnaufpause, das Stück steht in der Tradition von weniger discohaften Kompositionen der Marke „Eleanor Put Your Boots on“. Die Textzeile „The Academy Award for Good Times Goes to You“ hakt sich hartnäckig im Hirn fest.

Die Nostalgie der 80er-Jahre

Einer der besten Momente ist „Lois Lane“, bei dem sich exemplarisch die Vorliebe der Band für Wave-Sounds der 80er-Jahre zeigt. Da steckt eine nostalgisch kreiselnde Melodie drin, die Neonfarben und Schulterpolster beschwört. Auch beim gleißenden „Glimpse of Love“ beschleicht einen dieses Gefühl. Nun ist 80er-Nostalgie derzeit nichts Ungewöhnliches. Der Mystery-Serienhit „Stranger Things“ spielt ebenso mit Reminiszenzen an die Dekade der Dekadenz wie die Neuverfilmung von Stephen Kings „Es“.

Franz Ferdinand gelingt allerdings der Spagat, einerseits die Vergangenheit aufblitzen zu lassen, diese Einflüsse aber in einen Sound einzubetten, der futuristisch klingt, obwohl er im schnelllebigen Musikbusiness eigentlich selbst schon nostalgisch wirken müsste. Wenn Alex Kapranos Textzeilen wie „Why Don't You Come Over Here“ singt („Feel The Love Go“), fühlt sich das an, als ob kein Tag seit dem Debüt vergangen sei. Die Stücke auf „Always Ascending“ hätten so auch auf früheren Veröffentlichungen des Quintetts aus Glasgow stehen können. Was aber nicht heißen soll, dass künstlerischer Stillstand herrscht. Im Gegenteil, neben Neu-Keyboarder Corrie setzt auch der neue Gitarrist Dino Bardot eigene Akzente.

Aufgenommen wurden die zehn Songs in London und Paris mithilfe des französischen Musikers und Produzenten Philippe Zdar, der in der Vergangenheit schon Bands wie Phoenix und The Beastie Boys produziert hat.

Auch auf „Right Thoughts, Right Words, Right Action“ von 2013 zeigten Franz Ferdinand bereits, dass sie keine Band sind, die nur inmitten eines Hypes liefert. „Always Ascending“ allerdings hat nun das Zeug zum neuen Referenzalbum. Endlich wieder tanzen!

Am Sonntag, 11. März, tritt die Band im Schweizer Zürich in der Halle 622 auf. Am Montag, 12. März, ist die Band in der Tonhalle München zu Gast. Beim Southside-Festival, das vom 22. bis 24. Juni in Neuhausen ob Eck steigt, sind Franz Ferdinand neben The Prodigy, Arctic Monkeys, George Ezra, Donots, Wanda, Broilers, Brian Fallon und Eskei83 vertreten. Infos und Tickets unter www.southside.de.

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