CD-Kritik: Beethoven’s Breakdown

Lesedauer: 3 Min
 Ludwig van Beethoven
Ludwig van Beethoven (Foto: dpa)
Bernd Guido Weber

Ob dies dem guten Ludwig van gefallen würde, so er überraschend auf irdischen Besuch käme? Ist das tatsächlich die Fortführung des „spirit“ des Meisters ins 21. Jahrhundert? Das kann jeder selbst entscheiden. Leider nicht bei einem packenden Live-Konzert, der Auftritt der „Jazzrausch Bigband“ im Graf-Zeppelin-Haus in Friedrichshafen am 9. Mai ist aus bekannten Gründen gestrichen.

Also zu Hause die brandneue CD der Münchner Bigband auflegen. Hören und staunen. Die 16-köpfige Combo, die unter dem Dirigat von Roman Sladek weltweit tourt, mischt Beethoven als tanzbaren Techno-House-Jazz auf, mit orchestraler Wucht und messerscharfem Timing. Kein softer Bigband-Swing über Beethoven-Themen. Diese fließen hier ohnehin nur rudimentär ein, selektiv, oft auch repetitiv.

Die Mondscheinsonate beginnt mit satten Bläsern, dazu treibende Beats, lautmalerischer Gesang. Das ursprünglich zarte Motiv des zweiten Satzes der 7. Symphonie kommt dunkel und wuchtig, dann mit feinem Trompetensolo und Improvisationen. Wirklich nur von ausgewiesenen Experten wiederzuerkennen ist das Streichquartett Nr.14, von Mastermind Leonhard Kuhn in zwei Teile separiert. Er setzt Melodiefragmente neu zusammen, schichtet sie übereinander. Im Gewand von Techno-Jazz und Fusion. Orchestral und tanzbar.

Zwischen Beethoven und Beethoven stellt Leonhard Kuhn eine eigene Sonate vor, in vier Sätzen. Soll formal und stilistisch an den Großen aus Bonn erinnern, im Sound von Hier und Jetzt. Muntere Grooves, kühne Strukturen. Elektronik. Die Percussion treibend, Bläserinnen und Bläser mal geschmeidig, mal mit scharfer Attacke, präzisen Riffs. Darüber improvisiert als special guest Nils Landgren auf seiner Posaune. Hoch interessant, dieser Beitrag zum Beethoven-Jahr! (bgw)

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