Christo-Ausstellung ohne Christo: Eröffnung in Paris

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 Bis zuletzt hat Vladimiroff Javacheff, genannt Christo, an den Entwürfen für seine Installation „L’ Arc de Triomphe, Wrapped“ g
Bis zuletzt hat Vladimiroff Javacheff, genannt Christo, an den Entwürfen für seine Installation „L’ Arc de Triomphe, Wrapped“ gearbeitet. (Foto: Andre Grossmann/ Christo and Jeanne-Claude – 2019 AFP)
Deutsche Presse-Agentur
Sabine Glaubitz

Die Ausstellung hätte zum Highlight der Pariser kulturellen Frühlingssaison werden sollen, ebenso wie die Verpackung des Triumphbogens. Beide Events konnte Christo noch mit vorbereiten, keines kann er jedoch mehr miterleben. Der Verhüllungskünstler ist am 31. Mai in New York gestorben, kurz vor seinem 85. Geburtstag am 13. Juni. Mit „Christo und Jeanne-Claude – Paris!“ widmet das Pariser Centre Pompidou dem Künstlerpaar eine Ausstellung. Es ist eine Hommage.

Die Werkschau legt den Fokus auf die Pariser Jahre des Künstlers und dessen Frau Jeanne-Claude. Er sei glücklich über die Schau in Paris, denn zu der Stadt habe er ein sehr persönliches Verhältnis, sagte er der Deutschen Presse-Agentur im Vorfeld der Ausstellung, die wegen der Corona-Krise nicht wie geplant Mitte März öffnen konnte. Als er aus dem kommunistischen Bulgarien nach Wien flüchtete, habe er gleich versucht, nach Paris zu kommen, erzählte er in dem Telefoninterview.

Man habe eng zusammen mit Christo an der Ausstellung gearbeitet, von der er geträumt hatte, sowie an der Vorbereitung der Verpackung des Arc de Triomphe, sagte der Museumsdirektor Bernard Blistène. Möge die Ausstellung eine Hommage an das außergewöhnliche Gesamtwerk des Künstlers sein, das für die Kunstgeschichte unserer Zeit so wichtig ist, so der Kunsthistoriker in dem Radiosender France Info. Die bis zum 19. Oktober dauernde Werkschau ist am 1. Juli unter strengen Corona-Regeln eröffnet worden.

Christo lebte zwischen 1958 und 1964 in Paris, wo er seinen Lebensunterhalt mit dem Malen von Porträts verdiente. Einige davon sind in Paris zu sehen, darunter das Porträt von Brigitte Bardot und seiner Frau Jeanne-Claude. Beide sind verhüllt, denn Christo begann in Paris die unterschiedlichsten Alltagsgegenstände zu verpacken wie Dosen, Flaschen, Stühle, Kinderwagen und Öltonnen. Er wollte zeigen, dass jedes Objekt einen Platz in der Kunst hat. Wie bei den meisten Vertretern des Neuen Realismus, die er in Paris kennengelernt hatte, ging es ihm darum, existierenden Dingen eine neue Wahrnehmung zu verleihen.

Er habe die Dinge nicht verpackt, um die Konsumgesellschaft zu kritisieren, sondern um die wesentlichen Linien sichtbar zu machen, präzisierte die Kuratorin Sophie Duplaix. So wie bei der Pariser Brücke Pont Neuf, die er 1985 verhüllt hat. Das sei eines seiner kompliziertesten Projekte gewesen, erklärt Christo in einem in der Ausstellung zu sehenden einstündigen Dokumentarfilm. Der Künstler hatte zusammen mit seiner 2009 verstorbenen Frau jahrelange Überzeugungsarbeit geleistet, um die Erlaubnis zu bekommen, die Brücke hinter 40 876 Quadratmetern Polyamidgewebe zu verstecken.

Neben unzähligen Projektskizzen und Vorzeichnungen zur Verpackung von Pont Neuf sind auch Entwürfe zu sehen, die den Triumphbogen verhüllt zeigen. Sie stammen aus dem Jahr 1962. Schon damals wollte Christo das Wahrzeichen verpacken, das neben der historischen Symbolik für ihn auch eine sehr persönliche Bedeutung hat. Wie er in dem Gespräch mit der dpa erzählte, habe er damals in einem winzigen Zimmer ganz in der Nähe gewohnt. „Wir wählen die Objekte nie willkürlich aus“, fügte er hinzu. Der Grund, warum er Pont Neuf vor knapp 35 Jahren verhüllt hat? Es sei die älteste Brücke der Stadt und habe zahlreiche Künstler inspiriert, unter anderem Picasso.

Die Verpackung des Arc de Triomphe mit rund 25 000 Quadratmetern silber-bläulichem Stoff hätte im April stattfinden sollen, zeitgleich zur Ausstellung. Nun soll das Projekt im September 2021 organisiert werden. Christo und Jeanne-Claude hätten immer klargemacht, dass ihre laufenden Kunstprojekte fortgesetzt werden sollen, ließ das Studio nach dem Tod des Künstlers wissen. Noch im März fertigte er Zeichnungen des Projekts an, um sie zu verkaufen. Er arbeite intensiv, so Christo am Telefon. Aus ihrem Verkauf und den davon angefertigten Drucken finanzierte das Duo seine Projekte.

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