Das New-Pop-Festival zeigt die Trends der Musik

Myle ist in Ravensburg aufgewachsen und studiert an der Popakademie in Mannheim.
Myle ist in Ravensburg aufgewachsen und studiert an der Popakademie in Mannheim. (Foto: Stefan Rother)
Stefan Rother

Vielleicht haben die langen kontaktlosen Zeiten während der Pandemie dazu beigetragen, die vielen Künstlern besonders zugesetzt haben – jedenfalls scheinen Kollaborationen im Musikgeschäft derzeit so angesagt zu sein wie kaum zuvor. Beim Musikfernsehen reicht die Bildschirmbreite mittlerweile kaum aus, wenn alle an einem Song beteiligten Sänger, Musiker, DJs und Produzenten eingeblendet werden. Ein Trend, der sich auch beim diesjährigen New Pop Festival in Baden-Baden klar abzeichnete, denn viele der Musiker im Programm setzen auf die Zusammenarbeit mit anderen Künstlern und haben oft durch solche Kollaborationen erste Bekanntheit erlangt.

Kollaborationen unter Musikern sind im Trend, zeigt auch das New-Pop-Festival

Das ist natürlich ein weiterer Grund für den Trend, denn neben der Freude am gemeinsamen Musizieren und den kreativen Synergieeffekten lässt sich so die eigene Reichweite erheblich steigern. So werden im Idealfall gleich mehrere Fan-Zielgruppen angesprochen, am Ende stehen mehr Streams und Konzertbesucher. Leonie Burger aus dem beschaulichen Chammünster in Oberbayern ist ein Paradebeispiel für diesen Ansatz. Die 25-Jährige kommt angenehm bodenständig daher, ist aber schon seit vielen Jahren als Leony im Musikgeschäft und bestens vernetzt. Einen ersten Hit, „Paradise“ landete sie in Zusammenarbeit mit dem Musikprojekt Vize und dem Rapper Joker (Capital) Bra.

Es folgten zahlreiche weitere Kollaborationen, wobei das Spektrum großzügig interpretiert von Dieter Bohlen bis Beethoven reichte. Mit dem ersteren nahm sie eine neue Versionen seines Modern-Taking-Hits „Brother Louie“ auf, beim letzteren borgte sie sich die Melodie von „Für Elise“ für den Song „No More Chances“. Daneben verlieh sie dem 2003er Hit „Dragostea Din Tei“ von O-Zone, den eigentlich niemand mehr hören konnte, mit neuem Text als „Faded Love“ eine überraschend gelungene Frischzellenkur. Und schließlich gab es mit dem von ihr mitkomponierten „Remedy“ dieses Jahr einen Pophit, der allein unter ihrem Namen herauskam.

Auch dieser Trend wurde in Baden-Baden bestätigt: Deutschland ist im internationalen Musikgeschäft sehr gut positioniert, wobei vielen oft gar nicht bewusst ist, dass hiesige Musiker oder Produzenten an den Hits beteiligt sind. So wurde der „New Pop Award“ passenderweise an Purple Disco Machine verliehen. Dahinter verbirgt sich der Dresdner Produzent und DJ Tino Piontek, der sich gerne im Hintergrund hält aber derzeit mit seinen vom Italo-Disco-Genre der 1980er-Jahre inspirierten Song wie „Hypnotized“ und „In the Dark“ global die Tanzflächen füllt. Am Mikro steht dabei die Britin Sophie Scott, die mit ihrem eigenen Projekt Sophie and the Giants in Baden-Baden gleich auch noch einen Auftritt hatte.

ESC-Teilnehmer Sam Ryder spielte auf dem New-Pop-Festival

Natürlich ist dies nicht der einige Weg im Musikgeschäft. Der in Ravensburg aufgewachsene Myle studiert etwa an der Popakademie in Mannheim und feiert schon erste Erfolge mit mit Eigenkompositionen wie „Not Ready“, die er in Baden-Baden mit seiner Band vorstellte.

Und Malik Harris macht am liebsten gleich alles selbst. Der bayerische Sänger und Rapper spielt seine Instrumente nacheinander ein, lässt diese als Schleife ablaufen und begleitet sich somit selbst. Beim diesjährigen Eurovision Contest (ESC) konnte er damit zwar nicht punkten, im Kurhaus zeigte sich aber, dass er mit Songs wie „Rockstars“ zumindest auf dem heimischen Markt eine sehr treue Fangemeinde aufbauen konnte.

Als weiterer ESC-Teilnehmer spielte der Brite Sam Ryder beim diesjährigen New Pop-Festival. Seine Power-Pop-Nummer „Spaceman“ war auf dem zweiten Platz gelandet, darüber hinaus hat der exaltierte Sänger aber noch einiges mehr zu bieten – und spielte mit einem Augenzwinkern Abbas-ESC-Hit Waterloo als langsamen Song mit Falsettgesang. Wenn die derzeitige deutsche Produzenten-Power mal eingesetzt wird, reicht es vielleicht auch für Deutschland mal wieder für einen der vorderen Plätze ...

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