Burenkrieg in Oberbayern

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Schwäbische Zeitung
Rolf Waldvogel

Der tiefere Sinn dieses Namens scheint sich jedoch auch anderen nicht zu erschließen. Dass ein Freiburger Germanistik-Student einst im Examen auf die Frage nach den "Carmina Burana" vollmundig verkündete, es seien "Lieder aus dem Burenkrieg", ist Geschichte.

Aber auf ähnlich falscher Fährte befand sich jetzt ganz aktuell ein Rundfunkreporter beim Münchner Mega-Kick des FC Bayern gegen 1899 Hoffenheim : Da habe man extra die "Carmina Burana", also Orffs "Bäuerliche Gesänge", über die Stadionlautsprecher dröhnen lassen, meinte er – wohl in Anspielung auf das Kuhdorf aus dem Kraichgau, das sich frech in die Großstadt an der Isar gewagt hatte.

Zur Klarstellung: Die "Carmina Burana" sind eine Sammlung von um das Jahr 1200 verfassten, überwiegend lateinischen und mittelhochdeutschen Minne- und Trinkliedern, die in der Bibliothek von Kloster Benediktbeuern kurz nach der Säkularisation 1803 zufällig entdeckt wurden. "Carmina" heißt lateinisch "die Lieder", und vom latinisierten Namen des Klosters (Bura Sancti Benedicti) leitet sich das Adjektiv "burana" ab.Nebenbei bemerkt: Der oberbayerische Ort heißt wirklich Benediktbeuern und nicht Benediktbeuren, wie oft – in irrtümlicher Anlehnung an Blaubeuren, Ottobeuren oder Kaufbeuren – geschrieben wird.

Rund 43 000 falsche Einträge von "Benediktbeuren" fanden sich beim Googeln im Internet! Auch "Carmen Burena" geistert übrigens hundertfach bei Google herum. Gemeint sind jedoch durchweg die "Carmina Burana".

"Du bist nicht allein!",

könnte man also dem Kollegen zurufen. Aber er weilt heute anderswo.

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