Da möchte man doch auf der Sau naus

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Schwäbische Zeitung
Rolf Waldvogel

Keine Angst, auf einen tiefgründelnden Exkurs über Glaube und Aberglaube wollen wir uns hier nicht einlassen. Aber die Frage, warum man Schwein hat, warum also ein von uns überheblichen Menschen als schmutzig, unrein, gefräßig, dumm und sexualtriebgesteuert verschrieenes Tier – ob als Schwein oder als Sau – durch so viele Redensarten geistert und im speziellen Fall zum Glückssymbol wurde, darf uns schon kurz interessieren.

Mehrere Deutungen kursieren:

Zum einen wird argumentiert, dass Ausdrücke der Verstärkung wie saudumm, saugrob, sauschwer, Sauarbeit, Saubande zu der Formulierung Sauglück oder Schweineglück geführt haben könnten. Dazu würde auch die Redensart passen, dass jemand ein Schweinegeld verdient, also einen ganzen Haufen Geld.

Zum anderen spricht sehr vieles dafür, dass ein alter Brauch bei Schützenfesten eine Rolle gespielt hat. Danach wurde dem Letzten eines Wettschießens als Spott- oder Trostpreis ein Schwein überreicht. Wer also das Schwein bekam, erhielt etwas, ohne es eigentlich verdient zu haben, hatte somit Schweineglück oder einfach Schwein.

Sehr hübsch ist aber auch eine dritte Variante, die vor allem jedem Kartenspieler einleuchtet. Ein alter Ausdruck für das Ass, also die höchste Karte im Spiel, ist die Sau – vor allem bei einem deutschen Blatt. Auf dem Schellen-Ass oder der Schellen-Sau war sogar oft ein Schwein abgebildet. Schwein haben würde demnach einfach bedeuten, dass man mit der besten Karte auftrumpfen kann, also besonderes Glück hat.

Wobei Glück ja relativ ist. Für Abraham a Santa Clara war Kartenspiel ein Unglück an sich. Der gestrenge Kapuziner der Barockzeit aus dem Meßkircher Geniewinkel wetterte in einer seiner berühmten Predigten: "So sind in den Karten vier Säu: Eichel-Sau, Schellen-Sau, Herz-Sau und Gras-Sau, und weil die Säu mehr gelten als der König, so ist das ja ein säuisch Spiel!"

Man mag sich gar nicht ausdenken, wie er sich über die heutige weltweite Poker-Manie aufgeregt hätte. Wahrscheinlich wäre er – schwäbisch-deftig ausgedrückt, wie es seine Art war – schlichtweg auf der Sau naus.

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