Buchkritik: „Düsternbrook“

Lesedauer: 4 Min
 Schauspieler Axel Milberg auf dem Cover seines Buches „Düsternbrook“, das jetzt erschienen ist.
Schauspieler Axel Milberg auf dem Cover seines Buches „Düsternbrook“, das jetzt erschienen ist. (Foto: Piper Verlag)
Welf Grombacher

Wozu ein Kindergarten, wenn das Haus einen Garten hat, sagen sich die Eltern und lassen ihren Jungen zu Hause. „Und da stand ich, klein, dunkelblond auf grünem Grund und drehte mich, und die Welt drehte sich um mich“, schreibt der Schauspieler Axel Milberg und liefert damit ein schönes Eingangsbild für seinen Roman „Düsternbrook“, in dem er von seiner behüteten Kindheit im gleichnamigen Kieler Stadtteil erzählt.

Als Sohn eines Anwalts und einer Ärztin wächst er mit Blick auf die Kieler Förde auf und muss sich von der Mutter immer „Wir sind was Besseres!“ anhören. Das verinnerlicht der Knirps bald und hat eine ganz besondere Meinung von sich. Vorlaut ist er, macht sich gern wichtig. Irgendwie aber empfindet er es auch als schade, dass ihm keiner mehr nahe ist. Und so wird er, wie er schreibt, ein wenig „weltfremd und auf scheue Art aggressiv“. Wer Axel Milberg aus dem Fernsehen kennt, weiß, wie gut er sich selbst in diesen Zeilen getroffen hat. In Talkshows ist er ein eloquenter Erzähler. Dass er es aber in seinem ersten Roman schafft, diesen persönlichen Sound zu bewahren, ist keine Selbstverständlichkeit.

In zunächst unzusammenhängenden Episoden, die sich mit der Zeit verdichten, berichtet der 1956 geborene Milberg wie er sich im Sommer beim Badeausflug nach Eckernholm einen Bernstein ins Ohr steckt, der unter Vollnarkose wieder herausgeholt werden muss. Einmal klaut Axel dem Lehrer einen Zettel, auf dem die Aufgaben für die nächste Klassenarbeit notiert sind. Nachdem alle eine gute Note haben, gesteht er den Betrug dem Lehrer, was die Schulkameraden gar nicht lustig finden.

Liebevoll blickt Axel Milberg zurück und schlüpft noch einmal in sein jüngeres Ich. Konfirmieren lassen will er sich am Anfang nur der Geschenke wegen. Dann aber ist er vom Pastor, der Porsche fährt und aufregend zu erzählen weiß, so begeistert, dass er den Literaturzirkel im Gemeindehaus gleich noch mit besucht. Er schreibt ein Theaterstück, spielt in der Laienspielgruppe, muss nach der Vorstellung aber feststellen, wie seine erste Liebe Lili mit einem anderen davonzieht. Das aber kann ihn vom Entschluss, Schauspieler zu werden, nicht mehr abbringen.

Milberg ist ein geborener Erzähler. Er hat ebenso den Blick für die Pointe wie den für die Leerstelle. Sein Tonfall ist mitreißend charmant. Wäre er nicht Schauspieler, er hätte Schriftsteller werden können. Aber jetzt ist er es ja.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen