Avril Lavigne gibt sich kämpferisch

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 Hat zu neuer Stärke gefunden: Avril Lavigne.
Hat zu neuer Stärke gefunden: Avril Lavigne. (Foto: David Needleman)
Steffen Rüth

Avril Lavigne hat eine fürchterliche Zeit hinter sich. Seit 2015 litt sie an einer lebensgefährlichen Form von Hirnhautentzündung, zwei Jahre lag sie praktisch flach, danach kämpfte sich die Kanadierin mit den früher so kecken Hits („Complicated“, „Girlfriend“) mühsam wieder ins Alltagsleben und den Beruf zurück. Mit 34 Jahren hat Lavigne nun wohl das erste wirklich erwachsene Album ihrer Karriere gemacht. Auf „Head above Water“ gibt sich sich stimmgewaltig und inhaltlich weitaus tiefer aus bisher. Steffen Rüth rief Avril in ihrer Villa in Hollywood an.

Guten Morgen, Avril. Was bedeutet dir das neue Album?

So viel. So unglaublich viel. Für mich markiert es einerseits eine Wiedergeburt. Und andererseits den Start des zweiten Teils meiner Karriere, ja meines Lebens. „Sk8er Boi“ war seinerzeit der Anfang, der Song bestimmte fast 15 Jahre lang den Ton meiner Musik. Und „Head above Water“ ist wirklich ein neuer Beginn für mich, in jeder Hinsicht. Ich habe viel durchgemacht, bin erwachsener geworden, und es ist einfach auch sehr viel Zeit vergangen. Und kaum jemand kann sich vorstellen, wie glücklich ich bin, jetzt wieder mit meiner Musik in der Öffentlichkeit präsent zu sein.

Du warst schwer an Lyme-Borreliose erkrankt, das ist eine hartnäckige Form der Hirnhautentzündung. Bis die Diagnose feststand, vergingen Monate, und die Genesung dauerte mehr als zwei Jahre. Was nimmst du mit aus dieser Zeit?

Ich bin glücklich und dankbar, dass ich überhaupt noch am Leben bin. Und ich bin heilfroh, dass ich meine Musik hatte, denn ich hatte oft das Gefühl, sie hat mir Leben eingehaucht. Sobald ich wieder aufstehen konnte, schleppte ich mich an mein Klavier und schüttete mein Herz aus. Auf diesem Album ist alles drauf, was ich zu geben habe.

Den Song „Head above Water“ hast du angeblich geschrieben, als du dachtest, du stirbst.

Ja, eines Nachts habe ich geglaubt, dass ich ersticke und förmlich ertrinke. Meine Mutter lag neben mir im Bett und hielt mich fest. Seltsamerweise hatte ich irgendwie meinen Frieden mit dem Tod gemacht. Ich betete zu Gott, dass er meinen Kopf über Wasser halten möge, und das war der Moment, in dem ich zum ersten Mal wieder mit dem Songschreiben begann. Es war, als sei ich auf eine sprudelnde Quelle gestoßen.

Ist Songschreiben für dich eine Form von Therapie?

Ohne Zweifel. Zu Hause am Klavier, an der Gitarre, beim Texten fühle ich mich am glücklichsten und auch am gesundesten. Und als ich endlich wieder im Studio arbeiten konnte, war das ein Mega-Meilenstein für mich. Meine Erfahrungen in Kunst umzuwandeln, lässt sie für mich weniger schrecklich und furchteinflößend wirken. Mir war es noch so egal wie jetzt, was andere Leute über meine Songs sagen. Ich bin jedenfalls überglücklich, dass ich dieses Album vollendet habe, und das ist alles, was für mich zählt. Und ich hoffe, dass diese Lieder anderen Menschen Mut machen und durch schwere Zeiten helfen.

Wovon handelt die aktuelle Single „Tell Me It’s Over“?

Über eine Beziehung, die zu Ende geht, obwohl du den Typen noch richtig, richtig scharf findest und wirklich kein Interesse daran hast, dass Schluss ist.

Du warst zweimal verheiratet – erst mit Deryck Whibley, dann mit Chad Kroeger. Steht dir momentan überhaupt der Sinn nach einer neuen Beziehung? Bist du gar mit jemandem zusammen?

Mein Liebesleben soll bis auf Weiteres privat bleiben. Vielleicht erzähle ich dir eines Tages mehr darüber, aber jetzt gerade lieber nicht.

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