Deutsche Musik: Mehr als Rammstein und Kraftwerk

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Unsere Autorin findet, dass die Texte von Tocotronic nahe an Poesie herankommen.
Unsere Autorin findet, dass die Texte von Tocotronic nahe an Poesie herankommen. (Foto: Michael Petersohn)
Darija Schamonowa

Gibt es noch Musik, die sich Darija Schamonowa unbedingt anhören sollte? Tipps gerne per E-Mail an

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Ich heiße Darija und komme aus Russland. Jedes Mal, wenn ich in meiner Heimat erzähle, dass ich mich für deutsche Musik interessiere, bekomme ich dieselbe Frage zu hören: „Deutsche Musik? Sprichst du von Rammstein?“. In den besten Fällen lautet die Frage noch „Sprichst du von Kraftwerk?“ Aber im Allgemeinen sind die Vorstellungen von der deutschen Musik im Ausland ziemlich stereotyp: In Deutschland gibt es keine Musikindustrie („Wenn es anders wäre, dann würden wir natürlich mehr deutsche Bands kennen“) und alles, was es dort gibt, ist sehr rocklastig und unmodern. Als leidenschaftliche Musikhörerin sehe ich das natürlich anders und möchte gerne von vier Merkmalen erzählen, die die deutsche Musik für mich besonderes machen.

Der Fokus auf die Texte

Es war eine Überraschung für mich, dass fast in jedem deutschen Song der Text eine große Rolle spielt. Es ist egal, vom welchen Musikstil man redet – der Text wird sowieso spannend. Das bringt zum Beispiel Lieder von AnnenMayKantereit und Tocotronic der Poesie näher, was in der Zeit kommerzieller Musik sehr selten und wunderschön ist.

Der Erfolg von Rap

Eine logische Folge des vorigen Merkmals ist die Popularität der Rapmusik: Hier ist der Text selbst das wichtigste Musikinstrument. Die Rap-Szene, die in Deutschland als Untergrundbewegung entstanden ist, hat sich in sehr unterschiedliche Richtungen entwickelt. Es gibt Battle-Rap, Hipster-Rap und vieles ist einfach auch Mainstream. Mir gefallen zum Beispiel Fettes Brot und Casper.

Der Bezug zur Muttersprache

Es ist auch ziemlich interessant, dass die Musiker ihre Songs auf Deutsch schreiben: Indie- und Pop-Künstler aus vielen Länder setzen ja oftmals auf Englisch, weil sie danach streben, überall in der Welt bekannt zu werden. Klar gab und gibt es diese Tendenz auch in Deutschland, deswegen kann ich mich an Bands wie No Angels erinnern, obwohl ich aus Russland komme. Aber seit der Neuen Deutschen Welle der 80er-Jahre scheint, es als wäre Deutsch von Jahr zu Jahr wichtiger geworden – sogar in der kommerziellen Popbranche um Sänger wie Max Giesinger.

Die Liebe zur Livemusik

Was mir besonders gefällt, ist die Liebe zu Livemusik: Die Musiker treten in großer Regelmäßigkeit auf und spielen oft ausverkaufte Konzerte. Außerdem veröffentlichen viele Künstler nicht nur normale Studioalben, sondern auch Live-Alben. Mir gefallen zum Beispiel „Livemusik ist keine Lösung“ von Alligatoah oder „Kreise Live“ von Johannes Oerding.

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