Die Fakten zur Fiktion

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 Turin 1956: Der Jungingenieur Alexander (Christoph Letkowski) ist vom Zauber seiner Dolmetscherin Giulietta Marconi (Silvia Bus
Turin 1956: Der Jungingenieur Alexander (Christoph Letkowski) ist vom Zauber seiner Dolmetscherin Giulietta Marconi (Silvia Busuioc) gefangen. (Foto: Walter Wehner)

In ihrer Dokumentation zum Spielfilm blickt Heike Nelsen auf die historischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen der deutsch-italienischen Beziehungen zurück. Ein großes Thema ist dabei die Anwerbung von Arbeitern für das Wirtschaftswunderland. Nach Abschluss des ersten Anwerbeabkommens 1955 mit Italien kamen schnell die ersten Zuwanderer. Ihre Ziele lagen vor allem in Bayern, Baden-Württemberg und im Ruhrgebiet. Die Autorin unterlegt die Daten und Fakten mit historischen Aufnahmen von den ersten Gesundheitsuntersuchungen in Verona bis zu den primitiven Barackenunterkünften in Deutschland.

Der Start war hart, aber einige der frühen Zuwanderer haben auch Erfolgsgeschichten geschrieben. Wie Michele di Gennaro und sein Bruder. Sie waren in den 1950ern als Maurer nach Stuttgart gekommen, heute gehört ihnen eines der größten Importgeschäfte für italienische Feinkost. Interviewt wird unter anderem auch der ehemalige Fußballprofi Raffael Tonello, Angehöriger der zweiten Einwanderer-Generation, der als erster Italiener in der Bundesliga spielte. Aus Italien kam aber auch die erschwingliche Knutschkugel „Isetta“, die von BMW erfolgreich nachgebaut wurde und damit die Autofirma sanierte.

Heute leben insgesamt 859 000 Personen mit italienischen Wurzeln in Deutschland. Und wenn sich derzeit eine gewisse Europamüdigkeit breitmacht, sollte man die Aufnahmen von der Unterzeichnung der römischen Verträge auf sich wirken lassen, die 1957 die Voraussetzungen für den europäischen Wirtschaftsraum schufen.

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