Bregenzer Festspiele: Opernatelier

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Flaka Haliti (links) und Alexander Moosbrugger (rechts) im Gespräch mit Thomas D. Trummer im Kunsthaus Bregenz.
Flaka Haliti (links) und Alexander Moosbrugger (rechts) im Gespräch mit Thomas D. Trummer im Kunsthaus Bregenz. (Foto: Michael Scheyer)
Katharina von Glasenapp

Die Bregenzer Festspiele bleiben anspruchsvoll und gewähren wieder Einblicke in den Entstehungsprozess eines Musiktheaters: Das erste Opernatelier hatte das Publikum vergangenen Sommer an die Uraufführung von „To the lighthouse“ von Zesses Seglias herangeführt. Nun kommt Alexander Moosbrugger, Cembalist, Organist, Komponist, Philosoph, Festivalleiter aus Schoppernau im Bregenzerwald mit einem Auftragswerk für 2020 zum Zug. In Zusammenarbeit von Festspielen und Kunsthaus Bregenz hat dessen Direktor Thomas D. Trummer die bildende Künstlerin Flaka Haliti mit ins Boot geholt. Dramaturg Olaf A. Schmitt entwickelte im kundigen Dialog mit Moosbrugger und Haliti Kurzportraits der beiden Künstler, die neugierig machen auf das entstehende Musiktheaterwerk.

Das Opernatelier gleicht einer Entdeckungsreise hin zur nächsten Uraufführung. Das Publikum wurde auf eine Wanderung geschickt durch Hörräume, akustische Überraschungen und allerlei Fachbegriffe: Zunächst hörte man wispernde Geräusche, Stimmen, eine Orgel, verbunden in einem wundersamen Klangraum. Und welche Überraschung, als Alexander Moosbrugger erklärte, man habe ein Stück von Mozart gehört! Es sind Kompositionsübungen für einen Schüler, zeitlich gedehnt, die Tonhöhen verbunden durch Glissandi von Sinustönen, durchmischt mit einer englischen Stimme für den Schüler Thomas Atwood und einer italienischen für den Lehrer   Mozart. Mozart oder doch Moosbrugger? Johannes Hämmerle, Domorganist in Feldkirch und viel beschäftigter Musiker auf Klavier, Orgel und Cembalo, brachte die ursprüngliche Aufgabe zu Gehör: Es handelt sich um eine ausgedehnte Kadenz mit einem bezifferten Bass, den der Schüler nach den Regeln des Generalbasses aussetzen sollte. Zu finden ist das Stück in einem Ergänzungsband der Mozart-Gesamtausgabe.

Interessante Gegenüberstellung

Ein weiteres Hör-Erlebnis folgte: Weil Moosbrugger sich auch intensiv mit den verschiedenen Stimmsystemen beschäftigt, konnte man auch der so ungewöhnlichen „Kleinen Gigue“ von Mozart begegnen: einmal auf dem Bösendorfer-Flügel, einmal auf einem „mitteltönig“ gestimmten, zierlichen Hammerflügel, genannt Pantaleon, der in der Feldkircher Schattenburg entdeckt wurde und nun im Vorarlberg Museum zu bestaunen ist. Interessant ist das Ergebnis dieser Gegenüberstellung: Das menschliche Ohr, zunächst irritiert durch die fremde Stimmung, hört sich rasch ein und empfindet sie bald als harmonisch. Mit einem weiteren Stück von Moosbrugger, „Skalen, Texte, Maß“ für Flöte, Bassklarinette, Violine und Violoncello, bekam man weiteren Einblick in die beziehungsreiche, von (gedachter, stummer) Sprache durchzogene Musiksprache des Komponisten. Vier Musiker des Ensembles Plus verwirklichten das zerbrechlich wirkende Stück mit großer Konzentration.

Hatte sich schon „To the Lighthouse“ auf ein ebenso bekanntes wie von den wenigsten wirklich gelesenes Buch (von Virginia Woolf) berufen, so bezieht auch Alexander Moosbrugger seinen Stoff aus einem berühmt gewordenen Titel: „Hypnerotomachia Poliphili“ heißt das rätselhaft vielschichtige Buch aus dem Jahr 1499 von Francesco Colonna, der darin einen Traum im Traum erzählt und mannigfach Beziehungen, Skizzen, Beschreibungen, Empfindungen aufzeigt. Man tauche ein in eine andere Welt, so Moosbrugger, in der die eigentliche Geschichte immer unwichtiger werde, sich ungeahnte Räume auch für die Musik öffneten. Hier werden sich auch der Komponist und die aus dem Kosovo stammende Künstlerin Flaka Haliti begegnen. Derzeit sind Ausstellungen von ihr in Hamburg und Berlin zu sehen. Auch sie ist begeistert von dem Reichtum des Buches, das Umberto Eco als das „schönste Buch aller Zeiten“ bezeichnete und dessen englische Übersetzung in elisabethanischem Englisch gehalten ist. Um Flaka Haliti und ihr Werk wird es in einem der nächsten Einblicke ins Opernatelier gehen. Bis dahin kann man schon mal üben, den Titel des Buches so flüssig auszusprechen wie die Künstler, oder sich gar ins Buch einlesen. Seit ein paar Jahren gibt es eine deutsche Übersetzung.

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