Deutscher Thriller: „Steig. Nicht. Aus!“

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Karl (Wotan Wilke Möhring) wird erpresst.
Karl (Wotan Wilke Möhring) wird erpresst. (Foto: dpa)
Schwäbische Zeitung
Matthias von Viereck

Vor 13 Jahren macht ein junger deutscher Regisseur mit einem Thriller auf sich aufmerksam: „Antikörper“ feiert seine Premiere in New York, es gibt positive Kritiken für Christian Alvarts Film, in dem Wotan Wilke Möhring eine der Hauptrollen spielt. Jetzt haben Alvart und Möhring erneut zusammen einen Thriller gedreht: Bei „Steig. Nicht. Aus!“ handelt es sich um die Adaption eines spanischen Films von 2015 („Anrufer unbekannt“).

Vielleicht ist es kein gutes Omen, wenn der Hochzeitstag der 1. April ist: Karl Brendt (Möhring) jedenfalls, erfolgreich im Einsatz für ein Immobilienunternehmen, landet bei dräuendem Gewitter in Berlin-Tegel. Schnell geht’s zur Familie, eigentlich will er seiner Frau (Christiane Paul) zum Jubiläum gratulieren. Die aber ist im Dauerstress, hat den 15. Hochzeitstag komplett vergessen. Stattdessen bringt Brendt den Nachwuchs zur Schule. Auf der Stadtautobahn ereilt ihn ein seltsamer Anruf: „Deine Kinder und du, ihr sitzt auf einer Bombe!“ Der Unbekannte droht, das Auto mit dem unterm Sitz versteckten Sprengsatz in die Luft zu jagen, sollte Karl versuchen, auszusteigen. Doch damit nicht genug: Vom Auto aus soll er 67 000 Euro in bar besorgen. Und zudem 400 000 Euro auf ein Offshore-Konto überweisen.

Eine schier unlösbare Aufgabe, und das selbst für einen so abgebrühten Geschäftskerl wie Karl Brendt. Als ihn seine Ehefrau Simone zudem verdächtigt, die gemeinsamen Kinder entführt zu haben, nimmt die Polizei die Verfolgung von Karl auf. Es kommt zu einem wahnwitzigen Wettlauf gegen die Zeit.

Wotan Wilke Möhring gibt eine beeindruckende und nur zuweilen überengagierte Vorstellung. Wenn man von einigen, kaum glaubhaften Eckpfeilern im Drehbuch absieht, handelt es sich bei „Steig. Nicht. Aus!“ um das ergreifende Psychogramm eines Mannes in einer Lebenskrise. Der Thriller hat aber einen noch größeren Horizont: Es geht auch um eine Stadt im Umbruch. Um den heißgelaufenen Immobilienmarkt Berlins, um die Gegensätze zwischen Reich und Arm. Und es geht um einen Selbstmord, an dem Karl Mitschuld trägt. (dpa)

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