Der Mond geht auf über Salem

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Stellte in Salem sein Album „Tracker“ vor: Mark Knopfler mit seiner berühmten roten Fender Stratocaster.
Stellte in Salem sein Album „Tracker“ vor: Mark Knopfler mit seiner berühmten roten Fender Stratocaster. (Foto: Nicolai Kapitz)
Schwäbische Zeitung
Nicolai Kapitz

Irgendwann zwischen „Telegraph Road“ und „So far Away“ ging der Mond auf über dem Schloss Salem. Es passte zur Stimmung beim Gastspiel von Gitarren-Altmeister Mark Knopfler beim Salem Open Air am Sonntagabend. Keine Partystimmung, sondern eine sehr gediegene, ruhige und gemütliche Atmosphäre. Nicht etwa dem Alter des mittlerweile 65-jährigen ehemaligen Chef der „Dire Straits“ geschuldet, sondern Knopflers Musik.

Die Stücke, die Mark Knopfler mittlerweile schreibt, haben nur noch wenig von „Money for Nothing“ oder „Walk of Life“. Es sind ruhige Folkballaden, zwischendurch ein wenig Country und Blues. Entsprechend sind die Konzerte gestimmt. 5000 Zuschauer verfolgten so auch am Sonntagabend beinahe andächtig die Show. Die acht Musiker von Knopflers Band stellten dem Meister zweieinhalb Stunden lang das Fundament, auf dem er seinen berühmten Gitarrensound ausbreiten konnte.

Dabei verkam das Konzert aber nicht zur reinen Solo-Show. Die beiden Multiinstrumentalisten John McCusker und Mike McGoldrick hielten an Geige, Flöte, Fiddle und auch Gitarre gut mit. Dabei stach auch immer wieder die Hammond-orgel oder das Piano von Mike Cox hervor. Richtig Spaß hatten auch Bassist Glenn Wolf, der immer wieder zwischen Kontrabass und E-Bass hin- und herwechselte, Nigel Hitchcock mit einigen wirklich großartigen Saxofon-Einlagen, Co-Gitarrist Richard Bennet und Drummer Ian Thomas. Vielen Fans noch ein Begriff: Knopflers alter Dire-Straits-Bandkollege Guy Fletcher spielte Keyboards.

Aber natürlich ging es bei diesem Abend trotz allem nicht wirklich um die Band. Es ging um Mark Knopfler und seine Gitarre beziehungsweise seine Gitarren. Denn der Pionier des Fingerpickings wandelt immer noch traumwandlerisch sicher auf den Griffbrettern seiner Instrumente. Der Sound ist und bleibt unverwechselbar. Mal warm und drückend, wenn Knopfler seine Gibson Les Paul anstimmt. Und mal gewohnt schneidend und melodisch, wenn er zur berühmten roten Fender Stratocaster greift.

Und eigentlich ging es vielen Zuschauern auch mehr um die Nostalgie als um Knopflers jüngere Werke. Ganz deutlich war das zu merken, als die Band nach gut einer Dreiviertelstunde den ersten Dire-Straits-Hit „Romeo and Juliet“ anstimmte. Auf einmal riss es die Leute aus ihrer Schunkel-Lethargie. Zuvor spielte die Band viel neues Material, etwa den Opener „Broken Bones“ vom neuen Album oder „Corned Beef City“ von der 2012er-Scheibe „Privateering“. Da gab es Applaus, aber keinen Jubel. Klatschen und Mitwippen, aber kein Tanzen und Mitsingen. Das änderte sich erst zur zweiten Hälfte, als Knopfler und Band auf Dire-Straits-Klassiker und auf größere Solo-Erfolge zurückgriffen. Direkt nach „Romeo and Juliet“ mischte der Superhit „Sultans of Swing“ die Menge richtig auf. Mark Knopfler hat den Song, entgegen früherer Live-Gewohnheit, von einer zehnminütigen Solo-Show mit Orgeln und Trompeten wieder auf die minimalistische, ursprüngliche Nummer reduziert. Drums, Bass, zwei Gitarren und die schnoddrige Stimme Knopflers.

Markante Riffs

Ab da nahm das Publikum auch die weniger bekannten Knopfler-Nummern dankbar an, etwa das Latino-Stückchen „Postcards from Paraguay“. Zum Finale hatten sich aber dann alle warmgelaufen. Knopflers Rennwagen-Hit „Speedway at Nazareth“ leitete einen wirklich gänsehautträchtigen Konzertschluss ein. „Telegraph Road“, die viertelstündige Dire-Straits-Ballade von der Besiedlung des Westens mit ihrem epischen Gitarrensolo am Ende, löste endgültig alle Fesseln beim Publikum. Und die Zugaben, alles Dire-Straits-Evergreens, hatten es noch mal in sich. „So far Away“ mit seinem markanten Gitarrenriff. Ganz zum Schluss „Going Home“ – und natürlich „Brothers in Arms“. Dieser Song mit all seinem Schwermut, seiner Melodie und dem weltberühmten Solo im Mondschein im Innenhof des Schlosses in Salem war allein schon den Besuch wert.

Auf seiner „Tracker“-Tournee kommt Mark Knopfler in diesem Sommer noch einmal in die Nähe. Am 20. Juni nach Mannheim (SAP Arena), Am 4. Juli nach Bad Kissingen (Luitpoldpark), am 5. Juli nach Stuttgart (Schleyerhalle), am 11. Juli nach München (Olympiahalle) und am 14. Juli nach St.Margarethen in Vorarlberg (Steinbruch).

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