Ausstellung: „Hitler. Macht. Oper“ in Nürnberg

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Hitler. Macht. Oper. Bis zum 3. Februar im Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände Nürnberg, Mo-Fr 9-18 Uhr, Sa, So 10-18 Uhr, www.dokumentationszentrum-nuernberg.de

Begleitbuch 19, 95 Euro.

Die Stadt Nürnberg spielte in der Selbstdarstellung der nationalsozialistischen Bewegung von Anfang an eine besondere Rolle, galt sie den NS-Ideologen doch als ideale Kulisse für ihre Inszenierungen. Noch vor der Machtergreifung berief die NSDAP dort Parteitage ein. 1933 erklärte Adolf Hitler Nürnberg zur „Stadt der Reichsparteitage“. Auf einem elf Quadratkilometer großen Areal im Süden Nürnbergs entstanden monumentale Bauten für die NS-Massenveranstaltungen. Eine kleine Ausstellung im Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände stellt die Demonstrationen des totalitären Machtwillens dar. Unter dem etwas knalligen Titel „Hitler. Macht. Oper“ geht es um die Frage, inwieweit die Kunst, explizit das Musiktheater, die NS-Propaganda geprägt hat.

Im Begleitheft zur Ausstellung, die das Staatstheater Nürnberg und das Forschungsinstitut für Musiktheater der Universität Bayreuth konzipiert haben, heißt es: „Während der Reichsparteitage wurde die Stadt selbst zur Bühne und Kulisse für Aufmärsche der Nationalsozialisten. Damit traten Opernbühne und Stadt in einen inszenierten Dialog.“

Auf Hitlers Befehl musste die Jugendstil-Ausstattung des Opernhauses Nürnberg entfernt werden. Die Nationalsozialisten nannten das „Entschandelung“. Das galt auch für einzelne Häuser in der Innenstadt. Da wurde verputztes Fachwerk wieder freigelegt, Dachgiebel mussten hinzugefügt, modernere Anbauten entfernt werden. Es sollte ein Ideal-Nürnberg sein, wie es Richard Wagner in seinen „Meistersingern“ erfunden hatte: „Deutsch und echt“.

Masseninszenierung als Theater

Die Regie der Reichsparteitage folgte einem strengen Reglement. Die Aufmarschpläne liefen nach einer hoch komplizierten Choreografie ab. Die in der Ausstellung gezeigten Fotos beweisen: Es ist wie im Theater. Albert Speer ließ 1936 erstmals entlang des gesamten Zeppelinfeldes Flak-Scheinwerfer errichten. Die Parade wurde extra in die Abendstunden verlegt, um den mystischen Effekt des sogenannten Lichtdoms zu erzeugen. Parallel dazu wurde eine riesige Orgel in Auftrag gegeben. Die Ausstellungsmacher schreiben: „Die Orgel steht im Nationalsozialismus nicht nur für Sakralität und Musikalität. Aufgrund ihrer Größe und Komplexität wird sie als ,totales Instrument’ bezeichnet und ist daher auch ein Symbol für totale Herrschaft.“

Die Schau legt nahe, dass Hitler alles, was Nürnberg, das Musiktheater und die Reichsparteitage angeht, als Chefsache angesehen hat – Besetzung, Kostüme, Inszenierung. Zum Reichsparteitag und zur Wiedereröffnung des Opernhauses wurden 1935 „Die Meistersinger“ gegeben. Geschlossen wurde das Haus auf Goebbels’ Befehl am 31. August 1944. Auf dem Programm: „Götterdämmerung“. Regie: Wieland Wagner. Er stand hoch in der Gunst des Diktators, bis zum Schluss. Was den Wagner-Enkel nicht daran hinderte, die Wiedereröffnung der Bayreuther Festspiele als Neuanfang darzustellen. Kühn verbaten sich die Nachkommen des Komponisten politische Diskussionen. „Hier gilt’s der Kunst“ hieß es 1951 auf dem Grünen Hügel. Eine Anmaßung auch dies: Ihr Vater Siegfried Wagner hatte das Motto aus den „Meistersingern“ für die Festspiele 1924 ausgegeben. Er wollte damit nationalistische Töne unterbinden. Und noch ein Aspekt ist interessant: Die Aufzeichnungen und Dokumente legen nahe, dass der „Neubayreuther Stil“ keineswegs eine Erfindung der Nachkriegszeit war, sondern von Wieland schon für seine Nürnberger „Ring“-Inszenierung in der NS-Zeit entwickelt wurde.

Hitler. Macht. Oper. Bis zum 3. Februar im Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände Nürnberg, Mo-Fr 9-18 Uhr, Sa, So 10-18 Uhr, www.dokumentationszentrum-nuernberg.de

Begleitbuch 19, 95 Euro.

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