Ausstellung: Fotos von Roland Rasemann in Bad Waldsee

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Querschnitt. Pressefotos von Roland Rasemann. Museum im Kornhaus in Bad Waldsee. Bis 26. August, Freitag bis Sonntag, 13.30 bis 17.30 Uhr.

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9. September 2006. Warten auf Papst Benedikt XVI., der am Münchner Flughafen landen soll. Es ist das erste Mal, dass der frühere Kardinal Josef Ratzinger als Papst bayerischen Boden betritt, ein Moment von historischer Bedeutung also. Ein Windstoß bläst Benedikt die Mozetta, den weißen Schulterumhang, derart ins Gesicht, dass dem wohl kurzzeitig gänzlich weiß vor Augen wurde. Und Roland Rasemann, langjähriger Fotograf der „Schwäbischen Zeitung“, hat im richtigen Moment auf den Auslöser gedrückt.

„Das optimale Bild entsteht nicht durch Ungeduld, sondern durch Warten.“ So beschrieb Rolf Waldvogel, ehemaliger Kulturchef der „Schwäbischen Zeitung“, bei der Vernissage am Sonntag die Arbeitsweise des Fotografen. Die Ergebnisse des Wartens auf den richtigen Moment sind nun in der Ausstellung im Bad Waldseer Museum im Kornhaus zu sehen. Unglaubliche 45 Jahre hat Roland Rasemann als Fotograf für die Mantelredaktion der „Schwäbischen Zeitung“ gearbeitet. Diese Zeit war geprägt durch die Arbeit mit einem Menschen: dem vor knapp einem Jahr verstorbenen Fotografen Rupert Leser aus Bad Waldsee.

Eine Laborantin hat der SZ-Fotograf Rupert Leser 1971 gesucht. Der 17-jährige Roland Rasemann, der zuvor in einem Leutkircher Fotogeschäft eine Lehre absolviert hatte, bewarb sich dennoch. „Die Haare waren damals ja lang genug“, erinnert sich Waldvogel. Rasemann hatte gehört von dem Fotoreporter Leser, und sein Ziel war klar: Das wollte er auch werden. Zunächst war er also als Laborant für den großen Chef tätig. Als solcher durfte er 1972 nach München zu den Olympischen Spielen. Nachts die Fotos entwickeln, am frühen Morgen zum Kurierdienst bringen, welcher die Bilder zur Mantelredaktion in Leutkirch fuhr. Die analogen Zeiten hatten ihre Mühen – aber auch ihre Chancen.

Und die nutzte Rasemann. Der Laborant Lesers bekam schon wenige Jahre später einen Redakteursvertrag. In den darauffolgenden Jahren entwickelte sich zwischen Leser und Rasemann eine „Symbiose zweier Charakterköpfe“, so Waldvogel. Das erste Mal bei der Vierschanzentournee in Oberstdorf zusammen mit seinem Lehrmeister habe er erst im Nachhinein realisiert, dass das Zischen am Ohr eben der Springer gewesen sei, erzählt Rasemann. Doch Bangemachen galt nicht. Der nordische Skisport wurde schon bald zu seinem Steckenpferd. In analogen Zeiten sei es schon eine Leistung gewesen, am Ende ein scharfes Bild von einem Skispringer im Kasten zu haben. Heute müsse man da schon kreativer sein. Zum Beispiel beim Training dem Skispringer auf dem Absprungbalken die Kamera zwischen die Beine halten.

Der Blickwinkel

Der Blickwinkel macht eben den Unterschied. Und kann den Fotografenberuf manchmal auch zu einem Knochenjob werden lassen. Die Suche nach dem richtigen Standort bei einer Skiabfahrt, mit schwerem Gepäck bei eisiger Kälte den vereisten Hang hinauf, ist ein Beweis dafür.

Der richtige Zeitpunkt ist hingegen bei den ebenfalls in Bad Waldsee ausgestellten Ballettfotos das Wesentliche. „An der Energie, die jemand aufwendet, merkt man, wann er springt.“ Man müsse einen Bewegungsablauf durchschauen und vor dem Höhepunkt abdrücken, so Rasemann.

Und er räumt mit dem Vorurteil auf, dass ein erstklassiges Foto ein Zufallsprodukt sei. Die Vorbereitung beispielsweise zum Fotografieren auf einem Parteitag war für ihn immer das A und O. Nur wer wisse, wer mit wem gerade über Kreuz sei, könne das Foto schießen, das manchmal mehr aussagt, als mancher geschriebene Artikel.

Dass er mit den Menschen gut kann, zeigen die Fotos aus der Region. In den siebziger Jahren waren es die älteren Damen, die in Deutschlands kleinstem Thermalbad – drei Badewannen mit Thermalwasser auf einem Acker bei Kisslegg – in Rasemanns Kamera strahlten. „Die Menschen merken, wenn man nicht ehrlich und offen ist.“ Für ihn sei ein wichtiger Grundsatz seiner Arbeit, niemanden bloßzustellen – auch nicht Politiker, die man ja leicht auch mal unvorteilhaft erwische.

Was spontane Offenheit ist, hat er um die Jahrtausendwende erfahren, als eine Spendenaktion der „Schwäbischen Zeitung“ für Karlheinz Böhms Äthiopienhilfe den Fotografen und seinen Kollegen Herbert Beck mehrmals in das afrikanische Land führte. Die Schönheit der Menschen habe ihn tief berührt, sagt er heute. Wer die Fotos aus Äthiopien betrachtet, spürt, dass hier einer die Würde der Menschen achtet, auch in einem elenden Umfeld. Immer wieder löst Rasemann die Vorgabe seines frühen Mentors und späteren Kollegen Lesers ein: Mit einem Foto eine Geschichte zu erzählen. In Bad Waldsee bekommt man viele dieser Geschichten zu sehen.

Querschnitt. Pressefotos von Roland Rasemann. Museum im Kornhaus in Bad Waldsee. Bis 26. August, Freitag bis Sonntag, 13.30 bis 17.30 Uhr.

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