Benefiz-Kunstauktion in Bad Saulgau: „Das kleinste Werk ist das teuerste“

 Die Kulturexperten Uwe Degreif (links) und Andreas Ruess freuen sich auf die Benefiz-Kunstauktion in Bad Saulgau. Im Hintergrun
Die Kulturexperten Uwe Degreif (links) und Andreas Ruess freuen sich auf die Benefiz-Kunstauktion in Bad Saulgau. Im Hintergrund ist die Berglandschaft von Rudi Weiß zu sehen, rechts daneben eine Arbeit von Barbara Ehrmann, auf dem Sockel eine Skulptur von Willi Siber. (Foto: Antje Merke)
Redakteurin

Die städtische Galerie in Bad Saulgau ist in Oberschwaben eine einzigartige Einrichtung. Die Impulse, die einst von der „Fähre“ ausgingen, haben weit über das Städtchen hinaus gewirkt. Am Samstag, 17. September, wird dort nun eine Kunstauktion zugunsten der Buki-Hilfe für Kinder in Osteuropa veranstaltet. Die beiden Organisatoren Andreas Ruess, Bad Saulgaus Kulturamtsleiter, und Uwe Degreif, früherer stellvertretender Direktor des Museum Biberach, erzählen, was es mit dieser Aktion auf sich hat.

Wie entstand die Idee zu dieser Kunstauktion?

Ruess: Die Initiative ging von den Buki-Gründern Heidi Haller und Stefan Zell aus Bad Saulgau aus. Und zwar deshalb, weil wir vor etwa zehn Jahren schon einmal so eine Aktion auf die Beine gestellt haben. Damals noch in der Galerie am Markt – und die war mit einem Erlös von 13 000 Euro erstaunlich erfolgreich. Wir beide kennen das Buki-Projekt schon lang und haben zu den Akteuren enge Kontakte. Die Vertrauensbasis ist also da. Neben der Galerie „Fähre“ ist dieses Mal aber auch der Rotary Club Bad Saulgau-Riedlingen mit im Boot, der sich stark für soziale Projekte engagiert. Und so war von Anfang an klar, dass das Kulturamt Bad Saulgau die Anfrage wieder unterstützt. Wir hoffen natürlich, dass wir eine Summe in der Größenordnung wie beim letzten Mal erzielen werden.

Wie sind Sie vorgegangen?

Degreif: Wir haben ungefähr 100 Adressen angeschrieben, und zwar Künstler als auch Sammler in ganz Oberschwaben. Wenn man die 115 Werke nimmt, die zusammengekommen sind, dann stammen etwa drei Viertel von den Künstlerinnen und Künstlern und ein Viertel von Privatpersonen aus der Region. Wir wussten von vorn herein, dass wir auch mit der Spendenbereitschaft von Sammlern rechnen können. Das liegt sicher an dem Vertrauensverhältnis, das wir zwei über die Jahrzehnte hinweg auf beiden Seiten aufgebaut haben.

Ruess: Beim letzten Mal hatten wir uns ganz auf die Künstlerinnen und Künstler verlassen. Aber nachdem ja viele von ihnen in der Corona-Krise schwere Zeiten durchgemacht haben, wollten wir diesmal das Spektrum erweitern. Als langjähriger Leiter der städtischen Galerie „Die Fähre“ kenne ich natürlich viele Privatsammler und weiß, dass deren Häuser voller Kunstwerke sind und deshalb auch eine Bereitschaft da ist, sich für einen guten Zweck von einem Stück zu trennen. Am Ende gab es insgesamt nur zwei oder drei Künstler, die sich nicht an dem Projekt beteiligen wollten. Ansonsten sind wir auf einhellige Zustimmung gestoßen.

Was hat Sie am meisten überrascht?

Degreif: Ich hatte damit gerechnet, dass mehr Künstler darauf bedacht sind, ihren Marktwert zu stabilisieren. Sprich, mit vielen Vorgaben kommen. Dass wir ein Werk erst ab einem bestimmten Preis aufrufen dürfen. Doch das waren wirklich wenige – etwa eine Handvoll. In den meisten Fällen hat man es uns überlassen, den Einstiegspreis festzulegen. Beim letzten Mal gab es noch mehr Vorschriften.

Ruess: Mich freut es, dass die Künstlerinnen und Künstler uns da vertrauen. Denn wir wollen zwar auf der Auktion viel verkaufen, aber die Werke auch nicht verramschen.

Welche Kunstwerke erwarten die Interessenten?

Degreif: Eine große Vielfalt. Eine Vielfalt sowohl in den Motiven, den Techniken als auch im Format. Ich hatte ja mit vielen kleinen Exponaten gerechnet, aber das ist nicht eingetroffen. Wir haben erstaunlicherweise auch großformatige Malereien bekommen sowie zahlreiche größere Skulpturen. Und zeitlich betrachtet ist das Spektrum mit 100 Jahren enorm. Abgesehen von einer Radierung aus dem späten 19. Jahrhundert, einer Stadtansicht von Ravensburg, geht es mit zwei Druckgrafiken von Gottfried Graf aus dem Jahr 1916 los und reicht bis in die Gegenwart.

Ruess: Dadurch, dass jetzt auch Sammler aus der Region beteiligt sind, können wir einen Querschnitt durch die oberschwäbische Kunstgeschichte bieten. Da sind tatsächlich Flaggschiffe der oberschwäbischen Kunstlandschaft dabei – mit Gottfried Graf, Sepp Mahler, Jakob Bräckle, Werner Roland oder Hans Gassebner. Und das führt sich fort bis zu den zeitgenössischen Künstlern wie beispielsweise mit Barbara Ehrmann, Isa Dahl und Willi Siber.

Wo liegen ungefähr die Einstiegspreise?

Degreif: Der Einstiegspreis bei vielen Werken liegt bei 50 bis 80 Euro. Hinzu kommen zahlreiche Arbeiten, die ab 200 Euro aufgerufen werden. Für einzelne Exponate gibt es sogar schon ein Angebot, zum Beispiel die Ravensburg-Grafik.

Ruess: Das kleinste Werk mit einem Startpreis von 1200 Euro ist übrigens das teuerste – eine Landschaft von Jakob Bräckle von 1929. Eines der größten, eine abstrakte Berglandschaft von Rudi Weiß, geht mit 950 Euro an den Start. Unser Ziel war, dass der Einstiegspreis etwa bei einem Drittel oder maximal der Hälfte des Galeriepreises liegt. Insofern sind sämtliche Angebote auf dieser Kunstauktion extrem günstig.

Wem kommt das Geld genau zugute?

Ruess: Der Erlös der Benefiz-Auktion geht zu 100 Prozent an die Buki-Hilfe für Kinder in Osteuropa. Das ist eine private Initiative aus Bad Saulgau, die in Cidreag, einer kleinen Gemeinde im Nordwesten Rumäniens, eine Tagesstätte für Roma-Kinder unterhält. Die Mädchen und Jungen wachsen dort in extrem armen Verhältnissen auf. Sechs Mitarbeiterinnen kümmern sich täglich um die inzwischen 55 Kinder. Sie bekommen dort ein Frühstück und Mittagessen sowie eine niveaugerechte Hausaufgabenbetreuung. Hinzu kommt ein breites Angebot an sozialen Leistungen, wie etwa ein Ferienprogramm im Sommer. Die Kinder können dort auch duschen, was zu Hause nicht möglich ist. Denn die Familien wohnen großteils bis heute in Plastikverschlägen – und das mitten in Europa.

Wir haben die allgemeine Kommentarfunktion unter unseren Texten abgeschaltet. Für einzelne Texte wird es auch weiterhin die Möglichkeit zum Austausch geben. Aufgrund der Vielzahl an Kommentaren können wir derzeit aber keine gründliche Moderation mehr gewährleisten. Mehr Informationen zu unseren Beweggründen finden Sie hier.
Kommentare werden geladen

Persönliche Vorschläge für Sie