Dodokay: „Koin Schwob aus Überzeugung“

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"Die Welt auf Schwäbisch"
Schwäbische Zeitung

Dominik Kuhn alias Dodokay bringt Barack Obama und Darth Vader Schwäbisch bei, mit seinem Comedy-Programm füllt er Stadien. In Leutkirch hat der 46-Jährige verraten, warum er vorerst keine neuen Fan-Synchros plant - und warum ihm Sendungsbewusstsein fremd ist.

Schwaben haben es nicht leicht. Als Ingenieure sind sie weltweit gefragt, als Botschafter schwäbischer Sekundärtugenden eher weniger: Von der Bohème in Hamburg und Berlin als Verursacher von Mietwucher und hysterischer Mülltrennung geächtet, landen die Schwaben in Dialekt-Rankings regelmäßig auf den hinteren Plätzen. Nur Sächsisch, die Dichtersprache Goethes, findet man nördlich des Spätzleäquators noch unsympathischer. „Der Schwabe ist der Dorftrottel der Nation“ – sagt der Reutlinger Mundart-Comedian Dominik Kuhn alias Dodokay. Ob und wie sich diese Ungerechtigkeit mit Youtube-Videos bekämpfen lässt, erfuhren die Zuschauer beim „Talk im Bock“ in Leutkirch. Natürlich auf Schwäbisch.

Kein Schwabe aus Überzeugung

Wäre das Reich der Stauferkaiser nicht untergegangen – wer weiß, vielleicht wäre Schwäbisch heute die Nationalsprache. Es ist anders gekommen, und selbst ein Comedian mit 35000 Facebook-Fans und eigener Fernsehserie kann daran nichts mehr ändern. Will er auch gar nicht, gesteht Kuhn im Bocksaal: „I bin koin Schwob aus Überzeugung.“ Wie jemand stolz sein könne, Schwabe zu sein, sei ihm schleierhaft. „I hätt genauso in Papua-Neuguinea geboren worden sei könne“, sagt der 46-Jährige. Sendungsbewusstsein sei ihm fremd.

Darth Vader spricht Schwäbisch

In seinen Youtube-Videos, in denen er Darth Vader oder Barack Obama auf Schwäbisch über die Kehrwoche parlieren lässt, erschließt sich das vielen Zuschauern erst auf den zweiten Blick. Dort ist zunächst Dodokay selbst zu sehen: Mit strenger Miene, Pilotenbrille und einem Baden(!)-Württemberg-Wappen auf der Baseballkappe. Im Hintergrund läuft eine feierlich orchestrierte Version von „Auf de Schwäb’sche Eisenbahne“. „Auf derer Welt schwätzet viel zu viel Leit in irgendner odeutliche Sprach“, raunt eine dunkle Bruce-Willis-Stimme aus dem Off, „wird Zeit, dass da mol oiner eigreift“. Es folgen synchronisierte Parlamentsdebatten, wo es nicht um Auslandseinsätze der Bundeswehr geht, sondern darum, ob beim diesjährigen Frühlingsfest des SV Leimerstetten erstmals nur gelber Sprudel statt Spezi ausgeschenkt wird. Der Titel des Formats: „Die Welt auf Schwäbisch“.

Die Fan-Synchros von Dodokay - SV 49

Wären das die Probleme der Welt, hätten die Staufer bis heute überlebt? Die Deutschen jedenfalls finden Dodokays schwäbische Fiktion einer beschaulichen, aber auch irgendwie piefigen Welt witzig: Kuhn tritt inzwischen vor Tausenden Zuschauern auf, seine Videos werden millionenfach geklickt – gerade weil es ihm eben nicht nur um die Selbstvergewisserung seines Publikums geht. Kuhns (Selbst-)Ironie geht über ein bloßes „seht her, so sind wir und das ist auch gut so“ hinaus; seine Videos wirken, als wolle er sagen: „Seht her, so sind wir – und das ist im Jahr 2016 irgendwie ein bisschen albern.“

Obama empört sich über Fahrräder im Hausgang

Warum das so gut funktioniert? Kuhn erklärt es sich mit der „doppelten Fallhöhe“ seiner Videos: In der synchronisierten Berliner Rede von Barack Obama zum Beispiel geht es inhaltlich zunächst einmal um „Scheißdreck“: Obama stellt sich Tausenden jubelnden Berlinern als Chef der „Eigentümerversammlung der Wilhelmstraße 48“ vor. Statt Terrorismus bekämpft er illegal im Gang abgestellte „roschdige Gebbl mit granatemäßig dreckige Reife“ – in Mundart. Die Realität im Szenekiez sieht freilich anders aus: Dort begleitet man die freundliche Übernahme der Schwaben schon mal mit nicht ganz ernst gemeinten Spätzle-Anschlägen. Ein Konflikt über den sich auch andere Comedians wie „Prenzlschwäbin“ Bärbel Stolz lustig machen.

Die Fan-Synchros von Dodokay - Obama

Vorerst keine neuen Fan-Synchros

Wegen Urheberrechtsstreitigkeiten hat Kuhn die Produktion von schwäbischen Synchronisationen inzwischen weitgehend zurückgefahren. Nach einem Burnout 2009 will er sich zudem ganz auf drei Kernkompetenzen konzentrieren: Musik, Film und Comedy-Show. Ob das gelingt, oder „Schwäbisch sein Schicksal bleibt“, wie Moderator Andreas Müller am Ende resümierte, zeigt sich spätestens 2017. Dann soll Kuhns erster Film in die Kinos kommen. Die Besonderheit: Die Protagonisten, Heavy-Metal-Fans auf dem Weg nach Wacken, können so ziemlich alles, außer Schwäbisch.

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