Daheim wegen Corona: Diese Serien überbrücken die Langeweile

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 Die historische Krimiserie Babylon Berlin spielt in den 1920er-Jahren.
Die historische Krimiserie "Babylon Berlin" spielt in den 1920er-Jahren. (Foto: Frederic Batier)
Martin Weber

Die Kinos haben geschlossen, das öffentliche Leben ist weitgehend lahmgelegt. Doch es gibt ja noch das Fernsehen, mit dem man sich in der Corona-Krise die Langeweile vertreiben kann. Wir stellen Klassiker und Neuerscheinungen vor, die es in den Mediatheken oder bei Streaminganbietern zu sehen gibt. Netflix und YouTube haben zwar angekündigt, nur noch in der Standard-Auflösung zu senden, um die Netze zu entlasten. Die Nutzer sollen dennoch eine gute Qualität bekommen, heißt es von Seiten des US-Dienstes.

Arctic Circle“ (ZDF-Mediathek) – Unheimlich aktuell ist diese finnisch-deutsche Krimiserie, in der es um den Ausbruch eines tödlichen Virus geht, der ursprünglich als Kriegswaffe entwickelt wurde. In einem Aussiedlerhof finden Ermittler tote Prostituierte, sie waren mit einem hochansteckenden neuen Virus infiziert, dessen Ausbreitung die Polizei und der Seuchenexperte Thomas Lorenz (Maximilian Brückner) stoppen müssen. Der Fünfteiler spielt in einer tief verschneiten, dünn besiedelten Gegend nördlich des Polarkreises im finnischen Lappland. Traumhafte Bilder.

Babylon Berlin“ (ARD-Mediathek) – Mörderjagd in der Weimarer Republik: Die Serie „Babylon Berlin“ nach den Bestsellerkrimis von Volker Kutscher ist ein gewaltiger Bilderrausch. Kommissar Gereon Rath (Volker Bruch) und die junge Stenotypistin Charlotte Ritter (Liv Lisa Fries) ermitteln im Berlin der 20er- Jahre, die Kriminalfälle sind kunstvoll mit politischen und gesellschaftlichen Aspekten verknüpft.

Comedians auf Kaffeefahrt“ (Netflix) – Mit der Sitcom „Seinfeld“ wurde Jerry Seinfeld zum schwerreichen Superstar. Seine aktuelle Reihe ist dennoch ein Geheimtipp: Autofan Seinfeld, der eine der größten Porsche-Sammlungen der Welt besitzt, holt in jeder Folge einen anderen Prominenten ab, meistens mit einem seltenen Oldtimer, und geht mit ihm Kaffee trinken. So gesehen ist es eine Sendung über nichts – aber das Wortgeplänkel der Stars ist politisch oft völlig unkorrekt und höchst unterhaltsam.

Dunkelstadt“ (ZDF-Mediathek) – Es gibt zwei Dinge, die Doro Decker (Alina Levshin) auf hundert Meter riecht: „Angebrannte Steaks und angebrannte Ehen.“ Die junge Privatdetektivin ist auf Scheidungsfälle spezialisiert und schnüffelt routiniert untreuen Ehemännern und Ehefrauen hinterher. Dass sie es dabei schon mal mit einem üblen Mordfall oder einer fiesen Erpressung zu tun bekommt, gehört zum Berufsrisiko.

Follow the Money“ (Arte-Mediathek) – Krimi-Feinkost aus Kopenhagen: Dieser dänische Zehnteiler entfaltet ein packendes Gangsterpanorama im düsteren Look – es geht um Drogenfahnder, Dealer mit protzigen Luxusuhren und dubiose Drahtzieher in Nadelstreifen. Ruhig und konzentriert entfaltet die Serie ihre Story, ohne Effekthascherei und Eile. Statt Hochglanzlook gibt es viel schmuddeligen Stadtbeton, verhärmte Cops mit abgewetzten Jeansjacken und authentische Einblicke in den tristen Dealeralltag.

Hillary“ (Sky) – Ihre Niederlage gegen Donald Trump im Kampf um die US-Präsidentschaft war 2016 für viele ein Schock. Diese Dokuserie gibt Einblicke in Hillary Clintons damaligen Wahlkampf, thematisiert aber auch ihren Werdegang von der Jurastudentin in Yale bis zur Außenministerin und ihre Ehe mit dem früheren US-Präsidenten Bill Clinton. In den vier einstündigen Episoden geht es unter anderem um Bills Affäre mit Monica Lewinsky und um die Frage, wieso Hillary die Öffentlichkeit in den USA so polarisiert.

I Am Not Okay with This“ (Netflix) – „Hilfe, nicht noch eine Teenagerserie!“ – wer so denkt, der verpasst hier eine sehenswerte Netflix-Perle. Die frustrierte Schülerin Sidney (Sophia Lillis) ist eine Einzelgängerin aus einer zerrütteten amerikanischen Kleinstadtfamilie – doch plötzlich verwandelt sich Sidneys notorische Wut in eine zerstörerische Superkraft. In der ersten Folge der tragikomischen, unterhaltsamen Serie entdeckt sie ihre übernatürlichen Fähigkeiten: Die postpubertäre Kratzbürste löst beim schnöseligen Lover ihrer besten Freundin Nasenbluten aus. Sidneys Kräfte werden stärker – als jemand ihr geheimes Tagebuch klaut, kommt es zur Katastrophe.

Jerks“ (Joyn) – Es gibt nichts mehr zu lachen in Krisenzeiten? Mit dieser Serie doch: Christian Ulmen und Fahri Yardim spielen in den hinreißend komischen Improvisationen sich selbst – oder besser gesagt zwei Comedyversionen von sich. Die chaotischen Männerfreunde strapazieren die Nerven ihrer Mitmenschen bis zum Anschlag und springen mit Karacho in jedes Fettnäpfchen: derb, aber witzig.

Making the Cut“ (ab 27.3., Amazon Prime) – Falls es irgendwo da draußen wirklich Leute geben sollte, die nicht genug kriegen können von Heidi Klum: Künftig ist sie nicht nur in „Germany’s Next Topmodel“ zu sehen, sondern auch bei Amazon Prime. In der Realityserie „Making the Cut“ schneidern Nachwuchsdesigner um die Wette, die Sieger-Kollektion jeder Folge kann man praktischerweise gleich bei Amazon kaufen.

Tatort“ (ARD-Mediathek) – Mehr als 1000 „Tatort“-Filme wurden in den vergangenen 50 Jahren gedreht – viele davon stehen beim Ersten in der Mediathek. Warum nicht mal wieder einen alten Fall des persönlichen Lieblingsermittlers anschauen? Zum Beispiel mit Brummbär Thiel und Schnösel Boerne (Axel Prahl und Jan Josef Liefers) aus Münster – die Folge „Schlangengrube“ etwa, die im Zoo spielt: Zwischen Pinguinen, Katzen und Flamingos liefert sich das lustige Ermittler-team tierisch gute Wortgefechte.

The Mandalorian“ (ab 24.3., Disney+) – Mitten in der Corona-Krise startet mit Disney+ ein neuer Streamingdienst, der vor allem Fans von Familienunterhaltung und Popcornkino viel Stoff bietet. Im Angebot sind zig Filme von „Dschungelbuch“ bis „Avengers“ – und „The Mandalorian“, die erste Realserie aus der „Star Wars“-Welt. Der Titelheld arbeitet in ferner Zukunft als Kopfgeldjäger, im Auftrag eines Finsterlings (Regielegende Werner Herzog) spürt er ein Kind aus derselben Spezies wie Jedi-Meister Yoda auf. Er beschließt, den grünen Knirps zu beschützen und wird selber zum Gejagten – es beginnt eine Odyssee quer durchs Universum.

Unorthodox“ (ab 26.3., Netflix) – Nach der heftig umstrittenen Actionorgie „Hunters“ (Amazon Prime) mit Al Pacino ist dies schon die zweite neue Serie, die jüdisches Leben thematisiert. Aber „Unorthodox“, die komplexe Adaption der Autobiografie von Deborah Feldman, ist völlig anders und viel besser: Die junge Esty (Shira Haas) ist in New York in einer ultraorthodoxen jüdischen Gemeinde aufgewachsen, doch sie kann mit dem rigiden Regelkorsett nicht länger leben. Sie flieht nach Berlin, lernt dort eine Clique von Musikstudenten kennen und muss sich in der säkularen Welt behaupten, deren Codes sie nicht kennt.

Westworld“ (ab 30.3., Sky) – Ein futuristischer Freizeitpark voller humanoider Roboter, die ein Eigenleben entwickeln und Amok laufen: Die Serie „Westworld“ basiert auf dem gleichnamigen Actionstreifen aus dem Jahr 1973, ist aber deutlich komplexer und punktet mit einen enorm hohen Schauwert. Jetzt startet die dritte Staffel, in der „Breaking-Bad“-Star Aaron Paul neu zum Ensemble stößt. Die schöne Kunstfrau Dolores hat mit einigen Hosts den Freizeitpark verlassen, das kryptische Science-Fiction-Puzzle spielt diesmal mehr in der realen Welt – oder ist diese vermeintliche Realität nur eine weitere Illusion? Acht Folgen gibt es, zwei weitere Staffeln sind in Planung.

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