Ausstellung: Haute Couture und Sex in München

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 Emma Sjöberg während des Drehs zu George Michaels Song „Too Funky“ in Paris 1992. Sie trägt ein Outfit aus Muglers Kollektion „
Emma Sjöberg während des Drehs zu George Michaels Song „Too Funky“ in Paris 1992. Sie trägt ein Outfit aus Muglers Kollektion „Les Cow-boys“ . (Foto: Patrice Stable)
Christa Sigg

Dieses Motorrad-Girl ist nicht zu bremsen. Die Gashebel sind praktischerweise direkt am Bike-Bustier angebracht, und mit zwei kapitalen Rückspiegeln behält die moderne Amazone gleich noch den Überblick. In dieser Kluft hat das Model Emma Sjöberg in George Michaels Video „Too Funky“ 1992 mächtig für Furore gesorgt – und Thierry Mugler wieder einen Coup gelandet. Denn wenn die Popwelt nach ausgefallenen Outfits rief, war der französische Star-Designer erste Wahl. Das zeigt jetzt die Ausstellung „Thierry Mugler. Couturissime“ in der Kunsthalle München.

Und Emma ist nicht die Einzige mit Blech am Busen. Überhaupt war für Mugler kein Material jemals zu sperrig, zu schwer oder zu schrill, um damit nicht irgendeiner Großstadt-Heroine zu schmeicheln. Mit extrabreiten Schultern, kein Modeschöpfer hat die Frauen je so stark gemacht.

150 Kreationen aus 40 Jahren, von Mitte der 1970er-Jahre bis 2014, vereinen Haute Couture und Parfums in Stern-Flacons, Fotografie und immer wieder die Bühne. Für Madonna und Diana Ross hat er Show-Taugliches entworfen, für Lady Gaga und Céline Dion. Die Pet Shop Boys ließen sich von ihm stylen, und auch David Bowie war oft in Mugler gehüllt. Unvergessen ist der quietschgrüne Anzug, den er für das Video zum Song „You Belong in Rock’n’Roll“ auf den androgynen Leib geschneidert bekam. Mit allzu hohem Hosenbund, das war Anfang der 90er halt so.

Die Stars revanchierten sich gerne und spazierten für Mugler werbewirksam über den Laufsteg. Auch dieser Trend geht neben dem spektakulären Inszenieren von Modenschauen auf den mittlerweile 71-jährigen Franzosen zurück. Der ausgebildete Tänzer, der mit 14 in seiner Heimatstadt Straßburg beim Ballett begann, weiß sehr genau, wie man das Publikum packt.

Ob das nun die Schönheiten mit ihren Wespentaillen betrifft, die in strengem Schwarz-Weiß kühle Erotik verströmen – der freigelegte Hintern mit der Perlenkette funktioniert als Hingucker einfach prächtig. Oder ob Kurator Thierry-Maxime Loriot die Besucher in ein faszinierendes Aqua-Terrarium voller Mugler-Nixen und Schmetterlingen entführt. Stachel-BHs, Kristallschuppenkleider, Handschuhe mit Echsenfingern, Korallen-Diademe, Latex, Organza, Samt und selbst Plexiglas sind hier zu tragbaren Kunstwerken gefügt.

Mehr geht nicht, aber diese Couture ist auch schwerlich zu überbieten. Allein Muglers Kühlergrill-Bustiers kommen so rotzfrech daher, dass man nach 30 Jahren noch verblüfft ist.

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