CD-Kritik: Bartoli singt Vivaldi

Lesedauer: 3 Min
 Cecilia Bartoli
Cecilia Bartoli (Foto: Maja Suslin)
Katharina von Glasenapp

Diese Sängerin ist und bleibt ein Naturereignis! Am Opernhaus Zürich feierte Cecilia Bartoli zum Jahreswechsel ihr dreißigjähriges Bühnenjubiläum, vor zwanzig Jahren hat sie mit ihrer Plattenfirma Decca das erste Vivaldi-Album herausgebracht, das damals Wogen der Begeisterung ausgelöst und viele weitere Entdeckungen durch Bartoli und andere Künstlerinnen und Künstler hervorgebracht hat.

Aufgenommen mit dem Ensemble Matheus

Nun gibt es ein zweites, ausschließlich Arien von Antonio Vivaldi gewidmetes Album, diesmal an der Seite des bretonischen Barock-Ensembles Matheus unter der Leitung von Jean-Christophe Spinosi. Mit einer Stunde Spieldauer ist das Album schlank gehalten, doch Cecilia Bartoli breitet in den zehn Arien aus Opern des Venezianers ihre Kunst in überschäumender Fülle aus. Da brennt gleich im ersten Stück ein Feuerwerk ab - vom Blitz ist die Rede, der da in funkelnden und wild gezackten Figuren den treulosen Geliebten treffen soll.

Die Affekte stehen im Mittelpunkt der Arien, Liebe, Leidenschaft, Trauer, Sehnsucht, Seufzer, Aufbruch, Verzweiflung, oft in höchst kraftvollen Gegensatzpaaren gegenübergestellt. Zwar mögen die wild auffahrenden Koloraturen Bartolis Stärke sein, ungleich berührender aber ist ihre Stimme, wenn sie schmeichelt und gurrt, wenn ein zärtliches Vogelkonzert im Duett mit der Geige oder der Blockflöte angestimmt wird oder sie die Stimme in schier unendlicher Linie und in Seufzerketten führt.

Aufwendiges Booklet

Das wie immer aufwendige Booklet ist ganz auf Cecilia Bartoli und die 30-jährige Zusammenarbeit mit Decca zugeschnitten, mit Fotos und Zitaten befreundeter Musiker. Über das brillante Ensemble Matheus und Jean-Christophe Spinosi, der in zwei Arien die schmeichelnde Solovioline spielt, erfährt man leider nichts. Aber die musikalische Zusammenarbeit und Entdeckungsreise schlagen Funken!

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