Das Schwere und das Leichte

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Waltraud Späth (li.) und Barbara Ehrmann in der Ausstellung.
Waltraud Späth (li.) und Barbara Ehrmann in der Ausstellung. (Foto: Roland Rasemann)

Skulpturen von Waltraud Späth und Bilder von Barbara Ehrmann sind in Ochsenhausen zu sehen.

Die neue Ausstellungssaison im Ochsenhausener Fruchtkasten startet mit einer Doppelausstellung. Bis 1. Mai treffen in dem historischen Gebäude Skulpturen aus Beton und Holz von Waltraud Späth auf Collagen aus Papier und Wachs von Barbara Ehrmann. Zu sehen sind rund 90 Exponate.

Beide leben in Oberschwaben und haben an der Kunstakademie in Stuttgart studiert. Beide arbeiten stark materialbezogen und schöpfen ihr künstlerisches Potenzial aus den Eigenschaften der jeweiligen Werkstoffe. Bei Barbara Ehrmann aus Ravensburg ist es in erster Linie die Zeichnung und Collage, die sie mithilfe von Wachs versiegelt und verfremdet. Bei Waltraud Späth aus Friedrichshafen wiederum stehen die gegensätzlichen Materialien Holz, Beton und bisweilen auch Stahl im Fokus ihres plastischen Schaffens. In Ochsenhausen treten diese Arbeiten jetzt in einen spannungsreichen Dialog. Dabei paart sich das Schwere mit dem Leichten.

Geräusche wabern durch den Saal

Barbara Ehrmann beherrscht nicht nur viele Techniken, sondern hat auch einen unerschöpflichen Formenkanon. Ihre Bildsprache nimmt einen gefangen, denn sie steckt voller rätselhafter Chiffren und ist doch stets von einer großen Ästhetik geprägt. Dabei dominieren die Nicht-Farben Schwarz, Weiß und Grau, gelegentlich kommen Orange und Blau ins Spiel. Die 53-Jährige ist eine Poetin der feinen Nuancen, der zarten Linien und Töne. Inspiration für ihre Bilder findet sie auf Reisen und mittlerweile auch beim Freitauchen. So hat sie das Thema Schwerelosigkeit in einem Unterwasser-Videoprojekt umgesetzt, das bereits im vergangenen Jahr in Markdorf und jetzt in aktualisierter Form in Ochsenhausen zu sehen ist. Selbst komponierte Klänge und Geräusche, die in Zusammenarbeit mit ihrem Mann entstehen, erweitern das Gezeigte in akustische Dimensionen. Sie hallen im Fruchtkasten durch den Saal und sorgen für geheimnisvolle Stimmung.

Auch Waltraud Späth ist technisch versiert. Die Bildhauerin versteht es, hölzerne Fundstücke aus ihrer Umgebung mit Beton oder Stahl so zu kombinieren, dass neue, interessante Formen entstehen. Dabei stoßen die unregelmäßigen Oberflächen des Holzes mal auf die glatte Geschlossenheit des Betons und dann wieder auf die schimmernde Optik des Stahls, was schon aus rein ästhetischen Gesichtspunkten für Spannung sorgt. Tatsächlich geht es der 55-Jährigen um das Sichtbarmachen von Harmonien und Konflikten, die sich auch auf gesellschaftspolitische Zusammenhänge übertragen lassen.

In einem Teil der Ausstellung etwa nimmt Späth mit ihren Häuseransammlungen auf Podesten oder Schiffsrümpfen Bezug zur aktuellen Flüchtlingsproblematik. Ehrmann wiederum antwortet auf diese Kleinplastiken mit großformatigen Acrylbildern, in denen erstmals leere Boote im Mittelpunkt stehen. Auch an anderen Stellen finden sich thematische Parallelen. Der Besucher muss nur genau hinschauen. Selten war eine Schau im Fruchtkasten so stimmig wie diesmal.

Die Ausstellung dauert bis 1. Mai. Öffnungszeiten: Di.-Fr. 10-12

und 14-17 Uhr, Sa., So. und Fei. 10-17 Uhr.

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